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Mit rußigem Gesicht packten Jung und Alt an

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Ein eingespieltes Team entlud gestern die Lore mit den heißen Kohlen: Hans Strehhuber (von links), Sepp Lohwieser, Rupert Enzinger, Christian Wölkhammer und Martin Ramstötter. (Foto: Mergenthal)

Neukirchen – Mit rußigem Gesicht holten sie das »schwarze Gold« aus dem geöffneten Meiler. Zahlreiche Jungköhler kooperierten gestern beim Ernten von etwa fünf Tonnen Holzkohle, gewonnen aus gut 60 Ster Holz, mit Vertretern der älteren Generation.


Dass es bewölkt, kühler und teilweise leicht regnerisch war, tat der guten Stimmung bei der Arbeit und beim Frühschoppen und Köhlerfest keinen Abbruch. Zuschauer fanden sich erst nach und nach ein. Zünftig gefeiert mit Musi, Brotzeit, Bavesen und Kuchen wurde beim Köhlerverein Neukirchen zwischen den Theaterkulissen beim Skilift trotzdem. Wie der vom Brotbäcker Alois Prechtl betreute Holzbackofen erinnerte auch ein »Kramerladen« an alte Zeiten. Vormittags spielte die Tanzlmusi der Bergschützenkapelle Anger in der stilecht nachgebauten alten Sägewerkstatt auf; später löste sie die Trachtenkapelle Neukirchen ab.

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Das »Auseinanderstiern« der Kohle, eine schmutzige und anstrengende Arbeit, lief durch die Erfahrung der vergangenen Jahre generalstabsmäßig ab. Mit Schaufeln und Rechen wurde die Kohle vom Meiler herausgeholt und in Blechwannen geladen. Jeweils zwei Burschen kippten diese dann in einer »Lore«, die der Verein zusammen mit den Schienen im Vorjahr vom Torfmuseum Rottau in der Kendlmühlfilzen gekauft hatte. Früher hatte man beides ausgeliehen, doch der Transport war immer ein Problem, zumal eine Weiche mit Überbreite dabei war.

Seppi Zollhauser (17), von Beruf Schlosser, findet es wichtig »die alte Tradition aufrechtzuerhalten. Das findest du nur noch wenig heutzutage.« Es gefällt ihm, dass alle zusammenhelfen beim Bewachen des Meilers und bei der Arbeit. »Es ist halt eine Abwechslung zum Alltag«, ergänzt sein Cousin Anderl, der sonst als Konstrukteur arbeitet.

Schützenhilfe bekamen die Neukirchner heuer sogar vom Nil: Tobias Löwe und Dominik Kagerer aus Bonn, die in Ägypten Holzkohle produzieren, waren vom Köhlertreffen so begeistert, dass sie nach Neukirchen zurückkehrten, um beim Ernten der Kohle mit anzupacken. »Die Jungs sind klasse«, zollte der ebenfalls schaufelnde Löwe den Jungköhlern ein Kompliment. Kagerer löschte immer wieder, damit das Feuer nicht wieder aufkommt, und half beim Aufladen. Beim Läuten der Glocke der Kapelle vom Theater war Schichtwechsel – die erste Gruppe durfte Brotzeit machen.

Unten neben der Köhlerhütte luden ältere Köhler die Kohle ab und rechten sie auseinander. Wegen des Regens muss sie heuer nach dem Löschen erst mehrere Tage trocknen, bevor Grillkohle und Kohlenstaub für den Garten in Säcke gepackt werden können. Wer Grillkohle oder Kohlenstaub vom Verein erwerben möchte, kann sich unter Telefon 08666/7145 direkt an Vorsitzenden Alois Prechtl wenden. Mit dem Erlös können dann unter anderem Holz für den nächsten Meiler oder erforderliche Gerätschaften gekauft werden.

Ein Unikat bei der Öffnung des Meilers ist auch der »Bergkuli«, eine selbstfahrende Motor-Seilwinde mit 14 PS aus dem Jahr 1969, die früher zur Holzbringung eingesetzt wurde. Christian alias »Johnny« Willberger zieht damit die Lore wieder herauf, nachdem das untere Köhler-Team und er sich mit Zeichen verständigt haben, wie in alten Zeiten, wo es noch keinen Funk gab. Er ist begeistert von der Maschine: »Die braucht fast keinen Sprit und ist so gebaut, dass sie was aushält.« Georg Enzinger, beim Fest als Grillmeister aktiv, hat sie einst bei der Firma Huber in Bergen gebaut und später bei einem Berchtesgadener Bauern wieder entdeckt und für den Verein erworben.

Fasziniert schauten Annette und Eugen Köhler, seit 25 Jahren nahe Waging wohnende Westfalen, gestern dem Spektakel zu. Sie wollten schon seit Jahren kommen, um zu erfahren, wo ihr Name herkommt. »Das finde ich total beeindruckend. Ich hätte nicht gedacht, dass das so viel schwere Arbeit ist. Und man muss dafür auch eine Menge wissen«, staunte Annette Köhler. vm