weather-image
29°

Messungen mit »hervorragenden Ergebnissen«

4.5
4.5
Bildtext einblenden
Mit Wolkersdorf soll in einem weiteren Ortsteil der Stadt Traunstein gebohrt werden.
Bildtext einblenden
Vier neue Standorte gibt es für die Bohrungen, einer davon liegt bei Kammer.
Bildtext einblenden
Als geeignet erwies sich bei den Messungen auch Trenkmoos in der Gemeinde Surberg.
Bildtext einblenden
In der Gemeinde Nußdorf liegt ein Bohrstandort bei Wang. (Fotos: Brenninger)

Traunstein. Viel größer als ursprünglich geplant soll das Geothermie-Projekt in Traunstein werden. »Wir gehen von vornherein in die Offensive«, erklärt Thomas Engmann, Geschäftsführer der Geothermie Traunstein Projekt GmbH, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Grund für die neuen Pläne sind die Ergebnisse der 3-D-Messungen, die im vergangenen Jahr in Traunstein und Umgebung durchgeführt wurden. »Sie haben hervorragende Ergebnisse gebracht«, verkündete Engmann zuletzt auch bei einer Veranstaltung des Traunsteiner Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen.


Elektrische Leistung: Von 8 auf 15 Megawatt

Anzeige

In einer Tiefe von 5200 bis 5800 Metern soll sich das heiße Thermalwasser mit einer Temperatur von 150 Grad befinden, das Traunstein in Zukunft energieautark machen soll. Die guten Ergebnisse im Hinblick auf Größe und Stärke des Wasserreservoirs lassen zudem eine größere Dimensionierung der Pläne zu. So soll das in Weiderting in der Gemeinde Nußdorf geplante Kraftwerk doppelt so groß gebaut werden. Die elektrische Leistung wird von 8 auf 15 Megawatt erhöht. Somit verdoppelt sich auch die Anzahl der Haushalte, die mit der in Strom und Nahwärme umgewandelten Energie aus dem Erdinneren versorgt werden können.

Mit dem größeren Kraftwerk erhöht sich auch die Anzahl der Bohrstandorte. Vor den Messungen wurde mit zwei Standorten in Aiging und Weiderting geplant. In einer Leitung wird das Wasser nach oben geholt und in der anderen wieder zurück in die Erde geführt. Diese Zahl hat sich nun verdoppelt. Die Ergebnisse auf dem 75 Quadratkilometer großen Messfeld ergaben auch vier neue Orte. »Diese sind Trenkmoos, Wolkersdorf, Kammer und Wang«, erklärt Engmann. Diese würden am Rande des Reservoirs liegen und gute Voraussetzungen für die Bohrungen schaffen. Derzeit laufen die Grundstücksverhandlungen mit den Besitzern, denn bereits im Sommer will die Geothermie Traunstein Projekt GmbH mit der ersten Bohrung beginnen.

Mit den Bohrungen beginnt aber auch ein gewisser Unsicherheitsfaktor. Wie Engmann berichtet, gebe es etwa beim Geothermie-Projekt in Kirchweidach Schäden an der Pumpe. In Traunreut konnte die erwartete Wassertemperatur von 130 Grad nicht erreicht werden. Dies soll nach den Plänen Engmanns in Traunstein aber nicht passieren: »Hier müssen wir 1000 Meter tiefer bohren, um an die Heißwasser führende Gesteinsschicht zu kommen. Je 100 Meter Tiefe wird es drei Grad wärmer, somit sollten wir problemlos um die 150 Grad erreichen.« Ob dies auch klappt, wird die erste Bohrung ab dem Sommer zeigen. Etwa ein halbes Jahr wird sie dauern. Daran soll sich die zweite Bohrung anschließen. Wenn auch diese Ergebnisse gut sind, wird die Größe des Kraftwerks in Weiderting detailliert geplant.

Kosten steigen auf 135 Millionen Euro

Gebaut werden soll es aber erst nach der letzten, der vierten Bohrung. 2016 könnte das Kraftwerk dann in Betrieb gehen. Der im vergangenen Jahr angekündigte Fertigstellungstermin von 2015 kann laut Engmann aufgrund der größeren Dimensionen nicht eingehalten werden.

Indes steigen auch die Kosten deutlich an. Wurde im vergangenen Jahr noch mit 70 Millionen Euro geplant, ist es nun mehr als das Doppelte: 135 Millionen Euro. Das Geld für die Bohrungen und den Bau des Kraftwerks kommt laut Engmann in Form von Risikokapital von amerikanischen Geldgebern.

Wie die Abnehmer dann an die Wärme aus der Tiefe kommen sollen, steht noch nicht fest. Noch fehlt in Traunstein die Infrastruktur, um die Stadt flächendeckend versorgen zu können. Im Gegensatz zum großen Fernwärmenetz in Traunreut werden viele Häuser der Großen Kreisstadt noch mit Gas beheizt.

In diesem Zusammenhang gab es zwar bereits Gespräche mit den Stadtwerken, jedoch wollen diese laut Engmann erst einmal abwarten, bevor sie in detaillierte Planungen einsteigen. Dabei steht für den Geothermie-Geschäftsführer bereits fest: »Wenn Nahwärme direkt vor der Tür ist, wird man sich dem langfristig nicht entziehen können«. Seiner Meinung nach könnten zunächst Klinikum oder landkreiseigene Gebäude mit Geothermie-Nahwärme beheizt werden.

Auch Nachbargemeinden problemlos anschließbar

Aber auch umliegende Gemeinden könnten versorgt werden. »Wärme wird anderswo bis zu 200 Kilometer transportiert. Zum Beispiel Chieming wäre somit problemlos anschließbar, denn die Wärmeverluste in den Leitungen sind gering«, erklärte Engmann zuletzt auf der Veranstaltung der Grünen in Traunstein. apo