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Mehr Fehltage wegen Seelenleiden

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Mehr als jeder  fünfte Ausfalltag erfolgte aufgrund von  Muskel-Skelett-Erkrankungen. Rückenschmerzen und ähnliche rangierten damit auf Platz eins.

Der Krankenstand im Kreis Traunstein und Berchtesgadener Land ist 2016 gegen den Trend leicht gestiegen. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte zu.


Mit 3,4 Prozent gab es in der Region genauso viele Fehltage wie im Landesdurchschnitt. Laut DAK-Gesundheitsreport waren damit an jedem Tag des Jahres von 1000 Arbeitnehmern 34 krankgeschrieben. Der höchste Krankenstand in Bayern wurde mit 4,4 Prozent in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld verzeichnet, der niedrigste mit jeweils 2,7 Prozent in München und Starnberg.

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Die aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit für die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land zeigt die wichtigsten Veränderungen bei der Zahl und Dauer der Krankschreibungen im Vergleich zum Vorjahr. Mehr als jeder fünfte Ausfalltag erfolgte aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen. Rückenschmerzen und ähnliche rangierten damit auf Platz eins.

Rückgang bei Atemwegserkrankungen

Die Fehltage bei den psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände nahmen um 54 Prozent zu und belegten den zweiten Platz. Es gab knapp 15 Prozent mehr Fälle von Seelenleiden und die Betroffenen fielen zudem deutlich länger aus. Verletzungen und Vergiftungen verursachten elf Prozent mehr Fehltage – Platz drei in der Auflistung der wichtigsten Krankheitsarten. Einen Rückgang um rund 21 Prozent gab es dagegen bei den Atemwegserkrankungen wie beispielsweise Bronchitis. Damit lagen sie auf Platz vier.

»Wir informieren nicht nur regelmäßig über den Krankenstand in Traunstein und im Berchtesgadener Land, sondern schauen darüber hinaus auf wichtige Einflussfaktoren für Erkrankungen«, sagt Michael Schneider von der DAK-Gesundheit. Die DAK-Gesundheit untersucht in ihrem aktuellen Gesundheitsreport mit dem Schwerpunktthema »Schlafstörungen« auch, wie es um die nächtliche Erholung der Arbeitnehmer steht.

Für das Schwerpunktthema wertete das »IGES-Institut« die Fehlzeiten aller 367 000 erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Bayern aus. Es wurden zudem bundesweit mehr als 5000 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt und zahlreiche Experten eingebunden. Die Ergebnisse wurden mit einer DAK-Untersuchung aus dem Jahr 2010 verglichen. Ein Fazit: Rund 77 Prozent der Erwerbstätigen in Bayern berichten von Schlafproblemen.

Seit 2010 stieg der Anteil der von Ein- und Durchschlafproblemen betroffenen 35- bis 65-jährigen Arbeitnehmer um 57 Prozent an. Jeder 16. Arbeitnehmer im Freistaat leidet unter schweren Schlafstörungen mit Ein- und Durchschlafstörungen, schlechter Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung. Die Zahl der davon Betroffenen ist seit 2010 um 15 Prozent gestiegen.

Die DAK-Analyse für Bayern zeigt, dass sich dieser Trend auch bei den Krankmeldungen auswirkt. Die Fehltage aufgrund von Schlafstörungen verdoppelten sich seit 2005 auf jetzt 3,38 Tage je 100 Versicherte. Die große Mehrheit der Bayern versucht allein mit den Schlafproblemen zurechtzukommen und geht nicht zum Arzt. Lediglich fünf Prozent der Erwerbstätigen waren im vergangenen Jahr deswegen in einer Praxis. Selbst Erwerbstätige mit der schweren Schlafstörung Insomnie gehen meist nicht zum Arzt.

Ursache für Schlafprobleme sind laut DAK-Report unter anderem Arbeitsbedingungen. Wer zum Beispiel häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, steigert sein Risiko schwere Schlafstörungen zu entwickeln. Auch starker Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachtschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend gelten in diesem Zusammenhang als wichtige Risikofaktoren.

Viele Arbeitnehmer in Bayern sorgen aber auch selbst für einen schlechten Schlaf. Nach der Studie der DAK-Gesundheit schauen 83 Prozent der Erwerbstätigen vor dem Einschlafen Filme und Serien, 70 Prozent erledigen abends private Angelegenheiten an Laptop oder Smartphone. Jeder Zehnte im Freistaat kümmert sich noch um dienstliche Dinge wie E-Mails oder die Planung des nächsten Arbeitstags. »Viele Menschen haben nachts das Smartphone an der Steckdose, können aber ihre eigenen Akkus nicht mehr aufladen«, so Schneider. fb