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Miniaturbäume pflegen als Ausgleich zum Arbeitsalltag

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Mit viel Geduld züchtet Matthias Bauregger Bonsai-Bäume. Mehr als 60 verschiedene Exemplare davon hat er im Garten. (Foto: Mix)

Traunreut. Matthias Bauregger aus Stein hat rund 60 verschiedene Bäume in seinem Garten. Man könnte meinen, sein Grundstück muss riesig sein. Ist es aber nicht: Es handelt sich nämlich um Bonsai-Bäumchen, die bewusst klein gehalten werden und in Schalen gepflanzt in einem Teil seines Gartens gedeihen. Seit mehr als 30 Jahren frönt der Finanzbeamte diesem Hobby und züchtet in seiner Freizeit Bonsai.


Auf diese uralte Kunst aufmerksam wurde Matthias Bauregger erstmals 1983. Er besuchte im Rahmen eines Betriebsausflugs die Gartenschau in München. Beeindruckt war er vor allem von der Sonderausstellung der ursprünglich aus dem fernen Osten stammenden Art der Baumveredelung. »Ich war damals gleich fasziniert davon und habe mir selber Bonsai zugelegt«, erinnert sich Bauregger.

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Manche Bäume tragen sogar Mini-Früchte

Zunächst begann er mit Exemplaren, die er im Haus hielt. Doch das verlangt viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl – immer wieder gingen ihm in der Anfangszeit welche ein. So konzentrierte er sich mehr auf winterharte Sorten, die das ganze Jahr über im Freien stehen können. Gängige Baumarten, die in unserer Region normalerweise wachsen, trimmt er nun schon seit vielen Jahren erfolgreich auf Bonsai-Größe. Er hat sogar einen Bonsai-Apfelbaum, der kleine Früchte trägt. »Eigentlich kann man es mit jedem Baum probieren«, ist seine Erfahrung.

Matthias Bauregger nimmt kleine Sämlinge von den Bäumen oder Ableger, die beispielsweise irgendwo am Straßenrand aufgehen, und setzt sie ein. Zunächst dürfen sie in Töpfen Wurzeln schlagen und werden dann in die typischen flachen Bonsaischalen umgesetzt. Die Größe der Schale begrenzt das Wurzelwerk und legt damit schon mal von vornherein fest, inwieweit das Bäumchen wachsen kann.

Eine Faustregel bei der Züchtung ist laut Bauregger: »Die Krone eines Baumes ist immer so groß wie der Wurzelstock.« Mit regelmäßigen Zuschnitten hält er die Bäumchen dann bewusst klein, erreicht, dass sie sich vielfach verzweigen, und bringt sie in eine bestimmte gewünschte Form. Wenn die Bäume klein bleiben, sind auch die Blätter viel kleiner. So entstehen hübsch anzusehende Miniaturausgaben ihrer großen Verwandten.

Besonders die Japaner haben eine regelrechte Kunst entwickelt und bevorzugen sehr strenge, genau festgelegte Formen der Baumkronen. Bei Matthias Bauregger soll zwar schon in erster Linie die Natur vorherrschen, das Bäumchen so wachsen, wie es will. Aber mit entsprechenden Zuschnitten oder Verdrahtungen der Äste bringt er sie auch immer dahin, wo er sie haben will.

Für dieses Hobby, bei dem der Finanzbeamte in seiner Freizeit Entspannung findet, braucht man allerdings jede Menge Geduld. Viele seiner Bonsai sind schon über 20 Jahre alt und man muss abwarten können, bis sie einmal so aussehen, wie man es sich vorstellt. Die japanischen Bonsai-Kunstwerke sind sogar oft 150 Jahre und älter und müssen von mehreren Generationen gepflegt werden. Immer wieder unternimmt der Steiner Versuche und holt sich Anregungen aus vielen Fachbüchern über Bonsai-Zucht und -Pflege.

Die Pflege seiner vielen unterschiedlichen Exemplare ist sehr aufwändig, »man muss ständig dahinter sein«, betont der Züchter. Zum einen muss regelmäßig gegossen werden, da in den kleinen Schalen nicht viel Wasser gespeichert werden kann. Die Bonsai, die er im Haus hält, taucht Bauregger einmal pro Woche für rund eine Stunde ins Wasser, sodass sie sich vollsaugen können. Um alle draußen stehenden Pflanzen zu gießen, muss er abends nach der Arbeit schon rund eine Stunde aufwenden. Und selbst bei einem nassen Sommer wie heuer bleibt es ihm nicht erspart, da die Wurzeln im Wind schnell wieder austrocknen und der Regen durch die dichten Blätter nicht immer bis zum Boden durchdringt. »Und wenn die Wurzeln erst einmal vertrocknet sind, ist es vorbei«, weiß der Hobby-Züchter. Einmal in der Woche werden alle Bäumchen mit einem speziellen Granulat gedüngt und je nach Größe jedes Jahr oder alle zwei Jahre umgetopft. Das bedeutet nicht, dass sie in eine größere Schale kommen. Jedoch muss immer wieder die verbrauchte Erde entfernt und durch neue ersetzt werden.

Finanzminister brachte Bonsai-Bilder mit

Ein Teil des Gartens beim Einfamilienhaus der Baureggers im Fasanenjäger wird von den zahlreichen Bonsai eingenommen, die dann im Herbst, wenn sich das Laub verfärbt, einen besonders schönen Anblick bieten. Ein Traum von Matthias Bauregger ist es, hier einen richtigen japanischen Garten anzulegen mit Wasserläufen und allem, was dazugehört. »Eine Reise nach Japan wäre natürlich auch mal toll«, meint er. Der frühere Finanzminister Georg Fahrenschon brachte ihm einst von einer Japanreise Bilder mit von Bonsai. »Ich hatte den Minister darum gebeten und er war dann selber ganz angetan davon«, erinnert sich der Steiner.

Wenn sein Hobby auch in unserer Region nicht alltäglich ist, finden sich doch immer wieder Begeisterte, mit denen sich Matthias Bauregger austauscht. Viele Jahre war er aktives Mitglied eines Arbeitskreises Bonsai und bei der Volkshochschule gab er bereits Kurse für die richtige Pflege der Miniatur-Bäumchen, die sehr gut ankamen. mix

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