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Mahnung zum Miteinander in der Landwirtschaft

Traunreut. Die Vorgaben der EU bestimmen weitgehend über den Geldbeutel der Bauern. Für das Mitmenschliche seien sie aber selbst verantwortlich. Das war der Inhalt der Bauernverbands-Gebietsversammlung im Gasthaus Namberger in Hörpolding. Während BBV-Geschäftsführer Reinhard Lampoltshammer die Verdienste seines Verbandes in Sachen EU-Bestimmungen herausstellte und Neuerungen der Agrarpolitik schilderte, appellierte Benno Steiner von der BBV-Landessiedlung an die Bauern, den Kompromiss und die Zusammenarbeit zu suchen.


Den rund 60 Landwirten schilderte der BBV-Geschäftsführer all das, was sich in der europäischen Agrarpolitik von 2015 bis 2020 tun wird. Dabei kam auch heraus, dass vieles noch nicht im Detail feststeht – die unterschiedlichen Einstellungen nicht nur in Europa, sondern auch innerhalb von Deutschland hätten bisher noch manche Einigung verhindert. Man müsse zwar mit der europäischen Agrarpolitik leben, bei allem aber, was erreicht worden sei, habe der Einfluss des Bauernverbands eine wichtige Rolle gespielt. Sicher erreicht worden seien höhere Hektarprämien für die kleineren Bauern.

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»Der Wettbewerb wird immer brutaler«

»Der Wettbewerb war noch nie so hart wie jetzt und wird auch untereinander immer brutaler und heftiger«, sagte Benno Steiner von der BBV-Landsiedlung zu Beginn. Diese Probleme gebe es nicht nur zwischen Berufskollegen, sondern auch innerhalb der Familien und zwischen Alt und Jung. Dazu komme die mangelnde Akzeptanz der Bauernarbeit durch die Gesellschaft, etwa wenn es ständig Beschwerden wegen Lärms oder Geruchs gibt.

In dieser Situation, die jeder Bauer längst kenne, müsse man entgegenwirken. Steiner machte dazu Vorschläge. Die Bauern müssten Verbindung zu gesellschaftlichen Gruppen suchen: »Wann habt ihr zum letzten Mal mit dem Bürgermeister oder einem Gemeinderat gesprochen?« Gerade wenn es um Bauprojekte gehe, um den Bau von Ställen etwa, sollte man sich im Umfeld aktiv strategische Partnerschaften suchen, um Bürgerinitiativen von vornherein entgegen zu wirken. Auch sei es gerade jetzt, bei den Kommunalwahlen, wichtig, dass sich Bauern als Kandidaten aufstellen lassen.

Die Bauern müssten versuchen, die Bevölkerung anzusprechen: So kritisierte Steiner die insgesamt geringe Bereitschaft von Bauern, bei den »Tagen des offenen Hofes« mitzumachen – nur 42 in ganz Bayern. Dabei wäre gerade eine solche Öffentlichkeitsaktion, auch wenn sie Arbeit verursacht, eine hervorragende Möglichkeit, die Bevölkerung auf die Leistungen der Bauern aufmerksam zu machen. Denn die Bauern könnten stolz sein auf das, was sie zur Gesellschaft beitragen.

Wie Steiner anmerkte, sei in Bayern in den vergangenen Jahrzehnten eine Fläche von der Größe Niederbayerns der Landwirtschaft verloren gegangen: »Und dann geht’s oft gegeneinander!« Fantasie sei gefragt, appellierte der Referent. »Überlegt euch, ob ihr wirklich soviel Gas geben müsst.« Mit Kreativität und Ideen, mit mehr Effektivität und zusätzlichen Betriebszweigen könnte man den Druck von der Fläche und auch von der eigenen Arbeitskraft nehmen.

Hoher Druck, der auf den Bauern lastet

Der Anstieg psychischer Erkrankungen gerade von Kindern aus Bauernfamilien und die Scheidungsraten seien Symptome für den hohen Druck, der auf den Bauern laste, vor allem aber auf den Bäuerinnen, die oft zum Prellbock innerhalb der Familien würden. Egoismus und Neid täten ein Übriges, die Situation zu vergiften. Unter diesen Umständen sollte jeder Bauer darüber nachdenken, ob er nicht etwas zurückstecken solle.

Mit Blick auf die Nachbarn meinte Steiner, man brauche keinem neidig sein: »Ihr werdet erleben, dass bei vielen Betrieben die Fassade bröckelt. Und man sieht von außen nicht, welchen Preis die dafür zahlen.« Die Situation heutzutage erfordere, so der Referent, dass man den Zusammenhalt untereinander suche, dass man Kooperationen mit Kollegen anstrebe und über Betriebspartnerschaften nachdenke, die über den gemeinsamen Gebrauch von Maschinen hinausgingen.

In der Diskussion der Gebietsversammlung der Bauern in Hörpolding sprach ein Landwirt wohl die Meinung vieler Kollegen aus, als er sagte, dass die Bauern viel lieber frei sein wollten und unabhängig von den staatlichen Zuschüssen. Denn gerade die Subventionen seien es, die den Bauern von vielen nicht vergönnt würden, die zu Neid führen und die Bauern angreifbar machten. Ein weiterer Bauer stellte in dem Zusammenhang fest: »Überall wo sich der Staat einmischt, geht es in die verkehrte Richtung.« he