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Marquartstein soll Lesedorf werden

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Marquartstein. Marquartstein möchte sich unter dem Begriff »Lesedorf« auf dem touristischen Markt positionieren und sein Profil gestalten. Wolfgang Grubwinkler, Geschäftsführer der von der Gemeinde beauftragten Coaching AG »Identität und Image«, stellte dem Gemeinderat das Konzept vor, das bisher in der Arbeitsgruppe »Lesedorf« erarbeitet wurde.


Das künftige Lesedorf ist ein Baustein im Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept, das die Gemeinde unter der Mitarbeit von Bürgern in einer »Zukunftswerkstatt« und Workshops erarbeitet hat und das im Leitbild der Gemeinde festgehalten ist. Inzwischen wurde bereits der Begriff »Lesedorf Marquartstein« beim Patentamt angemeldet.

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Der Arbeitsgruppe gehören neben Bürgermeister Andreas Dögerl und Verwaltungsleiter Florian Stephan auch Peter Aigner vom Märchenpark an: Christian Auer vom Pädagogischen Zentrum Niedernfels, Johannes Drechsler von der Grundschule, Ingrid Gut und Stefanie Kümper von der Gemeindebücherei, Astrid Kohl und Robert Bäumler von der Chiemgau-Klinik, Tobias Mengedoht für die Marquartsteiner Interessengemeinschaft, Günther Miller von der Achental-Realschule, Petra Moritz vom Hotel Weßner Hof, der Autor Ralph Müller Wagner, Friederike Muttray vom Staatlichen Landschulheim, Susanne Pfliegl von der Tourist-Info und Michael Soergel von der evangelischen Kirche.

Aus mehreren Gründen für Lesedorf qualifiziert

Eine besondere Stärke des Ortes, die Marquartstein als Lesedorf qualifiziert, sei sein Standort mit vier Schulen und insgesamt rund 1700 Schülern – »mehr als Studenten in Tübingen«, so Grubwinkler. Außerdem sprechen dafür die aktive Gemeindebücherei und die Buchhandlung als »größter Frequenzbringer« im Ort.

Auch die Chiemgau-Klinik habe sich »voll mit dem Thema identifiziert«, sagte Grubwinkler und sei bereit, sich nicht nur für ihre Gäste als Lesestandort zum Beispiel mit Autorenlesungen zu positionieren. Angedacht sind unter anderem Lesungen an ungewöhnlichen Orten, auf Almen, an der Ache oder der Burg, Krimiwanderungen oder Lesemenüs in Cafés und Restaurants, öffentliche Bücherregale oder die Möblierung mit bequemen Sitzgelegenheiten zum Lesen in der Natur.

Abrunden würde das Ganze ein »Lesehotel« und könnte Marquartstein damit bundesweit und international bekannt machen, sagte Grubwinkler. »So gspinnert, wie das vielleicht klingt« sei das nicht, weil es in der Bundesrepublik bereits einige sehr erfolgreiche Lesehotels gebe. In Marquartstein habe sich bereits ein interessierter Betreiber eines Lesedorfs gemeldet, der aber wieder abgesprungen sei.

Konkret hat bis jetzt bereits das Projekt »Storytausch« zwischen dem Landschulheim, der Realschule und Niedernfels stattgefunden. Schüler, der siebten und achten Jahrgangsstufe schrieben im Fach Deutsch an einer Geschichte, die in Marquartstein spielt, jeweils ein Kapitel, das dann von Schülern einer anderen Schule weitergeschrieben wurde.

Projektseminar zu Sagen am Landschulheim

Außerdem beschäftigte sich ein Projektseminar am Landschulheim mit Sagen, die in Marquartstein spielen. Noch in diesem Jahr sollen die Ergebnisse dieser Schülerarbeiten öffentlich vorgestellt werden, kündigte Grubwinkler an. Geplant ist über fünf Wochen auch eine »literarische Einkaufstüte«, in der sich Teile einer solchen Geschichte befinden, die wochenweise ergänzt werde.

Auf die Kritik von Gemeinderat Roland Polleichtner, dass bisher noch nicht viel über das Vorhaben Lesedorf nach außen gedrungen sei, sagte Grubwinkler, dass »viel zerredet« werden könne, wenn man zu früh an die Öffentlichkeit gehe. Man habe absichtlich gewartet, bis man konkrete Ergebnisse vorlegen könne. »Es geht darum, dass sich die Leute mit dem Lesedorf identifizieren und gerne daran arbeiten«, sagte Bürgermeister Andreas Dögerl. Bisher seien schon viele gute Vorschläge aus der Arbeitsgruppe gekommen. Besonders gut sei das Projekt für die Vernetzung der Schulen.

Anke Entfellner-Häusler schlug vor, eine öffentliche Veranstaltung zu machen, um das Lesedorf zu präsentieren, und Hans-Peter Butz hielt Mundpropaganda für besonders wichtig. gi

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