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Maibaum transportieren ja – aber sicher

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Dieses traditionelle Bild – fröhliche Trachtler auf dem Maibaum sitzend – gibt es vermutlich nicht mehr oft. Denn streng genommen ist das nach einem tödlichen Unfall in Mühldorf laut Landratsamt nicht mehr genehmigungsfähig. Und im Zweifelsfall hätte der Vorstand des jeweiligen Vereins vermutlich auch haftungsrechtliche Probleme zu befürchten. (Foto: Archiv T. Eder)

Mit Irxenschmalz und Schwalben heben in wenigen Tagen auch im Landkreis Traunstein wieder zahlreiche muskelbepackte Trachtler ihre Maibäume – meist mit Hilfe ihrer Maibaumdiebe – in die Höhe. Dazu gibt's Bier und schmackhafte Brotzeiten, und mit etwas Glück strahlt der Himmel weiß-blau, wie sich das in Bayern für einen Festtag wie den 1. Mai gehört. Alles könnte so schön sein, wären da nicht die Bestimmungen der Straßenverkehrs- und der Straßenverkehrszulassungsordnung, an die sich die Behörden, die Polizei und in der Folge auch die Trachtler zu halten haben.


Brauch aus 19. Jahrhundert in moderne Zwänge kriegen

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»Das Problem ist, einen Brauch aus dem 19. Jahrhundert in die Zwänge der Gesetze und technischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts zu kriegen«, sagt dazu Johann Mayer, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Traunstein. »Früher gab es natürlich nicht so viel Verkehr und vielleicht waren auch die Maibäume nicht so lang.« Dabei habe es in der Vergangenheit immer wieder gefährliche Situationen gegeben, wenn etwa der Nachläufer von Fußgängern gelenkt wurde – »die können da ganz leicht unter die Räder kommen.« Aber grundsätzlich sei seine Erfahrung: »Wenn sich der Veranstalter rechtzeitig an das Landratsamt wendet, lässt sich normal immer eine Lösung finden.«

»Selbstverständlich dürfen auch jetzt und in Zukunft Maibäume transportiert werden«, so Landratsamts-Pressesprecher Roman Schneider auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Der Landkreis Traunstein unterstütze Tradition und Brauchtum auf jeder Ebene. »Allerdings ist die heutige Verkehrssituation nicht mehr vergleichbar mit der etwa im Jahr 1914. Deswegen müssen aus Sicherheitsgründen Auflagen auf öffentlichen Straßen zwingend beachtet werden« – für private Wege sei das Landratsamt nicht zuständig, stellte Schneider klar.

Für einen Maibaumtransport müssten mindestens 14 Tage vorher – für heuer wäre es bereits zu spät – die Genehmigungen bei der Zulassungsstelle an der Gabelsbergerstraße beantragt werden. Das wüssten die Vereine aber eigentlich. Wegen der Länge des Transports (über 18 Meter) sei sowohl eine Genehmigung des Landratsamts als auch der Regierung von Oberbayern erforderlich, die beide beim Landratsamt beantragt werden können.

Generell muss ein Maibaum auf öffentlichen Straßen von einem zugelassenen motorisierten Zugfahrzeug gezogen werden, für das ebenso wie für den Anhänger eine Betriebserlaubnis bestehen muss. Dabei ist polizeiliche Begleitung notwendig. Die Polizei kann diese Aufgabe jedoch an die Feuerwehren abgeben.

Während des Transports – auch mit dem Pferdefuhrwerk – darf niemand auf dem Maibaum sitzen (nach einem tödlichen Unfall in Mühldorf). »Kurz vor dem Veranstaltungsort darf auf Pferde umgespannt werden. Dabei kommt es immer auf den Einzelfall an. In der Regel wird das aber auch behördlicherseits so gehandhabt, dass der Brauchtumscharakter des Maibaumaufstellens erhalten bleibt«. Die Zulassungsstelle hält ein kostenloses Merkblatt mit allen gesetzlichen Bestimmungen bereit. Die beiden Genehmigungen kosten eine Gebühr von zusammen 30 Euro. Weitere Informationen gibt es bei Johannes Halser unter Telefon 58-495.

»Das ist nicht einfach, aber die Sicherheit geht immer vor«

Gab es im vergangenen Jahr noch Proteste einiger Trachtenvereine gegen die eine oder andere Entscheidung des Landratsamts, so stellt heuer Gauvorstand Peter Eicher vom Gauverband I klar: »Das ist nicht einfach, aber die Sicherheit geht immer vor.« Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagt er: »Man muss jeden Maibaumtransport beim Landratsamt anmelden. Was man natürlich nicht voraussehen kann, sind gestohlene Maibäume.« Aber das A & O sei die Absicherung mit Blinklichtern. »Das muss vorschriftsmäßig sein. Und das Wichtigste ist: kein Alkohol!«

Dazu, dass kein Trachtler mehr auf dem Maibaum sitzen darf – auch nicht hinterm Pferdefuhrwerk – sagt er: »Da kommt's natürlich darauf an, wie schnell gefahren wird. Bei 3 bis 4 km/h passiert ja normalerweise nichts. Aber wenn etwas passiert, ist immer der Vorstand dran, das sind ja oft Kinder und Jugendliche, um die es geht.« Er glaube, dass das in den Vereinen auch weitgehend so gesehen werde und sich die meisten wegen der Sicherheit daran halten werden.

Dass der Transport mit dem Pferdefuhrwerk über längere Strecken vom Amt nicht gern gesehen wird, sieht er als weitgehend unproblematisch: »Das hat man ja eh in letzter Zeit kaum noch gemacht, sondern für längere Strecken den Traktor genommen und erst im Ort aufs Pferdefuhrwerk umgeladen.«

Ähnliches berichtet der stellvertretende Gauvorstand des Chiemgau-Alpenverbands, Georg Westner aus Amerang: »Wir stellen ja heuer in Amerang auch wieder einen Maibaum auf. Dabei haben wir Glück: den bringen die Maibaumdiebe. Aber wir lassen da grundsätzlich keinen mehr drauf sitzen. Und selbst, wenn die Diebe drauf sitzen, werden sie am Ortseingang runterg'staubt, weil's zu gefährlich ist.« Das werde auch ohne Verordnung schon seit rund 20 Jahren so gehandhabt, seit einmal ein Mädchen den Fuß unter den Nachläufer am Ende des Maibaums brachte – »der ist zum Glück nicht so schwer, wie der vordere Teil«.

Gefährlicher sind die Aktionen der Maibaumdiebe

Gefährlicher als der eigentliche Transport am 1. Mai seien die »Nacht-und-Nebel-Aktionen der Maibaumdiebe, zum Teil mit Handwagen. Da weiß ich schon von ein paar, die sich mal die Knochen gebrochen haben, weil ihnen der Maibaum auf die Füße gefallen ist.« Grundsätzlich gehe auch im Chiemgau-Alpenverband die Sicherheit vor, nicht zuletzt wegen der Haftungsfrage: »Wenn was passiert, ist der Teufel los. Der Vorstand ist dann der Erste, der vor Gericht steht. Da überlegst gscheiter vorher zweimal, was du tust.« coho