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Mehr Jugendliche im Landkreis werden stationär betreut

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Die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Ausländer kostet den Landkreis Traunstein viel Geld.

Traunstein – Eine grundsätzlich positive Entwicklung bescheinigte Landrat Siegfried Walch der Jugendhilfe im Landkreis Traunstein. »Die Ausgaben sind rückläufig, wenn man die Kosten für die unbegleiteten minderjährigen Ausländer sowie die gestiegene Zahl der stationären Unterbringungen von Kindern und Jugendlichen herausrechnet«, betonte Walch bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Dienstag in Traunstein.


Die Ausschuss-Mitglieder hatten über den Haushaltsplan 2017 abzustimmen. Dieser wird nach jetziger Berechnung ein Gesamtvolumen von rund 16 Millionen Euro umfassen und somit rund 900 000 Euro über dem Budget von 2016 (rund 15,1 Millionen Euro) liegen. Den Budgetanforderungen für das Jahr 2017 stimmte der Ausschuss einstimmig zu, ebenso wie der Bewilligung von Stellen in der Jugendsozialarbeit an Schulen – eine ganze Stelle an der Heinrich-Braun-Grundschule Trostberg und eine halbe Stelle am Wilhelm-Löhe-Förderzentrum in Traunreut.

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Belastend für den Haushalt im laufenden wie im kommenden Jahr für das Amt für Kinder, Jugend und Familie ist die gestiegene Zahl der stationären Unterbringungen im Landkreis. Auf diese generelle Entwicklung wies Walch bei der Sitzung hin. Hier schlage auf der einen Seite die Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Ausländer zu Buche – der Höchststand war 2016 bei 163 Minderjährigen; auf der anderen Seite stieg aber auch die Zahl der »deutschen Kinder und Jugendlichen, die stationär in Heimen untergebracht werden mussten auf bis zu 142 Kinder und Jugendliche im Juni 2016«, hielt Walch fest. Im Vorjahr waren es 105 Jugendliche.

Konkret sind im kommenden Jahr Mehrausgaben in den Bereichen Jugendsozialarbeit, bei der gemeinsamen Unterbringung von Müttern/Vätern und Kindern, bei der Schulbegleitung, bei der stationären Eingliederungshilfe sowie der Hilfen für junge Volljährige zu erwarten. Die größten Posten – die Jugendsozialarbeit mit einer Kostensteigerung von 350 000 Euro und die Hilfen für junge Volljährige mit 600 000 Euro Mehrausgaben – betreffen besonders Unterstützungsleistungen wie Unterbringung und Betreuung für unbegleitete minderjährige Ausländer.

Ein starker Anstieg ist auch im Bereich Eingliederungshilfe und Schulbegleitung zu verzeichnen. 2016 wurden bereits in 38 Fällen Schulbegleitungen für Kinder und Jugendliche gewährt, die seelisch behindert oder von seelischer Behinderung bedroht sind. Da auch für die kommende Zeit steigende Fallzahlen erwartet werden, sind für den Haushalt 2017 Mehrausgaben von 300 000 Euro angesetzt.

Mehrausgaben für »sozialen Frieden im Landkreis«

In der sich anschließenden, kurzen Diskussion warb Kreisrat Manfred Kösterke dafür, die anfallenden Mehrausgaben nicht nur als negative Belastung für den Haushalt zu sehen, sondern als sinnvoll, »um den sozialen Frieden in unserem Landkreis zu sichern«. Deutlich wurde bei der Diskussion auch die angespannte Wohnraumsituation im Landkreis. Die Fachbereichsleiterin Kinder- und Jugendhilfe des Diakonischen Werks Traunstein, Margarete Winnicher, regte an, den jugendlichen Flüchtlingen, die eine Ausbildung machen, Wohnraum dort zu ermöglichen, wo sie arbeiten. Das würde aus ihrer Sicht Kosten einsparen. Dies zu realisieren wies Landrat Siegfried Walch jedoch als »schlichtweg unmöglich« zurück.

Eine Vollzeitstelle in der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) soll künftig die Heinrich-Braun-Grundschule in Trostberg bekommen. Dem Antrag der Schule gab das Gremium einstimmig statt. Aus Sicht des Jugendamts besteht Bedarf: Mit 308 Schülern gehört die Heinrich-Braun-Grundschule zu den größten im Landkreis und hat mit rund 40 Prozent einen besonders hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund. Die Kosten für die Stelle muss zu 20 Prozent von der Stadt Trostberg getragen werden. Zudem sieht das Jugendamt eine gute Chance, dass für die Stelle aufgrund des hohen Bedarfs Fördermittel vom Freistaat bewilligt werden.

»Die derzeitige JaS-Kraft ist wegen der hohen Fallzahl alleine heillos überfordert und braucht dringend Unterstützung.« Mit eindringlichen Worten unterstrich Kreisrätin Marianne Penn den Bedarf einer zusätzlichen Stelle in der Jugendsozialarbeit an Schulen für das Wilhelm-Löhe-Förderzentrum in Traunreut. Diese Einschätzung teilt auch das Jugendamt. Mit Stand Oktober habe die dort beschäftigte Sozialpädagogin bereits Fallzahlen, die an anderen Schulen im kompletten Jahresschnitt erreicht würden. Einstimmig wurde der Ausweitung der Jugendsozialarbeit an Schulen mit einer zusätzlichen halben Stelle stattgegeben.

Staatliche Förderung für Stelle in Traunreut unsicher

Walch wies aber darauf hin, dass mit dieser Entscheidung eine »völlig neue Situation« geschaffen werde. »Wir haben im Landkreis noch keine weitere Schule, für die eine Aufstockung auf mehr als eine Vollzeitstelle beantragt wurde«. Da es bisher nur vergleichbare Aufstockungen bei Regelschulen nicht aber bei Förderzentren gebe, »kann die Wahrscheinlichkeit auf Gewährung einer staatlichen Förderung nur schwer eingeschätzt werden«, merkte Walch an. vew

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