weather-image
22°

Mehr Blühflächen in die Landschaft bringen

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Neue, blütenreiche Wiesen, wie am nördlichen Ortsrand von Traunwalchen, sollen jetzt durch das Projekt »Traunreut brummt« geschaffen werden. Im Beisein von Bürgermeister Klaus Ritter (links) und dem Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Traunstein, Carsten Vogt, wurde das Projekt vorgestellt. Mit dabei waren auch die »Blattläuse« des Traunwalchner Gartenbauvereins: Mia (von links), Frieda und Sahra. (Foto: Rasch)

Traunreut – Natur und Stadt müssen keine Gegensätze sein. Siedlungsgebiete können sogar eine große Vielfalt an Tieren und Pflanzen beherbergen. Diese Erkenntnis will die Artenschutzkampagne »Bayerns UrEinwohner« des Deutschen Verbands für Landschaftspflege (DVL) Bürgern, Kommunalpolitikern und der Wirtschaft näher bringen. Die Stadt Traunreut ist eine von neun Modellkommunen in Bayern, die Nischen und Rückzugsräume für wildlebende, heimische Tier- und Pflanzenarten schaffen will. An einer neu gestalteten Ausgleichsfläche im neuen Wohngebiet »Frauenbrunn II« in Traunwalchen hat der Landschaftspflegeverband Traunstein gemeinsam mit dem DVL das Projekt »Traunreut brummt« vorgestellt.


Starker Rückgang von Insekten zu beobachten

Anzeige

Motivation für das Projekt ist vor allem der in letzter Zeit zu beobachtende starke Rückgang von Insekten, der drastische Folgen für die Nahrungskette sowie die Blütenbestäubung und damit auch für den Menschen hat. Am Beispiel innerörtlicher Freiflächen sollen daher Möglichkeiten für eine insektenfreundliche und abwechslungsreiche Gestaltung unseres Wohn- und Arbeitsumfeldes aufgezeigt werden. »Wir wollen wieder mehr Blühflächen in die Landschaft bringen«, sagte der Geschäftsführer des LPV Traunstein, Carsten Vogt. Ziel sei es, blütenreiche Säume und Wiesen, wie sie vielerorts verschwunden seien, neu zu schaffen.

Mit Unterstützung von Projektteilnehmern legt der LPV auf Freiflächen von Betrieben und Wohnblöcken einzelne Blumenwiesen, Blumenrasen oder blühende Säume an, um Vorbilder für weitere derartige Gestaltungen zu schaffen. Leitart für das Projekt ist die Steinhummel. Die Tiere sind durch ihre schwarzen Färbungen mit rotbraunem Hinterleib leicht zu erkennen und bevölkern auch städtische Freiflächen. Neben einem besseren Nahrungsangebot durch mehr Blühflächen sollen im Rahmen des Projektes auch Nisthilfen für die Steinhummel aufgestellt werden. Die Nistkästen sollen in der Schreinerei der Lebenshilfewerkstätten hergestellt werden.

»Indem wir mehr Freiflächen naturnah gestalten, können wir Wildkräuter und Insekten fördern und so mehr Natur in der Stadt zulassen«, betonte Andrea Vetter vom LPV. Bienen, Hummeln und andere wildlebende Insekten seien immens wichtig für die Bestäubung vieler Kulturpflanzen und als Nahrung für die Vögel und Fledermäuse.

Brücken bauen zwischen Mensch und Natur habe große Vorteile, sagte Traunreuts Bürgermeister Klaus Ritter. Die Aktion habe aber auch den Vorteil, »dass wir nicht mehr so viel mähen müssen«. Ritter stellte auch heraus, dass Stadtgärtner Robert Kratzer auf den städtischen Freiflächen und Ausgleichsflächen am Stadtrand seit Jahren für die Entwicklung blütenreicher Wiesen- und Rasenfläche sorge und die Stadt mittlerweile über eine 28 Hektar große Ökoausgleichsfläche verfüge.

An die Projektteilnehmer gerichtet sagte er: »Ich finde es super, dass so viele mitmachen wollen.« Neben der Stadt Traunreut nehmen bisher die BSH Hausgeräte GmbH, die Immobilien- und Hausverwaltung der Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut eG, die Chiemgau Lebenshilfe Werkstätten sowie Imker-, Gartenbau- und Kleingartenvereine, die Eigenheimer Traunreut und die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz an dem Projekt teil. Sie alle setzen sich für mehr Blütenreichtum ein und begrüßen das Projekt, das »hoffentlich auch Schule macht«, sagte Luise Mitterreiter vom Bienenzuchtverein Nußdorf-Traunwalchen. ga