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Meist Geschichten aus eigener Feder

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Übersee – Beim mittlerweile 15. Vorleseabend in der Wirtshausstube des Gasthofs D' Feldwies hatten die Lachsalven diesmal Pause. Bei den zehn Vorlesern und bei den Zuhörern war stattdessen Nachdenklichkeit angesagt. Einige Vorleser hatten ihr Programm aufgrund der jüngsten Terroranschläge umgestellt.


Vor gut sieben Jahren hatte der Überseer Lehrer und Initiator Paul Dorsch den Leseabend eingeführt. Unter dem Motto »Ich hätt' da was zum Lesen dabei« kann seither jeder mit dem Text seiner Wahl bei den beiden Leseabenden im Jahr mitmachen.

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Inzwischen hat Dorsch fast 100 Leser registriert, die den Zuhörern ein buntes Kaleidos-kop zwischen klassischer Literatur, Zeitungsartikeln und eigenen Werken bescherten.

Heuer hatten sich zum Vorlesen angemeldet: Georg Schupfner, Wolfgang Langhammer, Werner Bauernfeind, Hans Schönberger, Robert Höpfner, Ludwig Klarwein, Fred Bandtlow, Gustav Starzmann, Wolfgang Strupat und Reinhard Hauswirth. Acht von ihnen präsentierten »Werke« aus eigener Feder.

Entgegen der sonst zumeist lustigen Präsentationen, gab es überwiegend nachdenkliche Beiträge, zuweilen mit einem nur »leisen« Humor. Man dürfe sich angesichts der Terroranschläge nicht unterkriegen lassen, meinte Fred Bandtlow. Er zitierte die Worte eines Gefängnispfarrers, die manches in einem anderen Licht erscheinen lassen: »Auch hinter jedem Mörder steht eine weinende Mutter.«

Die Themenvielfalt der Vorleser war vielfältig und bunt. Da gab es Geschichten in fränkischer Mundart und norddeutschem »Plattdütsch«, bayerische Gedichte und Gstanzln sowie Erinnerungen von zeitgeschichtlichem Wert aus dem Allgäu und dem Berchtesgadener Land. Aber es waren auch Absurditäten und Banalitäten des Alltags dabei, aus ungewöhnlicher Perspektive feinsinnig beobachtet und präsentiert.

Zwei Vorleser griffen auf Klassiker zurück, die ihre ganz eigene Aktualität behalten werden. Die »Bürgschaft« von Friederich von Schiller dokumentierte das hohe, immer gültige Lied von Freundschaft und Treue. Und die Betrachtungen des griechischen Philosophen Platon über die Jugend hätten von heute sein können… bvd