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»Mit den Ergebnissen können wir zufrieden sein«

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Der Landkreis Traunstein wird von seinen Unternehmen mit der Gesamtnote 2,2 bewertet. Das Ergebnis der repräsentativen Stichproben stellte der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Traunstein, Nikolaus Binder, vor. (Foto: Rasch)

Traunreut – Wie beurteilen die Unternehmen ihren Landkreis als Wirtschaftsstandort? Dieser Frage ist die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern heuer zum zweiten Mal nach 2015 in einer repräsentativen Umfrage nachgekommen. Im Landkreis Traunstein beteiligten sich 109 Betriebe bei dieser Umfrage. Dabei erreichte der Landkreis in der Gesamtwertung eine 2,2 und bestätigte damit den Wert aus dem Jahr 2015. »Mit den Ergebnissen können wir zufrieden sein«, erklärte der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Traunstein, Nikolaus Binder, bei der Vorstellung der Ergebnisse im Möbelhaus Jobst in Traunreut.


»Wir dürfen nicht stehen bleiben«

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Die grundsätzliche Zufriedenheit der Unternehmen mit dem Standort spiegle sich auch darin wider, dass 70 Prozent der Befragten den Landkreis mit »gut« oder »sehr gut« benoteten und 78 Prozent den Standort erneut im Landkreis Traunstein wählen würden, erklärte Binder. »Das ist ein deutliches Bekenntnis zum Standort.« Binder betont aber gleichzeitig, dass sich der Landkreis auf dem Ergebnis nicht ausruhen dürfe. »Wir dürfen nicht stehen bleiben. Es gibt noch einiges zu tun.«

Wie den Ergebnissen der Umfrage zu entnehmen ist, herrscht vor allem beim Sport- und Freizeitangebot, bei der Energieversorgung und bei der Motivation und Loyalität der Mitarbeiter große Zufriedenheit. Hier wurden Noten zwischen 2 und 2,1 vergeben. Die geringste Zufriedenheit gibt es bei der Anbindung des Luft- und des Schienengüterverkehrs und bei der Nähe zu Forschungseinrichtungen festzustellen. Hier liegt der Notendurchschnitt bei 3,8. Den größten Handlungsbedarf sehen die Unternehmen in der Verfügbarkeit von beruflich qualifizierten Fachkräften und beim Ausbau der Breitbandversorgung. Bürokratieabbau und Unternehmerfreundlichkeit in den Verwaltungen sind ebenfalls Faktoren, die einem Handlungsbedarf bedürfen.

Der zunehmende Fachkräftemangel stelle auch im Landkreis Traunstein langsam aber sicher eine ernst zu nehmende Schwierigkeit dar, sagte Binder. Um diesen entgegenzuwirken, müsse von mehreren Seiten gleichzeitig gehandelt werden. Zum einen müssen die duale Ausbildung, die Intensivierung von Weiterbildungsmaßnahmen und die Erwerbstätigkeit von Frauen gestärkt werden. Gleichzeitig seien auch die Unternehmen gefordert, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, in dem sie unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle anbieten. Binder räumte dazu ein, dass der Regionalausschuss daher eine langfristige Sicherung und Bindung von Fachkräften in seinem Arbeitsprogramm als Kernthema seiner Arbeit festgelegt habe. Neben der Unterstützung bestehender IHK-Initiativen wie der »Elternstolz-Kampagne« oder der »AusbildungsScouts« engagiere sich die IHK mit ihrem Regionalausschuss und der Geschäftsstelle auch vor Ort zum Beispiel durch einen engen Austausch mit den Arbeitskreisen Schule Wirtschaft, der Arbeitsagentur und der Berufsschule.

Schnelles Internet ist für jeden Standort wichtig

Unveränderten Handlungsbedarf sieht der Regionalvorsitzende in einem flächendeckenden Breitbandausbau. Ein störungsfreies und schnelles Internet sei eine Grundvoraussetzung für jeden Standort, betonte Binder. Hier bestehe unveränderter Handlungsbedarf seitens der Politik und der Verwaltung. Auch dürfe die permanente technische Weiterentwicklung nicht aus den Augen verloren werden. Der Bedarf an Bandbreite steige kontinuierlich. Neben einer zügig flächendeckenden Erstversorgung bedürfe es einer regelmäßigen Anpassung an die steigenden Leistungsanforderungen.

Zum Dauerbrenner Bürokratieabbau erklärte Binder, dass weniger Bürokratie nicht nur weniger Zeit- und Kostenersparnisse für die Unternehmen bringe, sondern auch die Kooperation der Betriebe mit den Institutionen und Behörden fördere. »Eine agile Wirtschaft lebt davon, dass Genehmigungsverfahren zügig abgewickelt werden.« Tatsache sei, dass Unternehmen im Durchschnitt einhundert Mal mehr Behördenkontakte pro Jahr hätten als Privatpersonen. Digitale Verwaltungsangebote für Privatpersonen seien daher sicherlich ein gut gemeinter Schritt. Es sei aber zu überlegen, ob nicht zunächst entsprechende Angebote für Unternehmen geschaffen werden sollten.

Als abschließendes Statement zu den Ergebnissen der Standortumfrage sagte Binder: »Unsere Region ist gut aufgestellt, die Wirtschaft auf vielen Beinen verteilt. Aber auch bei uns gibt es noch einiges zu tun.« Gerade deshalb habe die Befragung stattgefunden, um den Status Quo zu überprüfen und den Unternehmen eine Stimme zu geben. »Denn nur mit einer starken Wirtschaft kann auch der Landkreis Traunstein erfolgreich funktionieren.«

Zufriedenstellende Zahlen auch im Berchtesgadener Land

Auch im Landkreis Berchtesgadener Land gab es eine Standortumfrage. Der Landkreis erhielt heuer die Gesamtnote 2,2. Bei der letzten Erhebung 2015 gab es noch die Note 2,3. In der Umfrage bewerten rund drei Viertel der Unternehmen den Standort als gut oder sehr gut. Mehr als jedes dritte Unternehmen gab jedoch an, dass Standortmängel wie fehlende Gewerbeflächen oder langwierige Genehmigungsverfahren ihr Wachstum bremsen. Wenig zufrieden sind die Unternehmen mit der fehlenden Nähe zu Forschungseinrichtungen, was sich in einem fehlenden Innovationstransfer artikuliert. Hinzukommt die Anbindung an den Schienengüterverkehr sowie das Angebot an Gewerbeflächen- und Immobilien. Mit der Breitbandversorgung sind die Unternehmer zufriedener als 2015. Als Stärken bewerteten die Unternehmen unter anderem die Energieversorgung und das regionale Straßennetz. ga

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