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Mit Johannes Heesters in der Straßenbahn...

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An die Ferienausflüge nach München erinnert sich Marianne Niedl (links) besonders gerne. Auf dem Foto aus dem Jahr 1951 ist sie 13 Jahre alt; mit zwei Freundinnen, an deren Namen sie sich heute nicht mehr erinnert, lehnt sie an einem Springbrunnen an der Ludwig-Maximilians-Universität.
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Marianne Niedl wuchs in Traunwalchen auf.

Traunreut – Es war Krieg und es gab viele Entbehrungen. Marianne Niedl hat dennoch fast nur gute Erinnerungen an früher: »Ich hatte eine schöne Kindheit«, sagt die 79-jährige Matzingerin, die in Traunwalchen aufgewachsen ist. Vor allem die unbeschwerten Ferientage bei ihren Tanten und Onkeln in Berchtesgaden und in München sind ihr lebhaft im Gedächtnis geblieben.


Nicht viele Kinder hatten damals das Glück, in den Ferien so weit herumzukommen, wie Marianne Niedl. Ihr Vater, ein Bauerssohn aus Katzwalchen, hatte zwei Brüder, die nach Berchtesgaden geheiratet hatten. Und zwei Brüder ihrer Mutter hatte es von Matzing nach München verschlagen. In den Ferien fuhr das Mädchen mit dem Zug zu ihnen, jeweils für ein paar Tage.

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»Bei Onkel Alois, der in Oberlerchlehen am Obersalzberg ein Bauernsachl hatte, war ich mitten in den Bergen«, erinnert sich Marianne Niedl, geborene Grafetstaetter. Mit ihren drei Cousinen und zwei Cousins war sie viel unterwegs. »Wir mussten alles zu Fuß gehen, was ich gar nicht gewohnt war.« Dafür kamen die Kinder weit herum. »Ich kam aufs Roßfeld und wir gingen auf die Barmsteine und zur Almbachklamm.«

Schokolade von amerikanischen Soldaten

Marianne Niedls Onkel Hans lebte mit Frau und Tochter direkt in Berchtesgaden. Mit der Familie unternahm das Mädchen aus Traunwalchen viele Ausflüge – unter anderem ging's mit dem Bus zum Königssee, Malerwinkel und nach Bartholomä. »Als ich nach dem Krieg, 1946, bei ihnen war, da logierten direkt in dem großen, langen Hausgang amerikanische Besatzungssoldaten.« Ein Bild, das sich dem Mädchen einprägte. Vermutlich auch, weil sie von den Soldaten das erste Stück Schokolade ihres Lebens bekam. »Die Soldaten wurden sehr gut versorgt. Sie hatten ganze Kisten von Orangen und Konserven, vor allem aber auch Schokolade«, erinnert sich Marianne Niedl. Ihr und ihrer Cousine überließen die Amerikaner »so viel, wie wir tragen konnten«.

Eine ebenso fremde Welt entdeckte das Mädchen in München. »Bei Onkel Hans und seiner Frau Lisa ging's mir sehr gut. Mit Tante Lisa durfte ich mit der Straßenbahn in die Innenstadt fahren, in Berg am Laim vorbei. Da sahen wir große Kinoplakate, mit Hildegard Knef oben ohne.« Marianne Niedl erinnert sich sogar noch, wie der Film hieß: »Die Sünderin.« Am Viktualienmarkt hatte das Mädchen nur Augen für die schönen Weintrauben. »Ich konnte den Blick nicht abwenden.« Tante Lisa entging das natürlich nicht. »Zu Hause hat sie mich mit einer Tüte blauer Weintrauben überrascht.« Überhaupt verwöhnte die Tante ihre Nichte gerne: »Sie kaufte mir schöne Sachen, einen beigen Mantel, ein grünes Plisseekleid und Schuhe, die waren blau und rot.«

Einmal war auch Marianne Niedls Papa in München mit dabei. Mit ihm stieg sie auf einen der Türme der Frauenkirche hinauf. »Ich kann mich noch gut daran erinnern. Danach hat er sich einen braunen Anzug gekauft.«

Auch bei Onkel Sepp in Trudering war das Mädchen immer willkommen. »Ich fuhr mit ihm nach Riem und nach Daglfing, da sah ich beim Pferderennen zu. Aber mir taten jedes Mal die Pferde leid.« Auch auf dem Oktoberfest war Marianne Niedl mit ihrem Onkel: »Da waren aber noch nicht so viele Leute wie heute.«

Mit dem Onkel ins Deutsche Theater

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr aber ein Besuch im Deutschen Theater, wo Onkel Sepp »eine kleine Tätigkeit« hatte. Auf den Weg dorthin, in der Straßenbahn, erhob sich plötzlich »ein großer Herr«. Er ließ Marianne Niedls Onkel, der im Krieg ein Bein verloren hatte, Platz nehmen. Es war der bekannte Schauspieler Johannes Heesters. Beide Männer kannten sich vom Theater. »Das ist der Künstler, der heute im Deutschen Theater auftritt«, sagte Onkel Sepp zu seiner Nichte. Marianne Niedl erinnert sich weiter: »Als wir dann im Theater waren, bekamen wir einen Platz auf der Empore. Das Stück hieß: 'Die Hochzeitsnacht im Paradies.'« Die Lieder, die sie dort hörte, prägten sich ihr besonders ein: »Diese wunderschönen Melodien habe ich bis heute nicht vergessen.«

Einen Teil ihrer Ferien verbrachte Marianne Niedl aber natürlich auch zu Hause in Traunwalchen. Auch dort unternahm sie mit ihren Eltern und ihrem Bruder Richard Ausflüge. »In den Sommerferien fuhren wir manchmal zum Chiemsee, da konnten wir am Strand spielen. Zu jener Zeit war das schon ein Erlebnis«, erinnert sich Marianne Niedl, die mit ihrem Mann zusammen selber vier Kinder hat.

Öfters fuhr die Familie auch mit dem Fahrrad über Hörzing »den schönen Waldweg entlang« zur Poschmühle. »Mama kaufte jedes Mal ein Säckchen Mehl. Mehl wurde bei uns viel gebraucht, denn Papa wollte am liebsten Mehlspeisen. Es gab Dampfnudeln, Semmelnudeln, Schmarrn, Pfannkuchen, Apfelstrudel und Grießbrei – und nicht zuletzt eine 'Sauernsuppn'. Diese wurde aus Buttermilch gemacht. Die war sowas von gut.«

Da, wo heute die Unternehmen BSH und Siteco stehen, war in Marianne Niedls Kindertagen »lauter Wald und nichts als Wald«. »In den Ferien gingen wir dahin oft zum Blaubeerpflücken, und Himbeeren fanden wir auch.« Überhaupt sei in Traunwalchen immer was los gewesen für die Kinder. »Im Steinbruch neben der Kirmer Leitn, da gab's das Himmelswegerl und das Teufelswegerl. Da konnten wir umherkraxeln, einen halben Tag lang.« san

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