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Merkel oder Steinbrück: Wer wird Kanzler?

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Wer hat am Sonntag gut lachen: Kanzlerin Angela Merkel oder ihr Herausforderer Peer Steinbrück?

Nach acht Jahren als Kanzlerin will Angela Merkel noch einmal vier Jahre dranhängen. Die CDU-Chefin gilt als mächtigste Frau der Welt. Während des Wahlkampfsommers bekam dieses Image aber leichte Kratzer. Doch auch ihr einziger ernsthafter Herausforderer, Peer Steinbrück (SPD), stolperte in den Walkampf.


Angela Merkel ist zäh. Sie verhandelt nicht nur in Brüssel 27 Stunden nonstop über die Rettung des Euro oder reist in drei Tagen um die halbe Welt. Die Kanzlerin hält auch wochenlange Kritik aus, ohne aus der Deckung zu gehen, wie in diesem Sommer bei der US-Spähaffäre zu beobachten. Trotzdem empfindet sie ihre Arbeit als schön und inspirierend – weil es immer wieder neue Probleme gibt. Genau so beschrieb sie jüngst ihre Motivation für das hohe Amt. Man kann ihr das glauben. Etwas kühl und keck zugleich fügte sie noch hinzu: »Wer das nicht aushält, der kann nicht Bundeskanzler sein.«

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In Umfragen liegt die Kanzlerin mit Abstand vorne

Das Kanzlerin-Dasein hält die CDU-Vorsitzende jetzt schon seit acht Jahren aus, und sie möchte weitermachen. Die 59-Jährige will diese dritte Amtszeit unbedingt. Die Wahlkampagne ist stark auf ihre persönliche Popularität zugeschnitten, scharfe Auseinandersetzungen vermeidet sie. Merkel ist mächtig wie wohl kaum eine andere Frau auf der Welt, vernetzt wie nie zuvor und gestählt durch die Eurokrise.

In der Politik der deutschen Nachkriegsgeschichte gilt Merkel mit ihrem Weg als ein Phänomen: Geboren in Hamburg, Tochter eines Pfarrers, in der DDR aufgewachsen, als Naturwissenschaftlerin mit der Wende in die Politik gekommen, in den Augen vieler CDU-Männer als Übergangskandidatin Parteichefin geworden und – geblieben.

In heimischen Umfragen liegt die Kanzlerin mit ihrer Union im Bereich der 40-Prozent-Marke und bei den persönlichen Werten mit weitem Abstand vor Steinbrück. Die Deutschen vertrauen ihr.

Peer Steinbrücks Wahlkampf-Bühne ist rot und rund. »Klartext-Open-Air«, lautet das Format. »Ein falsches Wort, und das geht ab hier wie Schmidts Katze«, sagt er – eine Anspielung auf die Medienvertreter, die immer nur auf Pannen lauerten. Ob in Detmold, Würzburg, Hamburg oder Essen: Landauf, landab stellt sich der SPD-Kanzlerkandidat den Fragen, bis zu 5000 Bürger sitzen oder stehen um seine Rundbühne herum. Seit dem für ihn positiven TV-Duell mit der Kanzlerin scheint er im Wahlkampf besser in Fahrt gekommen zu sein.

Seine persönlichen Werte legen zu, die Botschaften kommen langsam an. 17,6 Millionen TV-Zuschauer konnten sich im TV-Duell überzeugen, dass einige Zuschreibungen so gar nicht auf ihn passen. Sein ganz eigener – oft nicht von allen verstandener – ironischer Stil zeigt sich im »Stinkefinger«-Foto im »SZ-Magazin«. Als Antwort auf die Frage nach Medien-Schöpfungen wie »Pannen-Peer, Problem-Peer und Peerlusconi«.

Steinbrück sagt, er wolle Stillstand und Kreisverkehr beenden, ein Auseinanderdriften der Gesellschaft verhindern, die Bürger fordern statt einlullen. Seine Taktik ist einfach und doch so schwer: Merkel inhaltlich stellen. Im TV-Duell zwang er sie zu der Aussage, sie wolle keine Pkw-Maut in Deutschland. Das brachte Unruhe in die Union, weil CSU-Chef Horst Seehofer unbedingt eine Maut für Ausländer will. Aber das Problem bleibt: Es gibt kaum echte Wechselstimmung – und Merkel hat es verstanden, dem Western-Fan geschickt auszuweichen.

Der Hamburger studierte Volkswirtschaft und Sozialwissenschaften, ist seit Willy Brandts Zeiten 1969 in der SPD, war Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen und wurde nach der Wahlniederlage 2005 in der Großen Koalition ein geachteter Bundesfinanzminister. Nochmal will er Merkel aber nicht dienen. »Sekt oder Selters«, lautet Peer Steinbrücks Devise.