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Mit Mistgabel auf Amtstierärzte losgegangen

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Traunstein – Mit lautem Protest und einer Mistgabel bedrohte ein 53-jähriger Gold- und Hufschmied drei Amtstierärzte vom Landratsamt Traunstein, die auf einem Anwesen im Achental die Tierhaltung kontrollieren wollten. Bei einem weiteren Vorfall sollte der Angeklagte einem der Behördenvertreter angedroht haben, ihm »den Schädel einzuschlagen«. Das Amtsgericht Traunstein mit Richterin Sandra Sauer verurteilte den 53-Jährigen wegen dreifacher versuchter und einer vollendeten Nötigung zu einer Geldstrafe von 2400 Euro.


Vom 53-Jährigen selbst war wenig zu erfahren. Er machte weder Angaben zur Person noch zur Sache. Mehrmals störte er die Verhandlung durch Zwischenreden. Die Amtstierärzte hingegen berichteten von jeweils angekündigten Kontrollen, ausgelöst durch Hinweise von dritter Seite zu den Umständen der Tierhaltung. Die erste Visite am 9. Dezember 2014 auf der einen Anlage verlief nach übereinstimmenden Aussagen ohne Schwierigkeiten. Der dortige Grundstückseigentümer war mit von der Partie. Ebenfalls anwesend war eine Pferdepädagogin, der die Pferde auf den beiden Anwesen zuvor gehört hatten und die die Amtstierärzte aber nicht kannten.

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Tierärzte sahen zunächst niemanden

Als die Tierärzte am zweiten Objekt eintrafen, sahen sie zunächst niemanden. Sie riefen und klopften an einer Türe. Als sie Richtung Stall gingen, tauchte plötzlich der Angeklagte mit der Mistgabel auf. Er forderte in Gegenwart der Tierpädagogin, das Grundstück sofort zu verlassen. Ansonsten würde er sie fortjagen. Die Besucher vom Landratsamt ließen sich nicht verscheuchen und riefen die Polizei. Die Pferdefachfrau pochte auf ihr »Hausrecht«, verständigte ebenfalls die Polizei und telefonierte mit ihrem Anwalt. Zwei Streifenbesatzungen trafen kurz danach ein.

Widersprüchlich waren die Zeugenaussagen hinsichtlich der Ankunft der Amtsvertreter. Die einen behaupteten, es sei keine angekündigte Kontrolle gewesen. Ein gemeinsamer Termin sei noch gar nicht vereinbart worden. Außerdem hätten sich die Besucher einfach über Zäune geschwungen, nicht vorstellen und nicht ausweisen wollen.

Dem widersprachen die Tierärzte, darunter eine Frau, die angesichts der Mistgabel große Angst hatte. Sie hätten den Eingang benutzt und würden auf Verlangen ihre Ausweise jederzeit vorzeigen. Niemand habe jedoch danach gefragt. Die Pferdepädagogin habe sie zudem schon vorher bei der ersten Kontrolle gesehen. Sie habe sie auf dem Weg zur zweiten Visite mit dem Auto überholt und sich bei Ankunft schon auf dem Gelände befunden. Alle drei Tierärzte bestätigten den Inhalt der Anklage im Wesentlichen.

Näheres über die Ereignisse am 26. Januar trug ein Beamter der Polizeiinspektion Grassau vor. Auf ein Amtshilfeersuchen des Veterinäramts hin wegen einer neuerlichen Kontrolle nach der Sache mit der Mistgabel und »um eskalierend zu wirken«, seien insgesamt sieben Polizisten im Einsatz gewesen, darunter berittene Polizei aus Rosenheim. Der Pächter habe sich sehr kooperativ verhalten.

»Freispruch aus rechtlichen Gründen«

Kurz danach sei der Angeklagte gekommen und habe sich eingemischt. »Er war sehr aufgebracht.« Der Polizist sprach von »einer sehr brenzligen Situation«. Der 53-Jährige habe sich nach der Äußerung mit dem »Schädel einschlagen« wieder beruhigt.

Verteidiger Michael Vogel aus Traunstein hatte für seinen Mandanten »Freispruch aus rechtlichen Gründen«, Staatsanwältin Veronika Denk 110 Tagessätze à 40 Euro gefordert. Der Angeklagte war sichtlich ungehalten über das Urteil. Die Richterin riet ihm, seinen Unmut vor dem Gerichtssaal mit seinem Anwalt zu besprechen. Der bislang nicht vorbestrafte 53-Jährige hat offensichtlich ein Problem mit Behördenvertretern. Verteidiger Vogel sagte dazu: »Mein Mandant ist eine Person, die sehr darauf bedacht ist, dass ihre Bürgerrechte gewahrt werden.«

Im Urteil unterstrich Richterin Sandra Sauer: »Bürgerrechte sind wichtig und sollen gewahrt werden. Sie enden dort, wo die Rechte anderer beginnen.« Im Tierschutz seien gewisse Kontrollen zu dulden. kd