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Mehr Geld und Anerkennung für Altenpflege

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Traunreut. Über die Situation in der Altenpflege haben Branchenvertreter aus dem Landkreis Traunstein mit Marianne Penn, der Bezirkstagskandidatin der Grünen, diskutiert. Das Fazit ist nicht neu: Die Altenpflege braucht mehr Geld und Anerkennung, um für die wachsende Zahl Pflegebedürftiger eine angemessene Versorgung gewährleisten zu können.


Penn betonte: »Wir dürfen an den Menschen in den Wohnheimen nicht sparen! Wie wir mit ihnen umgehen, macht den Wert unserer Gesellschaft aus. Pflegeberufe brauchen mehr Anerkennung und eine bessere Entlohnung.« Besonders deutlich stellte Kurt Schmoll, Leiter des Seniorenzentrums Wartberghöhe in Traunstein und Fachbereichsleiter Seniorenhilfe der Diakonie, die Situation dar. Er erläuterte, dass der Pflegeschlüssel für die einzelnen Pflegestufen seit Einführung vor 20 Jahren nicht verändert worden sei. Gleichzeitig sei jedoch die Zahl der dementiell Erkrankten und schwer Pflegebedürftigen stetig angewachsen. Der gestiegene Aufwand aufgrund des erhöhten Durchschnittsalters in den Heimen werde nicht berücksichtigt.

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»Wir haben nicht, wie immer gesagt wird, einen drohenden Pflegenotstand, wir sind bereits mittendrin im Notstand.« Wenn jetzt nicht die Weichen gestellt würden, könnten alte Menschen nicht mehr menschenwürdig versorgt werden. Schmoll prangerte die »Arbeit nach der Stoppuhr« an und forderte, mehr Geld in die Ausbildung neuer Fachkräfte zu stecken. Robert Jekel, Leiter des Traunreuter AWO-Seniorenzentrums, forderte, in die Lage versetzt zu werden, wettbewerbsfähige Löhne zu bezahlen. »Gute Pflege kostet nun mal gutes Geld.« Bisher gab es in Traunreut nur das AWO-Heim, im November macht das »Pur Vital« an der Stifterstraße auf. Er sieht darin keine Konkurrenz, sondern eine Bereicherung.

Erich Schindler ist der künftige Leiter des »Pur Vital«. Er meinte, die Pflegekräfte verdienten »gar nicht so schlecht«. Für ihn sei wichtiger, ein angemessenes Arbeitsumfeld zu schaffen. »Der Faktor Zeit sollte mehr in den Vordergrund gestellt werden«. Es könne nicht sein, dass Pflegekräfte ständig in Eile sind und nicht wirklich Zeit haben für den Einzelnen. Auch sieht er den Drei-Schicht-Betrieb als sehr kräfteraubend an. Er hält darum eine vorzeitige Rente für langjährige Pflegekräfte für sinnvoll.

Der Seniorenbeiratsvorsitzende der Stadt Trostberg, Carlo Boxhammer, zählte einige Dinge auf, für die sich der Seniorenbeirat stark macht und bei denen es vor allem um Mobilität im Alter und die Möglichkeit der Pflege zu Hause geht. »Es gibt noch großen Handlungsbedarf für ein seniorengerechtes Leben in unseren Kommunen«, meinte er.

Auf die Frage der Beschäftigung waren sich die Heimleiter einig, dass ein gutes Heim ausmache, ob individuell auf die Bedürfnisse der Bewohner eingegangen werde. Flexible Essenszeiten und die Beibehaltung lebenslanger Gewohnheiten spielten beispielsweise eine große Rolle. Biografiearbeit müsse da ernsthaft betrieben werden. Je nach Neigung würden in allen Häusern Aktivitäten angeboten.

Einig waren sich die Heimleiter aber auch, dass die Pflege zu Hause, im gewohnten Umfeld der Senioren, bei entsprechender Unterstützung auf jeden Fall eine gute Alternative zum Heim sei. Man müsse schon gut überlegen, was für den jeweils Betroffenen, aber auch für die pflegenden Angehörigen die beste Lösung ist. Man sollte sich auch nicht scheuen, in Heime zu gehen, sich alles anzuschauen und die Angebote zu vergleichen. mix