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»Mir ist um die Kirche nicht bang«

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Diakon Michael Brüderl mit der kleinen Emma Schwaiger und ihren Eltern Hubert und Christine. Die Taufe war für ihn etwas Besonderes: Hubert Schwaiger ist sein Cousin. (Foto: Schwaiger)

Kirchanschöring. Kirchanschöring steht ein großes Fest bevor: Michael Brüderl aus Hipflham feiert am Sonntag, 6. Juli, seine Primiz. Die Priesterweihe im Freisinger Dom ist bereits am Samstag, 28. Juni. Im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt verrät der 27-Jährige, wann er sich entschieden hat, sein Leben in Gottes Hände zu legen, wie schwer für ihn der Verzicht auf Familie wiegt und wie in seinen Augen die Kirche der Zukunft aussehen muss.


Ihnen stehen große, aufregende Tage bevor. Sind Sie schon nervös?

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Nein, eigentlich nicht. Zumindest jetzt noch nicht. Schließlich habe ich mich jahrelang darauf vorbereitet.

Eine Primiz ist eine Großveranstaltung. Wenn das Wetter stimmt, dann werden ein paar Tausend Gläubige in den Kirchanschöringer Achenpark kommen. Wie viel Vorbereitungsstress liegt hinter und noch vor Ihnen?

Die Vorbereitungen laufen im Prinzip seit dem vergangenen Herbst. Die Primiz ist eine Feier der ganzen Pfarrei, somit bereiten die meisten Dinge auch die Pfarrei, der Primizausschuss und unsere Anschöringer Ortsvereine vor. Natürlich geht auch vieles über meinen Tisch, beispielsweise die Anmeldungen. Lieder für den Primizgottesdienst suche ich aus, zusammen mit dem Chorleiter und Kapellmeister. Auch das Primizgewand sucht ein Primiziant nach seinen eigenen Wünschen aus.

Was werden Sie denn für ein Messgewand tragen?

Meine Heimatgemeinde wollte mir gerne ein Messgewand schenken, wie es alter Brauch ist. Ich habe mich für einen einfachen Stoff entschieden. Das Messgewand ist mit einem Gabelkreuz bestickt. Ein altes Fridolfinger Messgewand hat uns als Modell gedient.

Wie teuer ist denn so ein Messgewand?

Zwischen 500 und 20 000 Euro ist alles möglich. Meines wird unter 1000 Euro kosten. Meinen Kelch habe ich übrigens über ein Auktionshaus ersteigert. Es gibt so viele, da habe ich mir gedacht, dass ich mir nicht noch extra einen neuen anfertigen lassen muss. Das ist ja auch ganz so, wie es uns Papst Franziskus gerade vorlebt.

Was hat für Sie die größere Bedeutung: die Priesterweihe oder die Primiz?

Kirchlich gesehen ist die Priesterweihe das »Wichtigere«. Nach der Weihe kann ein Priester im Auftrag Jesu Christi die Wandlung in der Messe vollziehen und die Menschen von ihren Sünden freisprechen. Das hat natürlich eine große Bedeutung für mich. Das Persönlichere ist aber die Primiz in meinem Heimatdorf.

Wie verbringen Sie die Tage vor der Priesterweihe?

Zusammen mit den fünf anderen Diakonen, die mit mir die Priesterweihe empfangen werden, bin ich zu Exerzitien im Kloster Scheyern. Wir werden die Tage schweigend verbringen und geistliche Vorträge von unserem Exerzitienmeister, dem früheren Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter, hören.

Fast eine Woche lang schweigen. Wie ist das?

Das wirft dich auf dich selber zurück. Du musst dich mit dir und deinem Herrgott auseinandersetzen.

Wie früh reifte die Entscheidung in Ihnen, Priester zu werden?

Seit unserer Mission in Kirchanschöring im Jahr 2000 habe ich mich immer wieder mit dem Gedanken an eine geistliche Berufung auseinandergesetzt, aber das waren zuerst nur kleinere Momente. Die Mission und die Freude der Missionare haben mich jedenfalls fasziniert. Ich lernte dann auch verschiedene Pfarrer kennen, die mich an der Hand nahmen. In den letzten Jahren im Gymnasium wurde es mir dann immer klarer. Gleich nach dem Abitur bin ich dann ins Priesterseminar eingetreten. Was ich nie vergessen werde: An meinem zweiten Tag im Seminar war Papst Benedikt in München zu Besuch. Mit seinem Papamobil hielt er direkt vor uns Seminaristen an. Das war ein großes Erlebnis.

Sie sind ein großer Fan von Papst Benedikt?

Ja, das kann man schon so sagen – auch weil er aus Bayern kommt. Ich hatte einmal die Möglichkeit, ein paar Minuten mit ihm zu sprechen. Damals schrieb ich einen Beitrag für das Kirchanschöringer Heimatbuch über eine Primizpredigt, die er 1955 bei der Primiz von Franz Niedermayer in Kirchanschöring gehalten hat. Es war beeindruckend. Aber auch Papst Franziskus bewundere ich in vielen Dingen, die er nun tut. Freilich nicht in allen.

Wie haben Ihre Eltern, Ihr Umfeld auf Ihren Wunsch reagiert, Priester zu werden?

Meine Eltern haben mich auf meinem Weg immer gut unterstützt, aber klar gesagt, dass es meine Entscheidung ist. Ich erinnere mich an eine Frau aus unserer Pfarrei, die zu mir gesagt hat: »Du wärst doch so a fescher junger Mo. Irgend a Frau werst scho finden.« Ich hab´ ihr dann mit einem Augenzwinkern geantwortet: »Du mogst ja in da Kircha a an scheena Pfarrer oschaun.«

Die Ehelosigkeit der Priester ist natürlich immer wieder ein großes Thema. Wie schwer wiegt für Sie der Verzicht auf Familie?

Das ist für mich durchaus ein Verzicht. Ehe und Familie sind für mich sehr große Werte. Aber mit Gottes Hilfe, um des Dienstes willen, bin ich dazu bereit. Ich bin kein Gegner des Zölibats. Es hat seinen Sinn: Als Familienvater hätte man besondere Verpflichtungen; so kann man sich voll und ganz dem Priesterdienst widmen. Der Zölibat ist, was man heute oftmals nicht mehr sieht, ein Zeichen der Hoffnung auf das ewige Leben. Übrigens bekommt man auch viel Freude durch die Menschen geschenkt.

Wie muss die Kirche der Zukunft aussehen?

Sie muss treu zur Wahrheit stehen, möglichst aufrichtig den Glauben verkünden. Mir ist um die Kirche nicht bang. In ihrer 2000-jährigen Geschichte gab es immer wieder ein Auf und Ab. In Südamerika habe ich eine blühende Kirche erlebt. Das gibt einem Gelassenheit. Was mich allerdings beschäftigt, ist, wie verschiedene »Lager« innerhalb der Kirche miteinander umgehen. Das merken auch die Gläubigen. Und darum nimmt das viel von unserer Zeugniskraft weg.

Wo wird Ihr Weg Sie hinführen?

Im Juli und August werde ich die Urlaubsvertretung in meinem Heimatpfarrverband übernehmen und mit einer Ministrantengruppe nach Rom fahren. Zum 1. September trete ich dann meinen Dienst als Kaplan in der Freisinger Stadtpfarrei St. Georg an. Da freue ich mich schon darauf. Ich werde dort drei Jahre lang sein. Sandra Schwaiger