weather-image
25°

Mal etwas »die Handbremse anziehen«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Der Landfrauenchor, geleitet von Rosa Illguth, gestaltete auch im 30. Jahr seines Bestehens den Gottesdienst beim Landfrauentag musikalisch mit. Pfarrer Ludwig Westermeier (links) aus Kirchanschöring zelebrierte die Messe. (Foto: H. Eder)

Waging am See. Der Kirchanschöringer Pfarrer Ludwig Westermeier versteht es, in launigen Worten ernste Inhalte zu vermitteln. Beim Gottesdienst zum Landfrauentag gestern im Waginger Kurhaus sprach er den zahlreich anwesenden Frauen den Mut zu, doch das Zusammenkommen und das Gespräch innerhalb der Familie zu fördern.


Dem Zitat eines Philosophen – »Der Fernseher ist schlimmer als die Atombombe« – setzte er mit einem Schmunzeln noch eins drauf: »Die Zentralheizung ist schlimmer als der Fernseher.« Damit erinnerte er an noch gar nicht so lang vergangene Zeiten, als man schon deshalb des Abends im Familienkreis zusammensaß, weil im Haus nur das eine Zimmer geheizt war. Heute dagegen verziehe sich jeder, sobald er nach Hause komme, in sein eigenes – natürlich geheiztes – Zimmer.

Anzeige

Den Frauen als den »heimlichen Chefs auf den Höfen« legte er deshalb mit Nachdruck ans Herz, sich doch zu trauen, abends ein gemeinsames Zusammensitzen in der Familie anzuregen: »Verkaufen Sie den Fernseher und kaufen Sie einen Kachelofen«, brachte er seine Empfehlung auf einen eingängigen Nenner. Es sei schon ein guter Anfang, meinte Pfarrer Westermeier, dass sich die Landfrauen zu Beginn des Advents beim Landfrauentag für einen Tag zusammengefunden haben, um damit etwas »die Handbremse anzuziehen«. Man solle die sogenannte »stade« Zeit der Vorbereitung nutzen, um die Weihnachtsbotschaft im Herzen ankommen lassen, sich nicht erdrücken lassen von all den Anforderungen des täglichen Lebens.

Abends Tee kochen oder vielleicht gar zusehen, dass es nach Glühwein riecht, schon ein paar Plätzchen bereitstellen, die es sonst vielleicht erst an den Feiertagen gibt: Das wären, wie Pfarrer Westermeier meinte, gute Voraussetzungen, am Abend die Familie mal an einem Tisch zu versammeln. Dann könnte man sich Geschichten erzählen, ja, vielleicht sogar »die Bibel einschmuggeln«. In solch einer Atmosphäre könnten sich eventuell Gesprächsthemen ergeben, die man sonst noch nie gehabt habe. Denn, wie Pfarrer Westermeier meinte, »heute redet man leichter über Sex als über den eigenen Glauben«.

Kreisbäuerin Resi Schmidhuber zeigte sich begeistert von der Messfeier und der Predigt: »So einen wunderschönen Gottesdienst haben wir schon lang nimmer erlebt«, meinte sie und überreichte dem Pfarrer als Dankeschön einen Geschenkkorb mit regionalen Produkten. Eine Flasche Wein gab es auch für den Waginger Mesner Martin Hartl, der Jahr für Jahr dafür sorgt, dass alles Notwendige für die Messe vorhanden ist.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst wie immer vom Landfrauenchor unter Leitung von Rosa Illguth, instrumental begleitet von der »Lenzenberg Soatnmusi« aus Inzell. Diesmal waren schon ungewöhnlich viele – zumeist männliche – Ehrengäste zum Gottesdienst erschienen, vielleicht um sich die Mahnung der Kreisbäuerin aus früheren Jahren zu ersparen: »Den Mannerleit hätt’s auch nicht geschadet, wenn sie zur Messe gekommen wären.« he