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»Mädchen wieder in die Gesellschaft integrieren«

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Schon am Mittwoch geht es los: Julia Vogl aus Schleching geht für ein Jahr nach Togo in Westafrika, um dort als Freiwillige in einem Kinderheim zu arbeiten.

Schleching – So langsam wird Julia Vogl aus Schleching nervös, wenn sie an ihre baldige Abreise denkt. Schon am Mittwoch fliegt die 19-Jährige für ein Jahr nach Togo in Westafrika.


Dort will die Schlechingerin in einem Heim für junge Mädchen als Freiwillige arbeiten. Nach dem Abitur am Landschulheim Schloss Ising möchte Julia Deutschland nun erst einmal den Rücken kehren. »Ich habe schon immer gewusst, dass ich über die schulische Bildung hinaus eigene Erfahrungen in einem anderen Land sammeln möchte«, so die 19-Jährige.

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Für Togo hat sie sich entschieden, »weil mich Afrika schon immer interessiert hat«, und sie Südamerika schon ein wenig kennenlernen durfte. In Bolivien hat ihre ältere Schwester Katharina vor drei Jahren Freiwilligendienst geleistet, Julia hat sie dort besucht. »Jetzt möchte ich noch einen anderen Teil der Welt kennenlernen.«

Die Schlechingerin hat sich intensiv über soziale Arbeit im Ausland informiert. Am Ende entschied sie sich für die Organisation VIA, einen Verein für internationalen und interkulturellen Austausch, über den ihr Auslandsjahr nun laufen wird. Die 19-Jährige wird in Togos Hauptstadt Lomé im »Foyer Antonio« arbeiten. Das ist ein Heim für Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren, das sich unter anderem um deren Erziehung, Schul- und Berufsausbildung kümmert.

Die Mädchen kommen meist aus schwierigen Verhältnissen, gerieten in Konflikt mit dem Gesetz, wurden Opfer sexuellen Missbrauchs oder kamen mit Drogen und Prostitution in Berührung. »Es wird versucht, die Mädchen wieder in die Gesellschaft zu integrieren«, erklärt die Schlechingerin. Die Jugendlichen würden sonst ins Gefängnis abgeschoben. Denn generell gebe es in Togo nur sehr wenige Reintegrationsprogramme für Mädchen. Gerade deswegen interessiert sie die Arbeit im Projekt ganz besonders.

Julia will im intensiven Kontakt mit den Heimbewohnerinnen eine soziale Grundlage für deren späteres Leben in einer Welt schaffen, in der sie bisher besonders benachteiligt sind. »Zum Beispiel bei der Hausaufgabenbetreuung und der Freizeitgestaltung der Mädchen werde ich gebraucht«, so die 19-Jährige. Wie ihre Arbeit genau aussehen wird, weiß die Schlechingerin noch nicht, sie lässt einfach alles auf sich zukommen. »Ich werde meine Arbeit positiv angehen und schauen, wo ich mich am besten einbringen kann.«

Vor der Abreise ist bei Julia die Freude sehr groß, Menschen aus einem anderen Kulturkreis kennenzulernen. Auch eine neue Sprache wird sie lernen müssen, denn in Togo wird zwar fast überall Französisch gesprochen, aber die Nationalsprache heißt Ewe. Aber die 19-Jährige hat auch Befürchtungen: »Als Europäerin aus einem reichen Land bereitet es mir Sorge, dass ich mich zwar gut einlebe, aber nach einiger Zeit trotzdem noch spüre, dass ich nicht wirklich dazugehöre.« Auch ist das Leben in Togo nicht einfach: So ist das Straßensystem mangelhaft, die gesundheitliche Versorgung unzureichend und es gibt nur wenige Schulen und kaum Lehrkräfte.

Ihr Aufenthalt in Togo wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Rahmen des »weltwärts«-Programms gefördert; Ziel ist es, dass die Freiwilligen eine Summe von 2800 Euro über ihr eigenes Engagement hinaus durch Spenden einbringen. Bei Interesse kann man über die E-Mail-Adresse juliaenafrique@web.de mit der 19-Jährigen in Kontakt treten. Außerdem hat Julia vor, für die Jugendseite des Traunsteiner Tagblatts auch weiterhin über ihr Freiwilligenjahr in Afrika zu berichten. jar