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Michael Lücke verlässt den Chiemgau-Tourismusverband

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Landrat Hermann Steinmaßl (links) und der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Chiemgau, Michael Lücke, der in einem Jahr seinen Posten aufgeben wird.

Traunstein. Geschäftsführer Michael Lücke wird den Chiemgau Tourismusverband in einem Jahr verlassen. Das erklärte er gestern in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Persönlich-familiäre Gründe hätten ihn bewogen, keine Verlängerung des zum 31. März 2014 endenden, fünfjährigen Vertrages anzustreben. Bereits vor mehreren Wochen war nach einer Vorstandssitzung des Verbandes durchgesickert, dass es zu keiner Vertragsverlängerung kommen werde.


»Es ist nicht ungewöhnlich, nach fünf Jahren die Position zu wechseln«, sagte Lücke, der 14 Jahre lang im Harz tätig war, ehe er 2009 die Geschäftsführung des Chiemgau-Tourismus übernahm. Er wolle das verbleibende Jahr mit Elan, Engagement und Freude angehen, versicherte er im Gespräch mit unserer Redaktion.

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Hervorragende Bilanz

Landrat Hermann Steinmaßl, der ebenfalls an dem Gespräch teilnahm, bescheinigte dem Geschäftsführer eine hervorragende Gesamtbilanz. Er habe den Tourismus im Landkreis in den letzten vier Jahren sehr positiv entwickelt. Dennoch sei es unmöglich, alle Einzelinteressen ausreichend zu berücksichtigen. »Extreme Interessenlagen prallen hier aufeinander«, sagte Steinmaßl. Es sei fast unmöglich, allen im Tourismus Tätigen gerecht zu werden: Hoteliers, Campingplatzbetreiber, Kleinvermieter und die Anbieter von Urlaub auf dem Bauernhof wollen ebenso ihre Interessen berücksichtigt wissen wie die Vertreter der 35 Städte und Gemeinden im Landkreis: »Dass da auch Späne fallen, kann man sich denken.«

Steinmaßl sprach von einer »riesigen Pionierarbeit«, die Lücke in den letzten vier Jahren vollbracht hat. Dabei habe er einiges an Kritik aushalten müssen. Steinmaßl ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass sich »der Chiemgau in den letzten vier Jahren extrem positiv entwickelt« hat. Einen großen Anteil daran habe Michael Lücke. Man nehme die Entscheidung des 57-Jährigen an und habe nun Zeit, sich in Ruhe um einen geeigneten Nachfolger zu bemühen.

Steinmaßl erinnerte daran, dass man in den Jahren 2003 bis 2005 daran gegangen sei, neue Wege im Tourismus zu suchen. Die Überlegungen mündeten im Jahr 2008 in den Beschluss des Kreistages zur Neuausrichtung des Tourismus unter Einbeziehung aller 35 Städte und Gemeinden. Ziel sei es immer gewesen, die Marke Chiemgau stärker zu entwickeln. Der Landrat verwies auch auf die zuletzt positive Bilanz bei den Übernachtungszahlen mit einem Plus von fünf Prozent im vergangenen Jahr.

Die Arbeiten an der wirklichen »Großbaustelle« im heimischen Tourismus ruhen aber nach wie vor: die seit Jahren angestrebte Zusammenführung der Tourismusverbände der Landkreise Rosenheim und Traunstein. Die Schuld, dass es nicht vorangeht, weist Steinmaßl eindeutig den Rosenheimern und den Vertretern ihres Chiemsee-Alpenland-Verbandes zu. Leidtragende sind die Steuerzahler in beiden Landkreisen und der Tourismus am Chiemsee. Rund eine dreiviertel Million Euro müssen die Steuerzahler im Landkreis Traunstein jährlich für den Tourismusverband Chiemgau aufbringen. In etwa die gleiche Summe bekommt der Verband Chiemsee-Alpenland vom Landkreis Rosenheim. Eine Zusammenführung wäre nicht nur aus finanziellen Gründen längst überfällig.

Zankapfel Chiemsee

Wer sich zum Beispiel das Prospektmaterial des Rosenheimer Verbandes anschaut, der muss überrascht feststellen, dass darin nur die Chiemseegemeinden in der Karte aufgeführt sind, die zum Landkreis Rosenheim gehören. Übersee, Grabenstätt, Chieming und Seebruck dagegen sind auf diesen Karten nicht existent. Darauf angesprochen zeigt Hermann Steinmaßl einen Prospekt des Chiemgauverbandes, in dem keine Grenzen erkennbar sind: »An uns liegt es nicht...«

Noch prekärer ist die Situation für die Chiemseegemeinden im Landkreis Traunstein dadurch geworden, dass der Chiemsee-Tourismusverband im vergangenen Jahr in dem guten Glauben aufgelöst wurde, dass die Verbände der beiden Landkreise endlich fusionieren.

Inzwischen hat sich eine Initiative von Touristikern am Chiemsee gegründet (wir berichteten), welche die Anliegen der Seeanlieger vertritt. Auch deren Bemühen, die beiden Landräte zu einem Gespräch zu bitten, blieb erfolglos. Landrat Steinmaßl habe sich zwar gemeldet aber Rosenheims Landrat Josef Neiderhell nicht. Letzterer habe lediglich über die Presse mitteilen lassen, dass eine Fusion der beiden Tourismusverbände in absehbarer Zeit für ihn nicht in Frage komme, klagen die Interessenvertreter vom Chiemsee.

Dessen ungeachtet wies Michael Lücke im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt darauf hin, dass es sehr wohl eine intensive und gute Zusammenarbeit mit dem Rosenheimer Verband und insbesondere deren Geschäftsführerin Christina Pfaffinger gebe. So trete man gemeinsam bei den größten Tourismusmessen in Wien und Hamburg auf und habe eine gemeinsame Fahrradbroschüre. »Ob eine Fusion automatisch zu Einsparungen führt, müsste man prüfen«, erklärte Lücke.

Dass der von den Gemeinden am Chiemsee vehement geforderte Zusammenschluss der beiden Verbände noch im verbleibenden Jahr von Lücke als Geschäftsführer erfolgen wird, ist aber trotzdem mehr als unwahrscheinlich. -K.O.-