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Mit Plastikflasche zugeschlagen

Traunstein. Sie bezeichnete eine 14-jährige Schülerin aus Traunreut als »Schlampe« und schlug dann auch noch mit einer Plastikflasche zu. Deswegen wurde eine 19-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung gestern vor dem Jugendschöffengericht Traunstein mit Jugendrichter Dr. Michael Weigl zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten mit zweijähriger Bewährungszeit verurteilt. Die 19-Jährige wurde einem Bewährungshelfer unterstellt. Als Auflage muss sie 150 Arbeitsstunden bei einer Wohlfahrtseinrichtung in Traunreut ableisten.

Die Angeklagte aus Traunreut, die weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung hat, ist dem Gericht keine Unbekannte. Sie hatte auch schon öfters Streit mit dem Opfer – wegen angeblicher Beschimpfungen in Facebook.

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Dass sich die jungen Frauen in der Vergangenheit mehrmals in die Haare gerieten, hatte mit der Schwester der Angeklagten und Eifersüchteleien zu tun. Die Schwester fühlte sich durch Äußerungen der 14-Jährigen auf Facebook gekränkt. Die damals 18-jährige Angeklagte hielt zu ihrer Schwester.

Die Schülerin hatte an dem Tag Nachmittagsunterricht. In der Mittagspause ging sie mit einem Schulkameraden zum Essen. Bei der Rückkehr beschimpfte die Angeklagte das Mädchen als »Schlampe«. Die 14-Jährige reagierte nicht weiter darauf. Nach Schulschluss begegneten sich die Kontrahentinnen erneut. Die Ältere packte die Jüngere am Rathausplatz und gab ihr eine Ohrfeige. Diese »vorsätzliche Körperverletzung« stellte das Gericht auf Antrag von Staatsanwältin Dr. Claudia Süß mit Blick auf die restlichen Vorwürfe ein.

Der Ohrfeige folgte ein Wortwechsel, bei dem die 14-Jährige meinte: »Schlag mich doch.« Danach forderte das Opfer die Angeklagte auf, mit zur Polizei zu gehen. Sie nahm daraufhin einem Bekannten eine Cola-Plastikflasche aus der Hand und schlug diese an den Kopf der Schülerin. Während die 19-Jährige gestern von lediglich einer Beleidigung und »einem Schlag« mit halbleerer Flasche sprach, berichtete das Opfer von jeweils mehreren Schimpfworten und Schlägen mit einer vollen Flasche. Die letztere Version bestätigte der Mitschüler im Zeugenstand.

Die 14-Jährige trug eine Platzwunde an der Stirn sowie Schwellungen davon. Zu den Fotos meinte der Jugendrichter: »Das sieht nicht harmlos aus. Tut es Ihnen wenigstens leid?« Die 19-Jährige antwortete: »Ja, natürlich.« Weigl gab der 14-Jährigen den Rat: »Wenn man jemand trifft, mit dem man Stress hat, sollte man einen großen Bogen darum machen und nicht noch sagen ‚Schlag mich doch'.«

Zum Thema Internet stellte der Richter fest: »Wenn man beleidigt wird, kann man auf Durchzug schalten. Oder man kann die Passage ausdrucken und Anzeige bei der Polizei erstatten. Am Besten ist es, das Internet abzuschalten. Dann passiert gar nichts mehr. Wenn man Facebook hinsichtlich Beleidigungen auswerten wollte, bräuchte man dazu einen eigenen Staatsanwalt.« Wenn einen eine 14-Jährige im Internet beleidige, dürfe man »keinesfalls Selbstjustiz üben«, sagte er.

Angesichts der deutlichen Reifeverzögerungen der 19-Jährigen mit drei, davon zwei einschlägigen Eintragungen im Erziehungsregister schlug die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, Michaela Traud, die Anwendung von Jugendstrafrecht und eine Jugendstrafe vor, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Staatsanwältin Süß stufte die Verletzungen als erheblich ein und plädierte auf acht Monate Jugendstrafe mit dreijähriger Bewährungszeit. Verteidigerin Petra Behnisch aus Traunreut betonte, die Beteiligten hätten sich jahrelang bekriegt, aber sich nun bei einem Treffen ausgesöhnt. Ihre weitgehend geständige Mandantin wolle den Schulabschluss nachholen. Vor diesem Hintergrund bat sie, keine weiteren Sozialstunden aufzuerlegen.

Mindestens eine durch das Geständnis der 19-Jährigen sicher nachgewiesene Beleidigung sei gefallen, unterstrich Weigl im Urteil. Eine Flasche sei ein gefährliches Werkzeug – ob halbleer oder voll. Auch das Gericht sehe Reifeverzögerungen und schädliche Neigungen. Eine Jugendstrafe sei »dringend erforderlich«: »Jetzt ist allerdings die absolute Grenze«, legte der Jugendrichter der Angeklagten ans Herz. Bei weiteren Straftaten müsse sie die Strafe in einem Jugendgefängnis verbüßen. Ein Anti-Aggressionskurs als Bewährungsauflage mache keinen Sinn: »Dort sind nur Männer. Sie sprengen uns den Kurs.« kd