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Mitgliedsbeiträge um 200 Prozent erhöht

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Um Sein oder Nichtsein ging es bei der Jahresversammlung des 700 Mitglieder zählenden Südostbayerischen Verbandes der Obst- und Kleinbrenner (SOB): Bei nur ganz wenigen Gegenstimmen wurde nach hitziger Debatte einer Anhebung der Mitgliedsbeiträge um mehr als 200 Prozent zugestimmt. Wäre das nicht geschehen, hätte der Verband womöglich noch heuer Insolvenz anmelden müssen.


In die prekäre finanzielle Lage kam die Organisation der Obstbrenner nicht etwa wegen Misswirtschaft oder einer großzügigen Ausgabenpolitik; vielmehr ist sie darauf zurückzuführen, dass vor zwei Jahren Geschäftsführer Josef Stein sein Amt niedergelegt hat. Stein ist Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege am Landratsamt Rosenheim und hat mit Zustimmung seines Dienstherrn die Belange der Brenner über viele Jahre vertreten. Nach seinem Ausscheiden stellte der SOB mit Zustimmung der Mitglieder eine Geschäftsführerin ein, um seine bisherigen Leistungen in gleichem Umfang erfüllen zu können wie bis dahin.

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Allein 2015 wurden 10 000 Euro Verlust gemacht

Personalkosten und Büromiete im »Grünen Zentrum« in Töging betragen über 20 000 Euro jährlich; die Einnahmen aus Beiträgen liegen bei knapp 17 000 Euro, wovon ein Teil an den Bundesverband abgeführt werden muss. So ergab sich allein 2015 ein Minus von über 10 000 Euro, das aus den Rücklagen gedeckt wurde. Zum Jahreswechsel hatte man nur noch knapp 4000 Euro auf der hohen Kante. In die jetzt beschlossene Erhöhung von 25 auf 65 Euro pro Jahr ist auch eingerechnet, dass nach Wegfall des Branntweinmonopols viele Brenner ihren Betrieb schließen und dann vermutlich auch aus dem Verband austreten werden.

Das Deutsche Branntweinmonopol wird zum 1. Januar 2018 auf Drängen der Europäischen Union abgeschafft. Damit fallen Vergünstigungen für Kleinbrenner weg. Über die Auswirkungen und Folgen informierte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Obst- und Kleinbrenner, Gerald Erdrich. Er hoffe auf eine Renaissance der Obstbrände und dass nicht nur Gin, Rum und Whisky den Ton angeben: »Wenn endlich die Barkeeper anfangen würden, Obstbrände für Cocktails zu verwenden, wäre dieses Ziel erreicht«.

Neben dem beherrschenden Thema der Beitragserhöhung ging es auch um die Bayerische Obstbrandprämierung, die alle zwei Jahre stattfindet und 2014 erstmals vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium mitveranstaltet worden ist. Dazu muss man wissen, dass es im Freistaat drei Brennerverbände gibt; neben dem SOB einen im Bereich Lindau am Bodensee und einen in Franken, wovon Letzterer alljährlich eine eigene Prämierung abhält. Nun hat das Ministerium erreicht, dass die Franken ihre Prämierung nur noch alle zwei Jahre abhalten, wenn kein gesamtbayerischer Qualitätswettbewerb stattfindet. Ziel ist es, nur noch eine bayerische Prämierung abzuhalten. Ein weiteres Ziel der staatlichen Förderung ist es, die gemeinsame Dachmarke BayernBrand starkzumachen, die auch heut schon auf verschiedenen Veranstaltungen präsent ist.

Brennerstammtisch in Traunstein

Der SOB bot seinen Mitgliedern im vergangenen Jahr ein umfangreiches Fortbildungsprogramm an, das heuer in gleichem Umfang vorgesehen ist. Das gleiche gilt für die Lehrfahrten und die regionalen Brennerstammtische. Einer findet in vierteljährlichem Turnus im Wochinger-Brauhaus in Traunstein statt; nächster Termin ist am 29. April. -K.O.-