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Mehr als Gäste- und Übernachtungszahlen

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Traumhafte Landschaften wie hier den Hochfelln-Gipfel bietet der Chiemgau jede Menge. Das allein reicht aber nicht für den Tourismus. Der Chiemgau-Tourismus setzt daher auf die Verbesserung der Qualität. (Foto: Tourist-Information Bergen/Tanja Girardini)

»Erst muss die Infrastruktur stimmen, dann müssen wir unser Angebot in die Köpfe der Leute bringen«, sagt Stephan Semmelmayr. Der Geschäftsführer des Chiemgau-Tourismus-Verbands hat eine andere Herangehensweise als manch anderer Vertreter seiner Zunft: »Natürlich müssen wir Gästeankünfte und Übernachtungszahlen im Blick haben. Aber das allein reicht nicht.« So seien 8,8 Prozent mehr Gästeankünfte und 3,9 Prozent mehr Übernachtungen im Januar und Februar im Vergleich zu den Vorjahresmonaten eine schöne Sache. »Aber diese Steigerung war auch notwendig, denn wir hatten ein schlechtes Vorjahr.«


Größter Einzelwirtschaftsfaktor

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Wichtiger, so Semmelmayr, sei die Qualität. »Natürlich könnten wir die Übernachtungszahlen durch Billig-Angebote ruck zuck steigern. Aber so etwas funktioniert nicht auf Dauer.« Sich zu billig zu verkaufen, das bringe nichts. »Wir arbeiten lieber an einer vernünftigen Qualität, um vernünftige Preise verlangen zu können.« Immerhin habe der Tourismussektor im vergangenen Jahr 500 Millionen Umsatz gemacht – »das ist der größte Einzelwirtschaftsfaktor im Landkreis Traunstein«. Und mit seinen 10 000 Arbeitsplätzen sei der Tourismus auch als Arbeitgeber nicht zu unterschätzen. 150 Millionen Euro Umsatz wurden allein mit Tagesgästen aus der Region erwirtschaftet, etwa aus Altötting, Mühldorf, Passau, aber auch Salzburg und Oberösterreich. »Ich kenne Leute aus Salzburg, die gehen jetzt eben nicht mehr in das Salzburger Szene-Lokal, die kommen nach Übersee an die Beach-Bar. Und die lassen ja auch Geld da.« Dabei sei das Thema Chiemsee von zentraler Bedeutung für die Vermarktung, so Semmelmayr mit Blick auf die geplante Fusion mit dem Chiemsee-Tourismus-Verband. »Da sind die beiden Landräte in Kontakt, da haben wir jetzt zwei, die das wollen, und die das können.«

Eine gute Infrastruktur brauche man aber auch bei Übernachtungsmöglichkeiten. Insofern sei die Gründung des Vereins privater Gastgeber eine folgerichtige Konsequenz aus dem Rückgang privater Vermieter gewesen. »Die hatten ja bisher keinerlei Interessensvertretung, noch nicht einmal einen Sitz im Marketingbeirat«, so Semmelmayr. Mit seinen 100 Mitgliedern stehe dieser Verein für gute Qualität und guten Service der Betriebe.

Auf den Trend zu Kurzurlauben einstellen

Den Trend zu Kurzurlauben könne man nicht ändern, man könne sich nur darauf einstellen. »Früher kam halt der Gast von Samstag bis Samstag, da kam die Putzfrau auch am Samstag. Heute kommt der Gast vielleicht von Donnerstag bis Sonntag, da muss ich mich als Vermieter eben danach richten.«

Aber auch spezielle Zielgruppen müssten angesprochen werden. Zum Beispiel wolle der Winter-Arbeitskreis den Chiemgau zur Top-Langlauf-Destination entwickeln. »So will ich vom Gast wahrgenommen werden«, sagt Semmelmayr. Aber bis dahin sei noch einiges zu tun. »Wenn ich dem Gast das verspreche, muss auch die Qualität und das Angebot stimmen. Im besten Fall ist der Vermieter selbst Langläufer und kann Tipps geben zu tollen Strecken oder dem passenden Wachs.« Auch wolle man die Gemeinden ermutigen, mehr Loipen zu spuren und zu pflegen, »das refinanziert sich ja«. Ein anderes Thema sei der Radtourismus. Am 9. Mai wird die Radsaison offiziell mit geladenen Gästen eröffnet. Gleichzeitig wird der Abschluss des eineinhalbjährigen Projekts gefeiert: Alle Kommunen, der Landkreis und der Chiemgau Tourismus haben 1400 Kilometer Radwege einheitlich beschildert. »Damit verfügen wir nun über eines der dichtesten Radwegenetze bundesweit und 20 beschilderte Erlebnistouren«, so Semmelmayr. Marketing-Leiter Jens Hornung rechnet damit, dass die Prüfkommission für die Zertifizierung die Tour eventuell im September/Oktober »abradeln« kann. »Von dem Radwegenetz und der Beschilderung haben ja auch die Einheimischen was«, so Hornung.

Premium-Weitwanderweg und Chiemgauer Alm-Festival

Weitere geplante Veranstaltungen sind die Outdoor- und Boots-Test-Veranstaltung GlobeBoot Ende April am Strandbad Übersee, die Eröffnung des Salzalpensteigs am 21. Mai – er ist der erste grenzüberschreitende Premium-Wanderweg. Auf 230 Kilometer, die in 18 Etappen unterteilt sind, führt er vom Chiemsee über den Königssee bis zum Hallstätter See. Neben dem Weitwanderweg entstanden auch 25 Rundwege. Und Ende Juni startet wieder das Chiemgauer Alm-Festival – an drei Wochenenden gibt es jeweils von Freitag bis Sonntag auf einer anderen Alm ein Konzert von echter heimischer Volksmusik über Jazz bis zu Rockmusik. coho