Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel

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Sie diskutierten über den Fachkräftemangel in der Region (von links): Burkhard Riering (Chefredakteur Deutsche Handwerks Zeitung), Jutta Müller (Vorsitzende der Geschäftsführung Agentur für Arbeit), Gerd Maas (Die Familienunternehmer – ASU e.V.), Irene Wagner (IHK-Vorsitzende Berchtesgadener Land), Erwin Schneider (Landrat im Landkreis Altötting) und Georg Senftl (Geschäftsleitung Visco Tec). (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Verstärkt klagen nahezu alle Bereiche der Wirtschaft in Deutschland über einen zunehmenden Schwund an Fachkräften. Der Rückgang zieht sich praktisch über sämtliche Bereiche der Arbeitswelt und trifft Handwerk, Handel und Industrie fast gleichermaßen. Auch die Region Südostoberbayern ist davon betroffen. Bei einer Podiumsdiskussion in der Agentur für Arbeit Traunstein ging es unter dem Titel »Fachkräftegipfel 2015« um dieses Thema.


»Wir wollen die Attraktivität der Region herausstellen«

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»Wir wollen die Attraktivität der Region herausstellen«, sagte Jutta Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit. Es gelte, gerade auch jungen Menschen die regionalen Möglichkeiten aufzuzeigen und Fachkräfte langfristig in der Region zu binden. In seinem Impulsreferat betonte Burkhard Riering, Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung, dass man die Folgen des demographischen Wandels in der Vergangenheit nicht ernst genug genommen habe. Außerdem kritisierte er die Rente mit 63, würden doch gerade diese älteren Arbeitnehmer als »Speerspitze der Erfahrung« gebraucht.

Gerd Maas, Vorsitzender des Regionalkreises Südostbayern, moderierte die Diskussion. Dabei berichtete Irene Wagner, Geschäftsführerin der PSM Protech in Marktschellenberg und IHK-Vorsitzende im Berchtesgadener Land, von positiven Erfahrungen mit den Auszubildenden in ihrem Betrieb. Dem Fachkräftemangel entgegenwirkend forderte sie, junge Flüchtlinge möglichst schnell in Schulen zu integrieren und diese in Ausbildung zu bringen. Auch im Falle abgelehnter Asylanträge müsste den jungen Menschen ermöglicht werden, ihre bereits begonnene Ausbildung fertigzumachen und mindestens zwei Jahre im Anschluss arbeiten zu dürfen. Arbeitsplätze für ältere Fachkräfte müssten attraktiver gestaltet werden. Für das Berchtesgadener Land kritisierte sie die Fokussierung kommunalpolitischer Maßnahmen auf den Bereich »Tourismus«.

Altöttings Landrat Erwin Schneider, der zugleich Vorsitzender des Planungsverbands der Region 18 ist, brach eine Lanze für die Qualität der diversen Schulen in der Region und sah gerade auch die Eltern wieder mehr in der Pflicht, junge Menschen in eine Ausbildungsreife zu bringen. Gleichzeitig betonte er, dass seiner persönlichen Überzeugung nach die Ausbildung »nicht schon im Kindergarten beginnen soll.« Das bisher nur auf den Tourismus betriebene Marketing müsse in der Region auch in ein Standortmarketing für Arbeitnehmer ausgeweitet werden.

Asylrecht kein Arbeitsmarktinstrument

Klaus Steiner, Mitglied des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag, ging auf Probleme im Bildungswesen ein: »Hier läuft vieles verkehrt« so der Landtagsabgeordnete, der darauf hinwies, dass das bayerische Bildungswesen aber durch seine Durchlässigkeit vielen nach ihren Möglichkeiten und Begabungen gute Chancen biete. In der schulischen Entwicklung würden Eltern oft einen zu großen Druck aufbauen, die Fixierung auf das Gymnasium sei zu groß. Andererseits würden Kinder oft in die Schule kommen, denen die »soziale Grundausbildung fehlt.«

Zum Thema Zuwanderung betonte er, dass das Asylrecht kein Instrument für die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt sei.

Josef Daxenberger aus Seeon machte zum Fachkräftemangel deutlich, dass es in Zukunft voraussichtlich nicht mehr darum gehe, ob für die Firmen Aufträge vorhanden seien, sondern ob die Firmen über Mitarbeiter verfügten. Für die Handwerksbetriebe sei die Mittelschule von hoher Bedeutung: »Sie ist unsere Lebensversicherung« sagte der Schreinermeister. Dr. Bodo Sperling aus Schleching regte an, dass junge Leute zwischen Schule und Studium ein »Gap-Year« (Englisch, übersetzt »Lückenjahr«) nutzen sollten.

Der Mensch steht im Vordergrund

Viele Ideen hatten die Podiumsteilnehmer parat, um dem Fachkräftemangel in der Zukunft entgegenzuwirken. Diese gingen von einer verstärkten Vernetzung und Zusammenarbeit über das »Herunterstutzen des Akademisierungswahns« (Burkhard Riering) über eine Perspektive für junge Flüchtlinge bis hin zu der Erkenntnis, im jeweiligen Mitarbeiter nicht nur die Arbeitskraft und seine ausgewiesenen Befähigungen zu sehen, sondern »auch den Mensch dahinter anzuschauen«, wie es Unternehmer Georg Senftl zum Ende der zweistündigen Veranstaltung ausdrückte. awi

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