weather-image

Markt trägt Kindergartendefizit von gut 51 000 Euro

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Kinderförderung ist der Gemeinde wichtig. Für den Kindergarten St. Andreas übernimmt sie die ungedeckten Betriebskosten von gut 51 000 Euro aus dem Jahr 2015/2016. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – »Interkommunale Zusammenarbeit ist bei uns schon lang an der Tagesordnung«, betonte Bürgermeister Thomas Gasser.


Diese zeigt sich nun auch im Kindergartenbereich: Seit 1. September 2016 besteht der »Katholische Kindergartenverbund Teisendorf-Laufen« mit Christian Reschberger als Leiter. Er stellte sich und seine Ziele nun im Gemeinderat vor. Einstimmig beschloss der Marktgemeinderat, dass die überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 51 898 Euro zur Deckung des Defizits des Kindergartens St. Andreas im Kindergartenjahr 2015/16 genehmigt wird.

Anzeige

Laut Betriebsträgervereinbarung von 2010 übernimmt die Marktgemeinde 100 Prozent des ungedeckten Betriebsaufwands für den Kindergarten St. Andreas. Die Defizite waren in den vergangenen Jahren sehr unterschiedlich. Lagen sie 2011/12 noch bei 4885 Euro, so sind sie bis 2015/16 auf 79 507 Euro angestiegen. Nach Abzug von auf das Defizit anrechenbaren Mehreinnahmen aus einem verspätet ausgezahlten Bezirkszuschuss für die Integrationskinder verbleibt für die Marktgemeinde eine Zahlung in Höhe von 51 858 Euro.

Kosten waren zu niedrig angesetzt gewesen

Der Anstieg der Defizite seit 2014/2015, das erste Jahr nach der Zeit von Schwester Brigitte als Leiterin, hat laut Reschberger mehrere Ursachen, wie Hauptamtsleiter Johann Thanbichler ausführte. Schwester Brigitte hatte sehr viele Spenden gesammelt. Für die neue Kindergartenleiterin fallen höhere Kosten an, da sie nach Tarif bezahlt werden muss, während Schwester Brigitte als Ordensfrau einen Sonderstatus hatte. Die Kosten für Verwaltung und Verbundleitung waren zu niedrig angesetzt gewesen. Zusätzliche Kosten entstanden durch Ausfall infolge von Krankheit oder Schwangerschaft, im Kindergarten Oberteisendorf ist unter anderem der Hausmeister nicht mehr ehrenamtlich tätig.

Nach Darstellung von Reschberger werde das Defizit künftig nicht mehr so hoch ausfallen, da die Kindergärten voll ausgelastet sind, erläuterte Thanbichler. Aus Reschbergers Sicht sei es auch möglich, dass die Gemeinde künftig das Defizit nicht mehr voll übernimmt. In Laufen würden nur 80 Prozent übernommen, maximal das 40-fache des Basiswerts, die staatliche Förderung für ein Regelkind bei einer Buchungszeit von drei bis vier Stunden. Dieser Basiswert wird jährlich angehoben und liegt heuer bei 1128 Euro.

Der Haushaltsplan des Kindergartens St. Andreas war dem Rathaus Anfang Januar 2016 mit einem kalkulierten Defizit von 104 550 Euro vorgelegt worden. Da die Haushaltsansätze schon sehr frühzeitig der Finanzverwaltung vorgelegt werden müssten, wurde laut Thanbichler übersehen, dafür Haushaltsmittel einzuplanen. Überplanmäßige Ausgaben von mehr als 50 000 Euro müsse der Marktgemeinderat genehmigen.

Thanbichler gab zu bedenken, dass in der Betriebsträgervereinbarung eigentlich festgelegt ist, dass der jährliche Haushaltsplan für den Kindergarten nebst Stellenplan eigentlich der Zustimmung der Gemeinde bedarf. Sie sei jedoch noch nie in die Haushaltsplanungen für den Kindergarten einbezogen worden. Deshalb sei zu überlegen, ob die Vereinbarung nicht gekündigt werden sollte mit dem Ziel, nicht mehr das gesamte Defizit übernehmen zu müssen. Dies beträfe jedoch auch die Kindergärten Oberteisendorf und Weildorf.

»Absolut sinnvoll investiertes Geld«

In der Diskussion kritisierte Grünen-Rat Edwin Hertlein die seines Erachtens zu ausführliche Befassung mit dem Defizit. »Das ist absolut sinnvoll investiertes Geld. Die Kinder sind unsere wichtigste Zukunftsinvestition«, betonte er. Für den Straßenbau gebe die Gemeinde mehr Geld aus. Man könne höchstens die Frage stellen, ob sich da der Freistaat aus der Verantwortung stehle. Er wies auch darauf hin, dass soziale Berufe ohnehin deutlich unterbezahlt seien.

Bürgermeister Thomas Gasser wünschte sich, künftig frühzeitig in die Haushaltsaufstellung für den Kindergarten einbezogen zu werden. Georg Quentin (SPD) bedauerte die Abnahme der ehrenamtlichen Tätigkeiten. Er befürchtete angesichts der Kostenanstiege einen Gebührenanstieg. Reschberger lobte Teisendorf dafür, dass die Elterngebühren alle zwei Jahre moderat angepasst werden. Die höheren Erwartungen heutiger Eltern an Kindertagesstätten sollten sich seiner Meinung nach auch in den Elternbeiträgen widerspiegeln. Beim Ehrenamt sei das Problem, dass heute keiner mehr ohne erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und Selbstauskunft etwas machen darf.

Alois Stadler (CSU) plädierte dafür, das Geld angesichts der guten geleisteten Arbeit jetzt auszugeben und die neue Verbundsleitung erst anlaufen zu lassen, um später darüber zu entscheiden, ob man die Betriebsträgervereinbarung verbessert oder ändert. Dem schloss sich Georg Wetzelsperger (CSU) an. Mit der Defizitübernahme sende die Gemeinde ein Signal aus, dass ihr Kinderförderung sehr wichtig ist, ergänzte Thomas Egger (CSU). Er begrüßte, dass durch die neue Verwaltungsstruktur wieder mehr Zeit für die Arbeit am Kind bleibt. vm

Mehr aus der Stadt Traunstein
Einstellungen