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Mit über 90 Jahren noch Holz gemacht

Beim Gratulieren: Der Jubilar Ludwig Eicher (sitzend) mit (von links) Tochter Annelies Kecht, Schwester Anna Gschwendtner, Schwiegersohn Sepp Kecht, Vizebürgermeister Hans Egger und Landratsstellvertreter Georg Klausner. (Foto: Mergenthal)

Inzell. Noch mit über 90 Jahren hat er auf seinem heimatlichen Bauernhof in Jochberg Holz gemacht, und bis heute schmecken ihm Weißwürste und ein süffiges Bier: Mit einem kleinen Frühschoppen feierte Ludwig Eicher bei guter Gesundheit im Chiemgau-Stift seinen 100. Geburtstag.


Der Jubilar ist auf dem Eckarter Hof in Jochberg als viertes von zehn Kindern geboren worden und arbeitete zunächst im Forst. Der älteste und der zweitälteste Sohn der Familie fielen im Zweiten Weltkrieg, und zwei Brüder von Ludwig starben ganz klein. Ludwig Eicher musste 1939, noch vor Kriegsbeginn, in die Reichenhaller Kaserne einrücken und bekam nach einigen Tagen frei, um die Familie zu besuchen. Sein Versprechen, bald wieder heimzukommen, konnte er nicht einhalten: Unmittelbar nach der Rückkehr in die Kaserne brach der Krieg aus. Der junge Ludwig kam bis ins russische Stalingrad, wo er dank seiner Position außerhalb der Stadt noch rechtzeitig den Rückzug antreten konnte.

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Bei Kriegsende hatte er einen Schutzengel

Beim Rückzug nach Kriegsende marschierte er mit seinen Kameraden auf der Autobahn A 8. Der Gefangennahme durch die Amerikaner entkam der findige und ortskundige Bursche, indem er sich bei einer Pause von dem Tross absetzte und in den Wald verschwand. Er floh über den Teisenberg nach Jochberg, nachdem er beim ersten Bauernhof seine Militärkleidung gegen ein einfaches Arbeitsgewand getauscht hatte. Mit diesem saß er dann am Eckarter Hof arglos in der Diele, als kurz vor dem Anrücken der Amis die letzten Wehrmachtssoldaten den Hof kontrollierten. Er hatte einen Schutzengel und wurde in seiner »Verkleidung« nicht erkannt.

Nach dem Krieg übernahm daher er den elterlichen Hof und wurde Bauer. Zum Hof gehörte auch eine wunderschöne, heute aufgelassene Alm, die »Eckarter Alm«. 1949 heiratete Ludwig Eicher seine Frau Genoveva (»Vevi«) aus Karlstein. Damals kamen die jungen Leute aus Karlstein gerne zu Festen und zum Tanzen nach Weißbach. Das Paar freute sich über die Geburt von zwei Töchtern, Evi und Anneliese, die später zwei Brüder aus Inzell, Alois und Sepp Kecht, heirateten. Außerdem hat der 100-Jährige heute sieben Enkel und sieben Urenkel.

Neben der Bauernarbeit war die Holzarbeit immer seine Leidenschaft, und früher mochte er auch das Almgehen ganz gern. Bei jedem Weißbacher Verein ist er dabei.

Dank der liebevollen Betreuung durch Tochter Evi, deren Mann Alois den landwirtschaftlichen Betrieb weiterführte und inzwischen schon an die nächste Generation übergab, konnte er bis 2010 am Hof bleiben. Seine Ehefrau musste er schon 2004 zu Grabe tragen. Nach dem Tod seiner Tochter Evi vor zwei Jahren zog er ins Chiemgau-Stift um und hat sich inzwischen dort gut eingelebt. Seine jüngste Schwester Anna Gschwendtner (90), die mit ihm als einzige der einst großen Kinderschar übrig blieb, besucht ihn jede Woche.

Der Geburtstag wurde am Vormittag mit einem Weißwurstessen im Stift gefeiert. Ludwig Eicher freute sich sehr über das Ständchen eines Bewohner-Chors mit »Am Brunnen vor dem Tore« und natürlich »Hoch soll er leben«. Glückwünsche und Geschenke überbrachten in diesem Rahmen Vizebürgermeister Hans Egger für die Gemeinde Inzell und Landratsstellvertreter Georg Klausner für den Kreis Traunstein.

Der Jubilar erhielt auch Post von der hohen Politik, von Bundespräsident Joachim Gauck sowie von Ministerpräsident Horst Seehofer, der sogar eine Ehrenmedaille schickte. Am Nachmittag traf sich die ganze große Familie mit dem »Geburtstagskind« auf dem Jochberger Anwesen zum Kaffeetrinken. vm