weather-image
10°

Maria und Josef auf Herbergssuche

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Maria und Josef werden bei der Herbergssuche abgewiesen: Christine Ober (von links), Georg Gruber, Michael Lindhuber und Johanna Neumeier. (Foto: Effner)

Ruhpolding – Wie in einem riesigen Krippenbild lassen heuer der Trachtenverein D'Miesenbacher und die Ruhpoldinger Heimatbühne zum zwölften Mal bei der Ruhpoldinger Waldweihnacht die berührende Geschichte von der Geburt Christi lebendig werden.


Mit der einmaligen Kulisse des Holzknechtmuseums und knapp 200 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne suchen die alle drei Jahre veranstalteten historischen Freiluft-Theaterspiele zur Weihnachtszeit bayernweit ihresgleichen. Nach der Premiere am heutigen Freitag um 19 Uhr gibt es vier weitere Aufführungen am 12. und 13. Dezember um 18 Uhr sowie am 18. und 19. Dezember um 19 beziehungsweise 18 Uhr.

Anzeige

Trachtengewänder wie vor 100 Jahren

Die gute alte Zeit, hier wird sie wie in einem Traum aus fernen Tagen lebendig: in originalgetreuen Trachten wie vor 100 Jahren, in Massenszenen und Auftritten mit Pferden, Hund und Ochse sowie historischen Kutschen. Mit Regisseur Christian Burghartswieser (42) hat seit 2011 ein Vollprofi die Inszenierung übernommen. Der ehemalige Forstverwaltungsangestellte aus Ruhpolding stand bereits mit vier Jahren auf der Bühne. Reich an Erfahrung mit Heimatbühnen, wechselte er 1999 als Profi zum Chiemgauer Volkstheater und trat auch mit der Iberl-Bühne auf. Die langjährige TV-, Tournee- und Regieerfahrung kommt ihm bei der jetzigen Inszenierung zugute. Zusammen mit der Trachtenexpertin und Schneiderin Evi Schweiger aus Ruhpolding und vielen weiteren Helfern hat Burghartswieser eine Rahmenhandlung in historischer Dorfkulisse geschaffen und darin höchst feinsinnig nostalgische Erzählstränge und moderne Elemente spannungsreich miteinander verworben.

Maria etwa gerät angesichts der jungfräulichen Schwangerschaft in eine schwere Glaubens- und Sinnkrise. Sie nimmt sich eine Auszeit zur Selbstfindung und pilgert zu ihrer Verwandten Elisabeth, die ebenfalls durch ein Wunder zur Mutter von Johannes dem Täufer wurde. »Wie würde denn ein Mädchen von heute auf so ein unerhörtes Ereignis reagieren?«, fragt Regisseur Burghartswieser. Der verlassene Josef wiederum muss sich von Sorgen geplagt mit seiner Gefühlswelt und den inneren Dämonen auseinandersetzen, die ganz plastisch aus dem Wald auftauchen. Wieder vereint, lassen Projektionen von Flüchtlingsbildern auf den Hügeln der Kulisse die Herbergssuche des heiligen Paares im Zusammenhang mit Asylsuchenden erscheinen.

Asylbewerber Johnson Furaha auf der Bühne

Mit Johnson Furaha aus Tansania steht sogar ein inzwischen in Ruhpolding integrierter Asylbewerber als Königsdarsteller auf der Bühne. Als Christkind wird schließlich der dreieinhalbmonatige Benedikt, der Sohn von Theatervorstand Simon Geierstanger, seinen ersten Bühnenauftritt haben.

Das ganze Dorf hilft bei der Aufführung mit, sei es als ehrenamtlicher Helfer oder Statist. Dank moderner Technik sind die im Holzknechtmuseum untergebrachten Sänger des Kirchenchors und das Orchester aus Profimusikern zwar nicht auf der Bühne zu sehen, aber »live« zu hören. Der farbig illuminierte Wald, Lichteffekte und die Auftritte breiter Volksschichten vom Hausierer bis zu zwei Baronessen machen die Waldweihnacht zu einem echten Erlebnis. Karten gibt es im Ruhpoldinger Hof, Telefon 08663/1212. ae

Mehr aus der Stadt Traunstein