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Michaela Kaniber im Interview - 6 Fragen an die neue Landwirtschaftsministerin

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Michaela Kaniber will als bayerische Landwirtschaftsministerin die Wertschätzung für regional erzeugte Lebensmittel verbessern.

Die Bedeutung von Agrarpolitik mehr in den Fokus der Gesellschaft rücken, das ist eine der Herausforderungen, die Michaela Kaniber als neue bayerische Landwirtschaftsministerin anpacken will. Im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt spricht sie über die großen Fußstapfen ihres Vorgängers, die Bedeutung bäuerlicher Landwirtschaft und der Vereinbarkeit von Ministeramt und Familie.


Haben Sie mit der Ernennung zur Landwirtschaftsministerin gerechnet?

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Nein, absolut nicht. Ich war überrascht, weil ich ja im Landtag bislang noch keine Ämter im Agrarbereich innehatte. Aber ich freue mich sehr auf meine Arbeit.

Wie haben Sie reagiert und was war Ihr erster Gedanke, als der Anruf von Ministerpräsident Söder kam?

Das erste Gefühl war eine Mischung aus Anspannung und Freude. Anspannung, weil ich weiß, welche riesige Aufgabe und welche Verantwortung da auf mich zukommen – ich habe natürlich großen Respekt vor diesem wichtigen Amt. Freude, weil ich jetzt für einen ausgesprochen interessanten und vielfältigen Aufgabenbereich zuständig bin und hier Akzente und Impulse setzen kann – von der Landwirtschaft über Ernährung und Wald bis hin zur ländlichen Entwicklung.

Bisher haben Sie sich vor allem im sozial- und familienpolitischen Bereich engagiert – was verbinden Sie mit der Landwirtschaft?

Agrarpolitik ist für mich Gesellschaftspolitik. Denn von dem, was unsere bayerischen Bauernfamilien leisten, profitieren alle Bürgerinnen und Bürger. Unsere Landwirte produzieren hochwertige Lebensmittel, prägen und gestalten unsere wunderschönen Landschaften und sichern den sozialen Zusammenhalt in den Dörfern. Sie sind es, die unsere Heimat lebens- und liebenswert erhalten. Vielen ist das gar nicht bewusst. Deshalb möchte ich die Landwirtschaft stärker in die Mitte der Gesellschaft rücken, die Wertschätzung der Menschen für die Arbeit unserer Bauern verbessern.

Wie groß sind die Fußstapfen Ihres Vorgängers Helmut Brunner?

Helmut Brunner hat ausgesprochen erfolgreich Agrarpolitik für Bayern gemacht. Er hat die Weichen im Sinne unserer bäuerlichen Familienbetriebe gestellt, hat frühzeitig auf Megatrends wie »Regio« oder »Bio« reagiert und hat die Anliegen der Gesellschaft ernst genommen. Diesen Weg möchte ich fortsetzen und weiterentwickeln. Ich werde mich mit aller Kraft für die Menschen in unseren ländlichen Räumen einsetzen.

Wo und wie möchten Sie künftig Akzente auch für die Region setzen?

Ich will die Wertschätzung für regional erzeugte Lebensmittel verbessern, sie als Garant für Frische, Qualität und Transparenz noch bekannter machen. Davon wird gerade unsere Region profitieren, denn wir haben hier allerbeste Voraussetzungen. Wir sollten noch stärker als bisher auf die Veredelung unserer Lebensmittel setzen, auf Spezialitäten, auf Premiumprodukte. Denn das verschafft unseren Betrieben Wettbewerbsvorteile. Zudem möchte ich das Ernährungshandwerk stärken, unsere Bäcker, unsere Metzger. Etwa über die Ökomodellregionen in Bayern. Solche Ansätze sind richtig und wichtig, das will ich weiter ausbauen.

Kinder, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen – bisher war das für Sie eine lösbare Herausforderung. Als Ministerin wird ein anderes Arbeitspensum verlangt, wie werden Sie sich dieser Herausforderung stellen und haben Sie einen Ratschlag, wie man Familie und Karriere organisieren kann?

Ich habe das Glück, dass meine Familie zu 100 Prozent hinter mir steht und mich nach Kräften unterstützt. Mein Mann hat seine Arbeitszeit reduziert, kann also vieles auffangen, wofür mir keine Zeit bleibt. Und meine drei Kinder sind 18, 17 und 14 Jahre alt und ausgesprochen selbstständig. Sie freuen sich schon auf die Herausforderung, den Haushalt mal ganz ohne mich zu schmeißen. Allgemeingültige Tipps, wie sich Familie und Karriere vereinbaren lassen, gibt es nicht. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Ich halte es für wichtig, sich regelmäßig Freiräume für gemeinsame Unternehmungen zu schaffen – auch wenn die Zeit knapp ist.

Die Fragen stellte Redakteurin Verena Wannisch.