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Martin Braxenthaler gestaltet Mitmachparcours

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Martin Braxenthaler (links) und der Leiter des Heimathauses, Jürgen Eminger, haben für die Kulturtage einen Mitmachparcours konzipiert. (Foto: Mittermaier)

Traunstein. »Miteinander« lautet das an sich schlichte Motto der Oberbayerischen Kulturtage. Wie schwierig sich dieses Miteinander, im Fachjargon »Inklusion« genannt, für Menschen mit körperlicher Einschränkung gestalten kann, zeigt während der Kulturtage eine Mitmach-Ausstellung im Traunsteiner Heimathaus. Sie ist ab kommendem Samstag bis zum 19. Juli täglich von 13 bis 18 Uhr geöffnet.


Anhand eines Blinden- und Rollstuhlparcours können die Besucher mit Hilfe von Simulatoren am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, wenn man nur noch über wenige Prozent Sehvermögen verfügt oder sich mit einem mobilen Hilfsmittel fortbewegen muss, weil die eigenen Beine dazu nicht mehr in der Lage sind.

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Ideengeber und Mitinitiator des Mitmachparcours ist der vielfache Goldmedaillengewinner bei den Paralympics, Martin Braxenthaler, der seit einem schweren Unfall querschnittsgelähmt ist. Unterstützt wird er von den zwei Traunsteiner Firmen Pohlig und Wimmer & Blain, die aus ihrem Fundus historische Hilfsmittel, angefangen von Rollstühlen anno dazumal und alte Brillen sowie auch die Simulatoren zur Verfügung stellen.

Thema Behinderung kann jeden jederzeit treffen

Menschen ohne Behinderung machen sich oft keine Vorstellung davon, welche Hindernisse sich plötzlich auftürmen, wenn man unter einer körperlichen Einschränkung leidet. Was man dabei gerne vergisst: Das Thema Behinderung kann jeden jederzeit treffen, und es muss nicht immer gleich so schwerwiegend sein wie im Fall des Paralympicssiegers. Auch die körperlichen Abstriche, die der Mensch machen muss, wenn er älter wird, können den Alltag auf vielfältige Weise einschränken und damit auch die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Diese Schwierigkeiten aufzuzeigen und die Menschen gleichzeitig für das Aufeinanderzugehen zu sensibilisieren, ist Braxenthaler ein großes Anliegen. Dass diese Hindernisse oft schon an der Haus- oder Eingangstüre beginnen, zeigt sich am Heimathaus selbst: Bis jetzt konnten Menschen mit Rollstuhl oder Rollator die Ausstellungsräume im Erdgeschoß nur mit fremder Hilfe erreichen, weil zwei Stufen zu überwinden sind. Rechtzeitig zur Eröffnung der Kulturtage ist diese Barriere aber endgültig passé, denn ab dann sorgt eine Rampe dafür, dass die Ausstellungen barrierefrei sind.

Das Problem, mit dem Rollstuhlfahrer, aber auch Fußgänger konfrontiert sind, wenn sie das Heimathaus verlassen, bleibt dagegen weiter bestehen: Die Rede ist vom Pflasterbelag auf und rund um den Traunsteiner Stadtplatz. Was vor rund zehn Jahren als zusätzliche Aufwertung des Stadtkerns gedacht war, hat sich zu einem gefährlichen Stolperstein entwickelt, und das im wahrsten Sinn des Wortes: Denn der Belag aus Kopfsteinen weist inzwischen nicht nur große Höhenunterschiede auf, es bilden sich auch unaufhörlich gefährliche Ritzen, wobei etliche der Steine auch ganz locker sind.

»Halsbrecherischer« Pflasterbelag am Stadtplatz

»Auf so einem Untergrund mit dem Rollstuhl fahren zu müssen, ist wirklich halsbrecherisch,« schildert Martin Braxenthaler die Gefahren, denen er sich rund um den Stadtplatz hilflos ausgesetzt fühlt. Der ehemalige Leistungssportler zeigt sich enttäuscht, dass die Stadt ihre Rolle als Mitgastgeber der Kulturtage nicht dazu nutzt, das Leitmotiv »Inklusion« nicht nur innerhalb der Ausstellung, sondern ganz praktisch und dauerhaft auch im Alltag umzusetzen.

Das wäre nicht nur ein notwendiger Schritt in der Gleichberechtigung Benachteiligter, sondern für den Rollstuhlfahrer persönlich auch eine große Beruhigung. »Es sollte wirklich nicht erst jemand schwer zu Schaden kommen müssen, ehe in dem Punkt etwas unternommen wird.«

Vielleicht wirken die Kulturtage und die Ausstellung im Heimathaus ja nicht nur für die Besucher, sondern auch für die Veranstalter als Katalysator, damit Martin Braxenthaler und alle anderen körperlich eingeschränkten Menschen über den Stadtplatz fahren können ohne Angst im Hinterkopf, hier womöglich zu Schaden zu kommen. mim

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