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Michael Lücke: Olympia-Bewerbung ist eine Megachance

Traunstein. Viereinhalb Jahre war Michael Lücke Geschäftsführer des Chiemgau-Tourismus-Verbands. Wenige Tage vor seinem Ausscheiden Ende September lieferte er dem Kreisausschuss einen Bericht über seine Aktivitäten. Offiziell wird Lücke bei der Verbandsversammlung im Spätherbst verabschiedet. Sein Nachfolger wird Stefan Semmelmayer.


Landrat Hermann Steinmaßl erinnerte an den einstimmigen Grundsatzbeschluss des Kreistags von 2008, den Tourismus auf neue Beine zu stellen und ihn mit jährlich einer Million Euro aus Kreismitteln zu finanzieren. Alle 35 Gemeinden und Städte hätten damals mitgezogen, seien Mitglied im neuen Verband geworden und brächten seither weitere 500 000 Euro pro Jahr auf. Jetzt verfüge man über eine »finanz- und schlagkräftige Organisation«.

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Lücke bezeichnete es als seine damalige Aufgabenstellung, das Verbindende zwischen dem Norden und dem Süden des Landkreises herzustellen. »Ein Destinationsbewusstsein, ein Wir-Gefühl, eine regionale Identität waren zu entwickeln.« Bis dahin habe jede Gemeinde einzeln für sich gewirkt. Inzwischen gebe es eine eng verzahnte Gremienarbeit, hob er hervor.

Gemeinsam habe man eine Marke und ein Marketingkonzept aufgebaut. Bis 2009 seien die Prospekte »unabgestimmt« gewesen. Die Dachmarke »Chiemgau – Bayerns Lächeln« sei gut angekommen. Lücke empfahl: »Bei einer Fusion mit dem Nachbarverband Chiemsee-Alpenland in zwei, vier oder zehn Jahren – geben Sie die Marke nicht auf. Vielleicht kann man sie ergänzen.«

Neue Veranstaltungsformate kommen gut an

Unter den Neuerungen während seiner Zeit nannte Lücke die Themenarbeitskreise zur Unterstützung des Marketingbeirats. Um den Chiemgau zum »Sehnsuchtsziel« zu machen, bedürfe es einer starken Marketingorganisation, aber auch starker Anbieter in intakter Natur und mit authentischer Tradition. Die Region sei ein Stück weit »inszeniert« worden mit neuen Veranstaltungsformaten. Als Beispiele erwähnte der Touristiker den »Chiemgauer Wanderherbst«, den »Chiemgauer Almumtrieb«, das »Chiemgau-Almfestival« und den »Chiemsee-Triathlon«. Das Ziel: Den Chiemgau im harten Wettbewerb ins Bewusstsein der Kunden zu bringen. Unter dem Stichwort »neue Wahrnehmung« führte Lücke den 2011 gewonnenen ADAC-Tourismuspreis auf.

Ausführlich ging der scheidende Geschäftsführer auf das Jubiläum »100 Jahre Chiemgau Tourismus e.V.« im vergangenen Jahr und die verschiedenen Aktionen wie »24 h von Bayern in Inzell« ein. In Traunreut habe ein »Zukunftskongress« stattgefunden. Die Zeitschrift »Merian« habe dem Chiemgau ein Heft gewidmet. Neben einer Filmdokumentation und der Chronik »Zeitreise« rief Lücke das Jubiläumsfest im Juli 2012 auf dem Chiemsee ins Gedächtnis, die Aktion »Komm auf die Alm – Senner/in auf Zeit gesucht« oder die Dreharbeiten für den Spielfilm »Himmelsstürmer« mit dem Chiemgau als Filmstandort.

Auch über heurige Aktivitäten des Verbands informierte Michael Lücke, darunter die Vorbereitungen für das fast eine Million Euro teure EU-Förderprojekt »SalzAlpenSteig«. Der grenzüberschreitende Hauptweg und die Touren seien festgelegt und viele Gemeinden würden einbezogen. »Der Wandertourismus im Chiemgau könnte 2014 neu definiert werden«, meinte der Referent. Ein »Sorgenkind und Seele des Chiemgaus« seien die Kleinvermieter, die es weiter zu unterstützen und zu beraten gelte.

Im vergangenen Jahr gab es mehr Übernachtungen

Mit ansehnlichen Zuwächsen – von einem Institut auf Basis einer Umfrage unter 1000 Personen ermittelt – belegte Lücke, wie sich die Tourismusarbeit für die Region in den vergangenen Jahren bezahlt gemacht haben. »Bekannt- und Beliebtheit der Region sowie die Besuchsbereitschaft sind dramatisch gestiegen. Der Chiemgau hat die besten Werte in der Bundesrepublik.« Die Zahlen des Statistischen Landesamts wiesen für 2012 für den Landkreis Traunstein eine Zunahme der Übernachtungen um 4,9 Prozent auf, bei den Gästen um 6,0 Prozent. Erstmals seit 20 Jahren seien die Tourismuszahlen wieder »deutlich im Plus«.

Die Herausforderungen der Zukunft sind nach Lücke die Stabilisierung der Kleinvermieterstruktur, mehr Qualitätshotellerie oder das Umsetzen des Leitbilds von 2012. Die Bewerbung um »Olympia 2022« sah Lücke als Megachance. »Allein die Bewerbung wird einen Riesenwerbeeffekt für den Chiemgau und den Landkreis.« Das Interesse von Investoren und Betreibern für den Tourismusstandort Chiemgau werde durch Olympia gesteigert.

Nach viereinhalb Jahren sei »ein Großteil der Hoffnungen erfüllt«, kommentierte Landrat Steinmaßl den Bericht. Der Landkreis habe noch nie so viele Gäste gehabt. »Andererseits blieben sie früher länger«, fügte er hinzu. Michael Lücke gebühre Dank, sagte Steinmaßl: »Sie hatten das richtige Gespür.« Josef Konhäuser, Vizeverbandsvorsitzender und Vize-Landrat, schloss sich an: »Sie haben hervorragende Arbeit geleistet, auf der man aufbauen kann.« kd