weather-image
19°

Marwanger Bürger sorgen sich um ihr Trinkwasser

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Brunnen Eggerhauser Holz. Der Ortsteil Marwang wird von hier aus mit Trinkwasser versorgt. Die Bürger zweifeln nach wie vor dessen Qualität an. (Foto: Müller)

Grabenstätt. Dem fast eineinhalbstündigen Jahresbericht von Bürgermeister Georg Schützinger folgte bei der Bürgerversammlung im Gasthaus Grabenstätter Hof eine ebenso lange Diskussion mit vielen Wortmeldungen. In einer schriftlichen Anfrage wurde eingangs gefordert, den Allee-Charakter der Kreisstraße TS 3 zwischen Grabenstätt und Winkl zu erhalten, die Lücken mit neuen Bäumen zu schließen und einen Obstbaumweg zu konzipieren.


An Kreisstraßen soll nichts mehr gepflanzt werden

Anzeige

Das Landratsamt habe darauf hingewiesen, so Schützinger, dass an Kreisstraßen »nichts mehr gepflanzt werden soll«. Im Hinblick auf den Obstbaumweg werde er den Gartenbauverein kontaktieren.

Gerd Körnig beschwerte sich, dass das Verkehrsaufkommen an der Kreisstraße TS 3 zwischen Grabenstätt und Erlstätt »dramatisch zugenommen« habe und forderte im Bereich von Marwang eine Begrenzung auf 60 km/h und Radarkontrollen. Die derzeit geltenden 70 km/h seien bereits ein Kompromiss, so Schützinger.

Sepp Austermayer sprach das strittige Thema Trinkwasser in Marwang an. Er forderte monatliche Messungen und Information über die erhöhten Nitratwerte. Seiner Meinung nach werde es in Marwang »schon bei 18/19 Milligramm Nitrat pro Liter problematisch«. Es sei schon verwunderlich, warum im Vorfeld der Infoveranstaltung 17 und zuletzt wieder rund 25 Milligramm Nitrat gemessen wurden. Er könne auch nicht verstehen, warum sich die Ausweisung des Quellschutzgebietes schon seit über zehn Jahren hinziehe.

Wenn der Gemeinderat es so beschließt, werde man die Messungen fortführen, versprach Schützinger und verwies darauf, dass der Gesetzgeber für Trinkwasser einen Grenzwert von maximal 50 Milligramm Nitrat pro Liter festgelegt habe. Experten hätten bei der Infoveranstaltung im September gesagt, dass der Genuss des Wassers unbedenklich sei. Mittlerweile sind die Nitratwerte allerdings wieder angestiegen – diese letzte Untersuchung wurde aber nicht von der Gemeinde in Auftrag gegeben. »Wir werden schauen, dass wir das Quellschutzgebiet bis Ende 2014 hinkriegen«, betonte Schützinger.

»Das Marwanger Wasser ist wunderbar«, solange es nicht mit verzinkten Werkstoffen in Kontakt komme, betonte Hubert Hafner. Chemikerin Kerstin Hafner erläuterte, der hohe Kohlensäuregehalt baue die schützende Kalkschicht in den alten verzinkten Stahlrohren ab oder lasse sie gar nicht entstehen. Das Nitrat löse dann das Zink aus der Legierung heraus. Die gelösten Schwermetalle seien höchst gesundheitsgefährdend.

Agathe Heigermoser, die die gesundheitlichen Probleme in ihrer Familie auf das Trinkwasser zurückführt, forderte, dass Kohlensäure, Nitrat und Zinkgeriesel regelmäßig gemessen und unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen veröffentlicht werden müssten. Zudem sollte das Wasser aus dem »Brunnen Eggerhauser Holz« mit jenem aus der Steinweiherquelle, aus dem Grabenstätt sein Wasser bezieht, gemischt werden. An die Landwirtschaft appellierte sie, »weniger und bedarfsgerechter zu düngen«. Man werde mit Gutachter Timm Busse reden, versprach Schützinger und stellte klar: »Es gibt keinen Mischbarkeitsvorschlag«.

Die Umgehungsstraße (Staatsstraße 2096 Chieming – Grabenstätt – Autobahn) mit Kindern zu überqueren sei lebensgefährlich, warnte Norbert Lohwieser. Man müsse sie dringend entschärfen. Viel zu schnell gefahren werde auch in der Ortsmitte, wo es südlich der Pfarrkirche schwierig sei, die Kreisstraße TS 3 sicher zu passieren, um beispielsweise zum Kindergarten oder zur Schule zu gelangen.

Man spreche die Problematik bei Verkehrsschauen immer an, es gebe aber nichts Neues zu berichten, so Schützinger. Kurt Luft beschwerte sich über den schlechten Zustand des Gehwegs vom Pfarrheim zum Kreisaltenheim und über die Dauerparker am Kriegerdenkmal. Schützinger zufolge müsse man an deren Vernunft appellieren.

Peter Speckbacher mahnte an, dass die vor 50 Jahren gebaute Eichbergstraße dringend sanierungsbedürftig sei. Man stelle jedes Jahr 50 000 Euro für den Unterhalt der Gemeindestraßen zur Verfügung und werde schauen, was 2014 möglich sei, so Schützinger.

»Naturschutz sperrt Bürger vom See aus«

Norbert Lohwieser, Mitinitiator der »Interessengemeinschaft Hirschauer Bucht«, echauffierte sich darüber, dass Grabenstätt als einzige Chiemsee-Gemeinde keinen richtigen Zugang zum See habe: »Die Kontrolle hat der Naturschutz und wir bleiben ausgesperrt«. Alle Bürger seien aufgerufen, sich dem Thema und der Müll- und Verlandungsproblematik in der Hirschauer Bucht anzunehmen.

»Man ist auf einem guten Weg, es kommt Bewegung rein«, betonte Schützinger und verwies unter anderem auf einen »Runden Tisch« am 18. Dezember unter Federführung des Wasserwirtschaftsamtes. Man werde die Anregungen im Gemeinderat aufnehmen und Abhilfe schaffen, wo es nötig sei, so Zweiter Bürgermeister Robert Muggenhamer. mmü

Mehr aus der Stadt Traunstein