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Miteinander der beiden Kirchen weiter fördern

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Auch nach dem Ende der Veranstaltung nutzten die Besucher die Möglichkeit zum Gespräch mit den Referenten des Abends, Günther Beckstein (vorne links) und Alois Glück (3. von links), oder ließen sich von ihnen ein Buch signieren. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein. Wie verankert und beständig sind christliche Werte in Politik und Gesellschaft? Vor welchen Aufgaben und Herausforderungen stehen die christlichen Kirchen in einer sich rasant verändernden Welt? Wie kann die Kirche in einer gelebten Ökumene ein christliches Zeugnis der Einheit nach außen sein? Darüber diskutieren der frühere Landtagspräsident Alois Glück und der einstige Bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein im Traunsteiner Rathaus.


Beide sind in verantwortlichen Positionen in den beiden großen christlichen Kirchen engagiert: Während Glück Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist, ist Beckstein seit fast zwei Jahrzehnten berufenes Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche in Bayern. Reinhart Knirsch von Radio Regenbogen moderierte die gut besuchte Diskussionsrunde, veranstaltet wurde der Abend vom Evangelischen Bildungswerk Traunstein.

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Beckstein machte deutlich, dass es gerade in dem Bestreben, christliche Werte in die Politik zu bringen, gelte, konfessionelle Grenzen zu überwinden. Glück bekräftigte, dass es nach fast 450 Jahren der Abgrenzung und Religionskriegen wichtig sei, das entstandene »miteinander Wachsen« der vergangenen 50 Jahre zu fördern.

Beckstein meinte, dass er christliche Wertmaßstäbe in der Politik noch überproportional vertreten sehe. Er gehe aber davon aus, dass sich das ändern werde. Es sei darum Aufgabe der beiden Kirchen, das Interesse gläubiger, junger Menschen an Politik zu wecken. Im Zusammenhang mit politischen Entscheidungen betonte er, dass diese oft von Kompromissen und »Zweckmäßigkeit« geprägt seien. Glück sagte, dass die Kirche beispielsweise Orientierung bei rechtspopulistischen Umtrieben geben müsse: »Christen müssen leidenschaftliche Anwälte der Würde des Menschen sein.«

In der Diskussionsrunde interessierten sich die Zuhörer unter anderem für die Rolle der Frau in der Kirche. Es ging auch um die als zu starr empfundene Hierarchie in den Kirchenstrukturen. Vor dem Hintergrund von deutlich kritisierten und als viel zu niedrig empfundenen Vergütungen für Hebammen wurde die Frage aufgeworfen, wie viel dem Staat letztlich ein intaktes Familienleben wert sei. Dahin zielte auch die Sorge einer Besucherin, dass die frühkindliche Erziehung in Krippen gegenüber einem Aufwachsen im Elternhaus möglicherweise Nachteile für das Kind bringe.

Die themenfremde Frage, welchen Kostenrahmen öffentliche Geburtstagsfeiern von Landräten haben sollten, beantworteten beide Redner damit, dass sich diese in einem vernünftigen Rahmen angemessen bewegen sollten. Weiter führten Beckstein und Glück das Thema aber nicht aus. awi

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