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Milchpreis weiter im Sinkflug: »Die Stimmung ist schlecht«

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Der Milchpreis liegt knapp vier Monate nach dem Wegfall der Quote nur noch bei gut 30 Cent. Auf Dauer würden die Landwirte mit so einem niedrigen Preis nicht über die Runden kommen, erklärt Paul Obermeier, Vorsitzender der Milcherzeuger-Gemeinschaft Traunstein-Laufen. (Foto: dpa)

Der Milchpreis befindet sich weiter im Sinkflug: Seit dem Wegfall der Quote zum 1. April bekommen die heimischen Milcherzeuger im Schnitt nur noch gut 30 Cent pro Kilo Milch; zuvor waren es fast 40 Cent. »Die Stimmung der Milchbauern ist schlecht«, resümiert Paul Obermeier, der Vorsitzende der Milcherzeuger-Gemeinschaft Traunstein-Laufen. Auf Dauer würden die Landwirte mit so einem niedrigen Preis nicht über die Runden kommen.


»Wir trauern der Milchquote nicht hinterher«

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Eins macht Obermeier dennoch unmissverständlich klar: »Wir trauern der Milchquote nicht hinterher.« Sie habe auch nicht gehalten, was sie versprochen habe. Die 1984 von der EU eingeführte Beschränkung der Milchproduktion hatte einen stabilen Preis für die Landwirte zum Ziel. Der Preis für ein Kilogramm Milch lag damals bei 84 Pfennigen – und trotz stetig steigender Kosten etwa beim Stallbau oder für Futter- und Düngemittel kletterte der Preis nie groß über 40 Cent, zuletzt war er knapp darunter. »Die Quote hat auch keinen guten Preis gesichert«, resümiert darum auch Reinhard Lampoltshammer, Geschäftsführer der Kreisgeschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbands.

Nach dem Wegfall der Quote rechneten viele mit einem deutlichen Anstieg der Milchproduktion. Doch der blieb zumindest im Freistaat aus, wie Hans Krautenbacher von der Privatkäserei Bergader ausführt. Die aktuell nach Waging gelieferte Milchmenge liege sogar noch unter der Vorjahresmenge, erklärt Krautenbacher. Und aus Gesprächen wisse er, dass es bei den benachbarten Molkereien ähnlich sei. 1800 heimische Milcherzeuger liefern im Jahr etwa 365 Millionen Kilo Milch an Bergader. Landwirten zahlt das Unternehmen zurzeit 32,5 Cent für das Kilo Milch, Bergbauern erhalten 38 Cent.

Warum der Preis in den vergangenen vier Monaten dennoch kontinuierlich gesunken ist, lässt sich für Krautenbacher mit einer globalen Betrachtung des Milchmarkts erklären: Zum einen sei in einigen Ländern, etwa in Polen, den Niederlanden oder Irland, die Milchproduktion seit dem Wegfall der Quote um sechs bis sieben Prozent gestiegen, zum anderen würde auch der wichtige chinesische Markt schwächeln – und der russische Markt sei durch ein Embargo völlig weggebrochen.

»Die Hälfte der in Bayern produzierten Milch wird exportiert«, sagt Krautenbacher und zeigt damit auf, wie abhängig die Landwirte und Molkereien im Freistaat vom Weltmarkt sind. Er glaubt darum auch, dass nicht mit einem kurzfristigen Wiederanstieg des Milchpreises zu rechnen ist. »Für heuer glaube ich, dass sich die Situation nicht verbessern wird.« Was das für die Landwirte bedeutet, weiß er sehr wohl: »Ich muss mir sehr viel anhören«, sagt er. Er führe zurzeit viele Telefonate mit Bauern, für die der niedrige Milchpreis bereits jetzt ein Problem darstelle – »vor allem, wenn sie gerade investiert haben«.

»Es ist einfach zu viel Milch auf dem Markt«, sagt auch Paul Obermeier. Und das Problem sei, dass der niedrige Preis immer zuerst die kleinen Landwirte treffe. »Aber genau das ist ja unser Ziel: möglichst viele kleine Bauern zu erhalten«, erklärt er. Gerade die Kleinen seien nämlich auch ein Garant für den Erhalt der Artenvielfalt, für »viele Wiesen und Gras«.

»Lebensmittel kosten einfach was«

Er sieht darum auch die Politik in der Pflicht, zum Beispiel was das Russland-Embargo betrifft. Und auch die Verbraucher müssten weiter umdenken. »Lebensmittel kosten einfach was«, sagt Obermeier. Der Preiskampf der Discounter, führt er weiter aus, werde auf den Schultern der Landwirte ausgetragen. »Wir sind die letzten in der Kette, wir können den niedrigen Preis nicht mehr weitergeben.«

Reinhard Lampoltshammer rechnet nicht damit, dass der Milchpreis dauerhaft niedrig bleiben wird. Aber er glaubt, dass sich die Landwirte künftig auf Preisschwankungen einstellen müssen. »Wir werden mehr Auf und Abs haben als früher. Damit muss sich der Milchbauer auseinandersetzen«, sagt er. san