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Mikroplastik – die unterschätzte Gefahr

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Sie sind so klein, dass kein Waschmaschinen- und kein Kläranlagenfilter sie aus dem Abwasser filtern kann: winzig kleine Plastikkügelchen, die in Kosmetik- und Reinigungsartikeln für angeblich bessere Reinigungsleistung genutzt werden. Umwelt- und Verbraucherschützer schlagen Alarm: die Teilchen drohen in die Nahrungskette zu gelangen. Noch bis 5. Juni sammelt der Verbraucherservice Traunstein Unterschriften für ein Verbot. (Foto: Stephan Glinka/BUND)

Traunstein. Sie sorgen in Zahncremes für strahlend saubere Zähne, schrubben in Peeling-Cremes Hautschuppen vom Gesicht, sollen Haushaltsreiniger und Waschmittel effektiver machen – winzig kleine Plastikkügelchen, sogenanntes Mikroplastik. Dazu gehören auch die Plastikfasern, die jeder Fleecepullover bei jedem Waschgang verliert.


Verbraucher und Umweltschützer warnen

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Dabei schlagen Umwelt- und Verbraucherschützer Alarm und fordern ein Verbot, denn die Teilchen sind eine ganz akute Gefahr für Mensch und Tier, wie etwa Heike Piper vom Verbraucherservice Bayern (VSB) im Katholischen Deutschen Frauenbund in Traunstein warnt. Die Teilchen sind nach VSB-Angaben so winzig, dass sie weder von Waschmaschinenfiltern noch von Kläranlagen aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Über die Kläranlage Traunstein gelangen sie dann in die Traun, in die Alz, den Inn, die Donau und schließlich ins Schwarze Meer.

Dort können sich auf ihrer Oberfläche Schadstoffe anlagern und letzten Endes in der Nahrungskette anreichern – nach Angaben des Bunds Naturschutz (BN) lassen sich an den Partikeln Hundert mal höhere Konzentrationen als im Meerwasser messen. Die Schadstoffe werden mit den Partikeln von den Bewohnern des Meeres gefressen – Mikroplastik sei bereits in Seehunden, Fischen, Muscheln und kleineren Organismen nachgewiesen worden, so der BN. Dort reicherten sich die Schadstoffe im Gewebe an, die Plastikteilchen führten zu Darmverschlüssen oder Verletzungen an Schleimhäuten. Über die Nahrungskette landeten sie letztendlich auch im Körper des Menschen.

»Das war mir selber auch lange nicht so bewusst«, sagt dazu Heike Piper vom Verbraucherservice Traunstein. »Kleine Kügelchen in Duschgels gibt's ja schon länger, aber da hat man sich ja nichts böses dabei gedacht.«

Liste mit Produkten, die Mikroplastik enthalten

Der Bund Naturschutz hat zu dem Thema eine Liste mit Kosmetik-Produkten herausgegeben, die nachweislich Mikroplastik enthalten. Auf dieser finden sich neben Zahnpasten und Gesichtsreinigern auch ein Kontaktlinsenreiniger, Cremes, Dusch- und Waschgels, Puder, Abdeckstifte, Rouges, Lidschatten, Wimperntuschen, Eyeliner, Augenbrauen- und Lippenstifte, und zwar nicht nur von den klassischen Herstellern. Auch einzelne Produkte von Naturkosmetik-Herstellern finden sich auf der Liste.

Sie liegt ebenso in der Geschäftsstelle des Verbraucherservices Traunstein, Bahnhofstraße 1, auf, wie auch die Liste, auf der man noch bis einschließlich Donnerstag, 5. Juni, für ein Verbot dieser Teilchen in Alltagsprodukten unterschreiben kann. Außerdem gibt es dort einen Musterbrief, mit dem jeder Verbraucher sich direkt an den Hersteller seiner Kosmetik- oder Reinigungsprodukte wenden kann – die Adresse findet sich auf jeder Packung. So will der Verbraucherservice den Druck auf die Unternehmen erhöhen. Die Unterschriften sollen die Politik zum Handeln bewegen.

Unterschriften bewirken Veränderungen

»Wir erreichen mit unseren Unterschriftenaktionen schon etwas«, so Heike Piper. Als Beispiele nennt sie die im vergangenen Jahr gemeinsam mit anderen Organisationen verhinderte Privatisierung der Trinkwasserversorgung oder etwa die sogenannte »Button-Lösung« bei Internetseiten. »Betreiber von Internetseiten müssen einen deutlichen Hinweis auf ihrer Seite anzeigen, der dem Verbraucher klar macht, dass er mit dem nächsten Klick ein kostenpflichtiges Angebot nutzt oder einen Abo-Vertrag schließt.«

Erreichbar ist Heike Piper jeweils Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8.30 bis 12 Uhr sowie dienstags und donnerstags auch von 13 bis 16 Uhr. Nähere Informationen gibt es zu den genannten Öffnungszeiten auch unter Telefon 0861/60908 oder 0861/20 92 451. coho