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Millionen Euro zum Schutz der Soldaten

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Die Halle zur Erprobung von Detektorsystemen am Oberjettenberg wurde nun offiziell ihrer Bestimmung übergeben. (Foto: Bauregger)

Schneizlreuth – Seit 2014 wurde an der Wehrtechnischen Dienststelle für Schutz- und Sondertechniken (WTD52) in Oberjettenberg an einer ganz besonderen Halle gebaut, in der es nun möglich ist, handgehaltene und fahrzeuggestützte Detektorsysteme zum Aufspüren von Landminen und behelfsmäßigen Sprengfallen, sogenannte IEDs, ganzjährig zu testen und weiterzuentwickeln. Insgesamt wurden hier gut sechs Millionen Euro investiert, die in erster Linie der Gesundheit und der Sicherheit der Soldaten in den Einsatzgebieten dienen.


Bei einer Einweihungsfeier mit Vertretern von Bundeswehr, der Bauverantwortlichen und der örtlichen Kommunalpolitik wurde die »L-IED-Halle« nun offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Ein Trio umrahmte die Feier mit Volksmusik.

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Direktor der WTD52, Michael Klaus, freute sich angesichts der zahlreichen Ehrengäste über die Wertschätzung, die zeige, dass diese Halle, die »für Soldaten gebaut wurde, die im Einsatz den Kopf hinhalten«, eine wichtige Baumaßnahme darstelle. L-IED klinge harmlos. Damit seien aber höchstgefährliche Landminen und Sprengfallen gemeint.

Die evangelische Militärseelsorgerin Dr. Claudia Konoppa, die im Anschluss die Weihe vornahm, erinnerte daran, dass nicht die Farbe oder das Dach des Gebäudes, sondern das Fundament das Wichtigste sei. So habe bereits der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief geschrieben, dass der Grund mit Jesus Christus gelegt sei. Dies bedeute, dass wir auf Christus bauen und aus seiner Kraft leben können, was oft in der Geschäftigkeit und Euphorie übersehen werde. An diesem Tag sollten auch nicht etwaige Probleme im Vordergrund stehen, sondern die Freude über diese »Meisterleistung der Architektur«. Sie wünsche sich, dass die zukünftige Arbeit in der Halle »Werkzeuge« hervorbringe, die den Einsatzkräften »bombige Erfahrungen« erspare.

Große Gefahr durch Minen und Sprengfallen

Nach der offiziellen Weihe wurde die Gefährlichkeit von Minen und Sprengfallen anhand von Einsatzszenen unterstrichen. Weltweit gab es demnach im vergangenen Jahr 12 831 Vorfälle mit 27 941 Opfern. Leitender Direktor Dirk Wolff, Leiter des Referats K6.4 im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, ging in seiner Einführungsrede detailliert auf die vielen Vorfälle mit Landminen und IEDs ein.

Während Landminen industriell in großer Stückzahl zum Einsatz auf einem begrenzten Areal produziert würden, handle es sich bei IEDs um individuelle Einzelstücke, die zum einen gut getarnt und auf das jeweilige Anschlagsziel dimensioniert werden. Eine Gefahr von den IEDs gehe aber nicht nur in weit entfernten Krisengebieten aus. Auch in Deutschland könne jeder zum Opfer werden, da deren Einsatz sowohl einen kriminellen, terroristischen aber auch psychischen Hintergrund haben kann.

Da ein Aufspüren von Minen und Sprengfallen mit menschlichen Sinnen unmöglich ist, müssen laut Wolff, aufwändige Sensorsysteme entwickelt werden, die ein sehr komplexes Verständnis der Materie und ein großes Wissen über naturwissenschaftliche Zusammenhänge erforderten. Er versprach, dass hier in der Halle deshalb viele »exotische« Verfahren erprobt und eine deutliche Steigerung von Qualität und Quantität der Ergebnisse angestrebt werde.

Anschließend konnten sich die Festgäste über die in der Halle postierten Detektionssysteme informieren und besichtigen, wie das Seitenradarsystem TIRAMI-SAR, das im Forschungsprojekt TIRAMI-SU, zusammen mit 25 europäischen Partnern, für die humanitäre Minenräumung, nach militärischen Konflikten entwickelt wurde.

Gut zu erkennen waren auch die unterschiedlichen Bodenarten in den beiden Teststreifen. Wie Direktor Harald Stein erläuterte, können diese auf Grundlage von Bodenproben aus Einsatzgebieten wie etwa Mali oder Afghanistan, hier in ihrer Konsistenz und Beschaffenheit nachgebaut und sogar über eine Beregnungsanlage unterschiedlich befeuchtet werden. Die Forschungsergebnisse fließen laut Stein auch in die internationale Zusammenarbeit mit ein. Zum Schutz der Soldaten sei die Investition von mehr als sechs Millionen Euro in jedem Fall gerechtfertigt. wb