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Mit dem »Chiemsee-Gen« zum Erfolg

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Dr. Christoph Goppel vom Umweltministerium bei seiner Festrede am Chiemsee. (Foto: vom Dorp)

Zu einem großen Bekenntnis für das »Naturerlebnis Chiemsee« geriet im Beisein von rund 100 Gästen das zehnjährige Bestehen der Beobachtungsstationen und Ruhezonen des Abwasser- und Umweltverbands Chiemsee am Irschener Winkel in Bernau-Felden und am Naturpavillon in Übersee. Die Redner lobten dabei nicht nur das Erreichte in Sachen Natur und Umwelt, sondern mahnten auch zu einer »enkelverträglichen Nachhaltigkeit«.


»Mit dem Chiemsee haben wir alle das große Los gezogen«, sagte die Stellvertretende Traunsteiner Landrätin Resi Schmidhuber und sprach damit allen anwesenden Bürgermeistern, Gemeinderäten, Touristikern sowie Vertretern der Regierung, von Verbänden, Behörden und Organisationen aus der Seele.

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»Ein Schatz, den es zu bewahren gilt«

Auch der Verbandsvorsitzende Josef Mayer sprach von der Natur am Chiemsee als »einem Schatz, den es zu bewahren gilt«. Insofern seien die Einrichtung von Ruhezonen durch die Regierung von Oberbayern und der Bau der acht Beobachtungsstationen rund um den See samt Infotafeln und Vogelführungen vor zehn Jahren »Sternstunden für den Verband« gewesen.

Dank der Beobachtungstürme können Bürger und Gäste den See und seine Vogelwelt an landschaftlich reizvollen und sensiblen Stellen erleben. Mayer rief die bürokratischen Hürden für deren Genehmigung, vor allem für den Turm in der Kernzone der Hirschauer Bucht, in Erinnerung. Die Obere Naturschutzbehörde und acht bayerische Umweltverbände hatten damals grünes Licht geben müssen. Auch der Privatgrund für den Bernauer Turm musste erst von der Gemeinde erworben und im Klageverfahren durchgeboxt werden. Zur Feier des Tages präsentierte der Verbandsvorstand die neue, 100-seitige Broschüre »Naturerlebnis Chiemsee« mit Tipps und Anregungen für ein umweltverträgliches Erleben des bayerischen Meers.

Es gab viele Interessenskonflikte

Auch beim Einrichten von ganzjährigen und zeitlich befristeten Ruhezonen für Vögel, Fische und Schilf vor zehn Jahren gab es nach den Worten von Roland Weid von der Regierung von Oberbayern zunächst viele Interessenskonflikte zwischen den unterschiedlichsten Seenutzern. Die Wasserflächen der mit Bojen gekennzeichneten Ruhezonen dürfen mit keinerlei Wasserfahrzeugen befahren werden, auch das Ankern und Schwimmen ist dort nicht erlaubt. Weid machte schließlich das friedliche »Chiemsee-Gen« dafür verantwortlich, dass schließlich eine einzigartige Kooperation von Nutzen, Touristikern und Naturschützern erreicht wurde.

Den Schlüssel zu einem solchen Erfolg sah Dr. Christoph Goppel vom Bayerischen Umweltministerium darin, »aus Betroffenen Beteiligte und aus Beteiligten Begeisterte zu machen«. Dafür sei es immer wieder wichtig, zuzuhören, ins Gespräch zu kommen und einen Dialog zu führen.

Um das »Juwel Chiemsee« umweltverträglich und nachhaltig zu erhalten und weiterzuentwickeln, reicht nach Goppels Worten ein Umweltbewusstsein allein nicht aus. Vielmehr gelte es, generationsübergreifend Begeisterung zu vermitteln. »Wir Politiker können nur den Rahmen geben. Zusätzlich brauchen wir aber eine gute Umweltbildung mit Kopf, Herz und Hand sowie engagierte und mitgestaltende Bürger und Verbände«, so Goppel.

Besondere Landschaften erkennen und erhalten

Als wichtigen Baustein für eine umweltverträgliche Zukunftsbewältigung stellte der naturschutzfachliche Gebietsbetreuer Dirk Alfermann das 2009 gegründete Netzwerk »Umweltbildung Chiemgau« vor. Hierbei verknüpfen sich verschiedene Institutionen und Privatleute, um unter anderem durch Fortbildung eine fachlich hochqualifizierte Umweltbildung zu installieren sowie um außerordentliche Landschaften zu erkennen und zu erhalten.

In Übersee stellte Bürgermeister Marc Nitschke nicht nur den fast 30 Jahre alten Naturpavillon mit seinen jährlich wechselnden Ausstellungen, seinen Märkten und der Umweltbildung für Erwachsene und Kinder vor. Er erläuterte auch die von bereits vielen Gemeinden befürwortete Idee eines Naturparks Chiemsee-Chiemgau (wir berichteten mehrmals), den er als »große Chance für einen neuen Naturraum« bewertete. Ausdrücklich betonte Nitschke, dass damit keinerlei Einschränkungen für Bürger oder Landwirte verbunden seien. Die Weichen für den Naturpark sollen auf einer gemeinsamen Gemeinderatssitzung aller in Frage kommenden Gemeinden Ende Oktober in Aschau gestellt werden.

»Das ist der Schlüssel zum Erfolg«

Aus der Perspektive des Tourismus beleuchteten Christina Pfaffinger vom Tourismusverband Chiemsee-Alpenland und Stephan Semmelmayr vom Tourismusverband Chiemgau den Natur- und Umweltschutz am See. »Für uns sind diese Schutzmaßnahmen der Schlüssel zum Erfolg, denn 90 Prozent unserer Gäste kommen laut Umfragen wegen der schönen Landschaft und Natur zu uns«, so Pfaffinger. Allerdings bedürfe es ihrer Ansicht nach immer wieder um Wissen und Weitblick, um den Einklang auch weiterhin zu schaffen.

Semmelmayr erteilt zwar künstlichen Erlebniswelten oder einem alpenländlichen Disneyland eine strikte Absage, hielt aber eine »Inszenierung der Natur« mit Fingerspitzengefühl,  Wissen und Bildung für durchaus nötig und wichtig. bvd