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Marwanger Trinkwasser: Bürger bleiben skeptisch

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Bürgerin Agathe Heigermoser (stehend) geht nach wie vor davon aus, dass der jahrelange Genuss des Marwanger Trinkwassers in ihrer Familie und Nachbarschaft schwere gesundheitliche Probleme hervorgerufen habe. Da konnten sie auch die in der Schlossökonomie geladenen Experten mit Helmut Fuchs vom Gesundheitsamt (von links), Bürgermeister Georg Schützinger, Gutachter Dr. Timm Busse und Wassermeister Bernhard Rathspieler nicht vom Gegenteil überzeugen. (Foto: Müller)

Grabenstätt. Reichlich Diskussionsstoff gab es jüngst auf einer öffentlichen Info-Veranstaltung zur gemeindlichen Wasserversorgung und Trinkwasserqualität in Marwang. Die Gemeinde hatte eigens Fachleute in die Schlossökonomie eingeladen, um den besorgten Bürgern Informationen aus erster Hand zukommen zu lassen. Dieses Vorgehen hatte sich vor einigen Monaten bereits bei der Radon-Problematik im alten Pfarrkindergarten bewährt.


Über zweieinhalb Stunden standen Gutachter Dr. Timm Busse, Dr. Maria Elisabeth Haindl und Helmut Fuchs vom Gesundheitsamt, Bürgermeister Georg Schützinger und der gemeindliche Wassermeister Bernhard Rathspieler den Marwanger Bürgern Rede und Antwort. Dabei wurde deutlich, dass einige von ihnen nach wie vor bezweifeln, dass der Genuss ihres Trinkwassers aus dem »Brunnen Eggerhauser Holz« völlig unbedenklich ist.

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Und das, obwohl die Mitte Juli im Gemeindeanzeiger veröffentlichen Ergebnisse einer von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Untersuchung gezeigt haben, dass das Trinkwasser allen Anforderungen der Trinkwasserverordnung entspreche, und zwar sowohl in chemischer als auch in mikrobiologischer Hinsicht.

Zu diesem Zweck waren nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt am 13. April an zwei unterschiedlichen Stellen bzw. Bezieher-Haushalten in Marwang zu verschiedenen Zeiten Wasserentnahmen vorgenommen worden, die dann in einem Labor von Dr. Busse untersucht wurden.

Man stellte dabei fest, dass das Trinkwasser im Verteilungsnetz und in der Trinkwasserinstallation keine negativen Veränderungen erfahre. Zudem seien die Ergebnisse der beiden im Netz entnommenen Proben bis auf geringe Unterschiede bei den Parametern Eisen, Kupfer, Basekapazität bis zum pH-Wert 8,2 und Calcitlösekapazität identisch. Am 12. August folgte zur Ergänzung des Gutachtens eine Probeentnahme am Brunnen »Eggerhauser Holz«.

In der Veranstaltung wurde klar, dass einige beunruhigte Bürger befürchten, dass ihr Trinkwasser durch verzinkte Stahl-Rohrleitungen fließe und dadurch gefährdet sei. Wegen des bekannten Chemismus des gemeindlichen Trinkwassers darf verzinkter Stahl aufgrund der Korrosionsgefahr nicht mehr eingesetzt werden. Beim Bau der vor 2000 erbauten Häuser sei dies aber noch die Regel gewesen, hieß es. Die Gemeinde könne nicht 196 Anschlüsse kontrollieren, das müssten die Hausbesitzer selber tun, beantwortete Schützinger eine Wortmeldung von Sepp Austermayer. Wenn das in der Trinkwasserverordnung geregelte Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht durch zu viel Kohlendioxid gestört sei, könne die schützende Kalkdeckschicht in den Rohren Schaden nehmen, bestätigte Gutachter Dr. Busse.

Beim Nitratgehalt konstatierte der Experte eine »abnehmende Tendenz«. In Marwang habe der vor Jahren höchste gemessene Nitratwert 30 Milligramm pro Liter betragen, dies sei vergleichsweise hoch, aber noch weit unter dem, laut EU-Trinkwasserrichtlinie, geltenden Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Insbesondere in Teilen des nördlichen Landkreises gebe es Gemeinden bzw. Wasserversorgungen mit noch höheren Nitratwerten, während die Werte an und in den Bergen deutlich geringer seien, so Fuchs. Busse zufolge liege aufgrund des zurückgehenden Nitratgehalts im Marwanger Trinkwasser auch keine Korrosion mehr vor.

Da einige Bürger übermäßiges Düngen als mögliche Ursache für die lange Zeit erheblich erhöhten Nitratwerte ausmachten, befürchtete Nebenerwerbslandwirt Reinhard Meisinger, dass nun alle umliegenden Landwirte als Sündenböcke für alles herhalten müssten. Wie Fuchs erläuterte, sei man gerade dabei, beim »Brunnen Eggerhauser Holz«, der in einem Waldstück liege, ein Quellschutzgebiet auszuweisen. Das Einzugsgebiet des Brunnens sei aber natürlich viel größer.

Mehrmals zu Wort meldete sich Agathe Heigermoser, die ihre gesundheitlichen Probleme und jene ihres Sohnes und ihrer Nachbarn auf das Trinkwasser zurückführte, obwohl bei ihr Edelstahlrohre verlegt seien. Dr. Haindl erwiderte, dass die von Heigermoser aufgeführten Krankheits- und Todesfälle die unterschiedlichsten Gründe haben könnten und belegte anhand von Zahlen, dass es für die Gemeinde Grabenstätt keine statistischen Auffälligkeiten gebe. Die von Heigermoser angesprochene Möglichkeit der Vermischung des Trinkwassers aus dem »Brunnen Eggerhauser Holz« und der Steinweiherquelle, aus der Grabenstätt versorgt wird, sei nicht sinnvoll, so Busse, da die Wassereigenschaften zu ähnlich seien.

Andrea Weiß zeigte sich darüber besorgt, dass die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Parametern nicht umfassend geklärt seien. Im Rahmen solcher Untersuchungen gehe es grundsätzlich nur um Grenzwerte für bestimmte Stoffe, gab Busse zu bedenken und betonte, dass man das Wasser auf 50 bis 60 Schadstoffe untersucht habe. Trinkwasser sei im Übrigen das »Best-untersuchteste Lebensmittel«, merkte Dr. Haindl an. Aber es sei eben auch lebendig, deswegen sollte man auch abgestandenes Wasser aufgrund der natürlichen Keimbildung nicht mehr trinken, so die Experten.

Als Träger der gemeindlichen Wasserversorgung »ist es uns wichtig, bestmögliches Trinkwasser bereitzustellen«, stellte Rathauschef Schützinger klar und schob hinterher: »Wir können nicht alles untersuchen, tun aber, was geht« und was nach den rechtlichen Vorgaben gefordert sei. Die heutigen Anregungen werde man aufnehmen. mmü