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»Meist finanzielle Notlagen«

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Mehrere 50-Euro-Geldscheine. Foto: Nicolas Armer/Archiv Foto: dpa

Traunstein – Seit 1990 gibt es im Landratsamt Traunstein die Bürgerhilfsstelle. Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind – etwa durch Krankheit, Behinderung oder einen Unglücksfall – finden dort in Florian Seestaller einen kompetenten Ansprechpartner sowie in vielen Fällen schnelle Unterstützung. Im vergangenen Jahr half die Bürgerhilfsstelle in 174 Fällen Menschen aus dem Landkreis Traunstein – im Durchschnitt also an jedem zweiten Kalendertag.


30 000 Euro für alte und kranke Menschen

»Bei den meisten Problemen handelt es sich um finanzielle Notlagen«, sagt dazu Florian Seestaller. Oft hilft hier schon eine persönliche Beratung über gesetzliche Leistungsansprüche. Allerdings gibt es Fälle, in denen staatliche Hilfen nicht oder nicht mehr gewährt werden können, obwohl die Notlage weiter besteht. Dann können wir nach eingehender Prüfung mit Spendenmitteln einspringen.«

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Die Bürgerhilfsstelle arbeitet mit Beratungsstellen und Einrichtungen der verschiedenen Sozialleistungsträger zusammen. Ihre Arbeit wird jedoch seit ihres Bestehens auch von Bürgern, Vereinen, Geschäftsleuten und Firmen unterstützt. 2017 nahm Florian Seestaller wieder viele Spenden in Empfang, die sinnvoll und verantwortungsbewusst eingesetzt werden.

Der größte Betrag in Höhe von 30 000 Euro kam von der Georg-Johannes-Hipp-Stiftung. Diese Spende, die Landrat Siegfried Walch persönlich überreicht wurde, ist ausschließlich für alte und kranke Menschen sowie Menschen mit Behinderung vorgesehen.

Hauptsächlich Rentner und Alleinerziehende sind froh, wenn sie bei Seestaller Hilfe finden. Manche von ihnen haben nicht genug Geld, um sich Kleidung und andere Dinge zu kaufen, die für die meisten Menschen selbstverständlich sind. Dazu kommen vereinzelt Krankheiten oder Behinderungen, sodass den Betreffenden die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verschlossen bleibt.

»Wegen geringer Rente kein Ersatz«

»Man kann es kaum glauben, aber unter uns leben Senioren, die sich wegen ihrer geringen Rente keinen Ersatz für den kaputten Kühlschrank oder die defekte Waschmaschine leisten können«, sagt Seestaller. Aber auch manch Jüngere kann es treffen, wenn sie etwa wegen einer schweren Erkrankung vorzeitig aus dem Erwerbsleben scheiden müssen, deswegen eine nur sehr niedrige Rente erhalten, aber hohe Kosten für Medikamente oder Hilfsmittel tragen müssen.

Brände, Unfälle, der Tod von Angehörigen – die Palette der Bürgerhilfsstelle ist groß, wenn betroffene Menschen oder Hinterbliebene mit unerwarteten finanziellen Problemen konfrontiert werden. Bei schweren Krankheiten und Behinderungen sind zum Beispiel Hilfsmittel für Mobilität oder umfangreiche bauliche Veränderungen der Wohnung nötig. Die Ausgaben können dann aus dem verfügbaren Einkommen nicht vollständig bezahlt werden.

»Betreuung und Versorgung der Kinder«

»2017 gab es auch mehrere Fälle, in denen Mütter verstorben und die Väter mit den Kindern allein zurückgeblieben sind. Zur Trauer kommen dann auch finanzielle Engpässe und die Frage, wie die Betreuung und Versorgung der Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter geregelt werden kann«, weiß Seestaller.

Und schließlich erhielten in Zusammenarbeit mit der Familienbeauftragten des Landkreises Traunstein Evi Schenkl etwa 80 Kinder aus bedürftigen Familien jeweils ein Weihnachtsgeschenk. fb