weather-image
32°

Marderhunde und Waschbären auch in unserer Region

4.7
4.7
Bildtext einblenden
Der Waschbär ist nachtaktiv und sehr scheu. Deshalb bekommt ihn in freier Natur auch kaum jemand zu Gesicht. Auch in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land leben viele Waschbären, ohne dass jemand etwas von den Tieren bemerkt.

Während seit der deutschen Wiedervereinigung eine Invasion von Marderhund und Waschbär in Deutschlands Wäldern festgestellt wurde, sind diese beiden Tierarten im Landkreis Traunstein immer noch selten. Auf dem Vormarsch sind dagegen bei uns die Wildschweine. Die Biber sind bereits zu einer regelrechten Plage geworden. Das berichtete der Vorsitzende der Kreisgruppe Traunstein im Landesjagdverband, Sepp Haiker, in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.


Aktuelle Statistiken des Deutschen Jagdverbandes besagen, dass im Jagdjahr 2013/2013 erstmals mehr als 100 000 Waschbären erlegt worden sind, 47 Prozent mehr als im Jahr davor. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der erlegten Tiere um mehr als 3000 Prozent gestiegen. Beim Marderhund gab es nach vier Jahren Rückgang ebenfalls wieder steigende Abschusszahlen: Knapp 18 600 Tiere wurden erlegt; das sind 29 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im 10-Jahres-Vergleich verzeichnen die Jäger eine Steigerung um knapp 4500 Prozent.

Anzeige

Der Verband forderte von der Bundesregierung auf Basis der aktuellen Zahlen ein verstärktes Überwachen und Protokollieren für diese Tierarten sowie deren effektive »Kontrolle« – also das Bejagen, wo es nötig ist. Unabdingbar sei dabei der Einsatz von Fallen, da Waschbär und Marderhund nachtaktiv sind. Ein Verbot der Fangjagd, wie von Naturschützern gefordert, wäre kontraproduktiv für den Naturschutz, betonen die Jagdverantwortlichen. Der Einsatz von Fallen sei unabdingbar.

Waschbären gibt es im Landkreis Traunstein seit Jahrzehnten; doch kaum jemand bekam sie je zu Gesicht. Obwohl sie gejagt werden dürfen, sind sie nach Angaben von Josef Haiker in Jagdstatistiken des Landkreises noch nicht aufgetaucht.

Für Schlagzeilen sorgten die Kleinbären erstmals zu Beginn der 1980-er Jahre, als vermeintlich Vandalen fast täglich die Abfalltonnen beim Inzeller Eisstadion umwarfen und den Inhalt auf dem Boden verstreuten. Weil das sinnlose Tun nicht endete und die Polizei im Dunklen tappte, wurden damals Überwachungskameras installiert: Sie enttarnten eine Horde Waschbären als die vermeintlichen Vandalen. Die Tiere kamen jede Nacht von ihren Revieren am Falkenstein herunter ins Tal, um die Tonnen nach Fressbarem zu durchwühlen.

Der aus China stammende Marderhund ist in der Region dagegen sehr selten. Sepp Haiker erinnert sich, dass der erste Abschuss vor 15 bis 20 Jahren im Bereich Herbsdorf in der Gemeinde Nußdorf bekannt geworden ist. Seither seien im Landkreis wohl nicht mehr als drei dieser Tiere erlegt worden.

Der Marderhund wurde 2011 in seinem Hauptverbreitungsgebiet (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt) in 76 Prozent aller Jagdreviere nachgewiesen. Ähnlich verhält es sich mit dem Waschbär: Im Kerngebiet (Hessen, Thüringen, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt) wurde der aus Nordamerika stammende Kleinbär in 66 Prozent der Jagdreviere nachgewiesen.

Beide Arten sind extrem anpassungsfähig in Bezug auf Nahrung und Lebensraum. Sie erobern in Ökosystemen bisher unbesetzte Nischen oder verdrängen heimische Tierarten. Ihr negativer Einfluss auf die heimische Tierwelt lässt sich durch konkrete Beispiele belegen. Der Waschbär beispielsweise macht sich über die vom Aussterben bedrohte, europäische Sumpfschildkröte in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern her. Gefährdet sind nicht nur die Eier der Reptilien, sondern auch erwachsene Exemplare.

In Sachsen-Anhalt hat der Waschbär Europas größte Graureiher-Kolonie mit bis zu 420 Brutpaaren auf dem Gewissen. Und in Thüringen haben Waschbären bereits jeden fünften Horst des Uhus, unserer größten heimischen Eulenart, erobert. Die Berner Konvention empfiehlt, Waschbär und Marderhund streng zu kontrollieren, da sie die biologische Vielfalt gefährden.

Die Konvention ist ein völkerrechtlicher Vertrag des Europarates, ein Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen, wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume. -K.O.-