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»Mitmenschlichkeit statt Rassismus«

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Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus: Friedbert Mühldorfer (Zweiter von links) vom Kreisverband Traunstein der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten erinnerte am Trostberger Marienplatz auch an die Häftlinge des ehemaligen Trostberger Außenlagers des KZ Dachau. (Foto: Falkinger)

Trostberg – »Wir wollen nicht unser Entsetzen konservieren. Wir wollen Lehren ziehen, die auch künftigen Generationen Orientierung sind«, sagte 1996 der damalige Bundespräsident Roman Herzog, als er den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar einführte.


Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Naziregimes, befreit.

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Jetzt gedachte der Kreisverband Traunstein der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) am Trostberger Marienplatz eine Stunde lang der Opfer des Nationalsozialismus. Friedbert Mühldorfer von der VVN-BdA verband das Gedenken auch mit der Aktualität. Die Vergangenheit mahne: Mitmenschlichkeit statt Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Die Wahl zum Schauplatz der Gedenkstunde sei diesmal auf Trostberg gefallen, um auch einmal den nördlichen Landkreis einzubinden, erklärte Mühldorfer. Ein bedeutenderer Grund ist jedoch, dass in Trostberg von Oktober 1944 bis zur Befreiung im Mai 1945 ein Außenlager des KZ Dachau existiert und bis zu 1000 Häftlinge umfasst hat.

Die VVN-BdA erinnerte auch an die Menschen, die hier für die Rüstungsindustrie arbeiten mussten und aufgrund unmenschlicher Bedingungen gestorben sind. Sieben Gefangene des Außenlagers kamen während ihrer Haft in Trostberg ums Leben, ein weiterer Häftling starb einen Monat nach seiner Befreiung im Kreiskrankenhaus Trostberg. Mühldorfer erklärte, dass ein Gedenkstein auf dem Friedhof und das Stadtmuseum an das Trostberger Außenlager erinnerten. Ein deutlich sichtbares Zeichen in der Stadtmitte fehle aber bisher.

Der 27. Januar soll eine wichtige Bedingung von Naziterror und Krieg in Erinnerung rufen: Die Ausgrenzung und Verfolgung all der Menschen, die nicht den rassischen und politischen Vorstellungen der Nazis entsprachen. Auf einem Flugblatt zitiert die VVN-BdA den jüdischen Auschwitz-Überlebenden Marian Turski, der vor zwei Jahren bei einer Gedenkfeier in Berlin sagte: »Auschwitz begann mit der Demütigung des Menschen. […] Deshalb möchte ich heute mit vollem Nachdruck sagen: Wenn heute jemand einen Rom, einen Juden, Bosnier, Türken, Israeli, Palästinenser, Christen, Moslem oder Nichtgläubigen demütigt, so ist es, als beginne Auschwitz von Neuem.«

»Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen«, sagte Bundespräsident Herzog 1996. Der Schauplatz der Gedenkstunde in Trostberg besitzt in puncto Erinnerung Symbolkraft: Am Marienplatz hissten amerikanische Besatzungstruppen in den ersten Maitagen 1945 das Sternenbanner, nachdem sie in Trostberg einmarschiert waren und so auch hier den Nazispuk beendet hatten. fam