weather-image
23°

Madame Dirredari ausgetrickst

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Bajazzo (Georg Maier), Quietscherl (Raphaela Hinterberger) und Bussarello (Harald Edelmann) tricksen die gewiefte Madame Dirredari (Ronny Weise, von links) aus. (Foto: Mix)

Traunreut. Die Iberl-Bühne aus München-Solln gastierte zum dritten Mal im k1. Dieses Mal spielte das Ensemble um Theaterchef Georg Maier das Boulevardstück »Madame Dirredari«, das in den 1930er Jahren im Münchner Schlachthofviertel spielt.


Madame Dirredari ist eine gewiefte und mit allen Wassern gewaschene Pfandleiherin im Münchner Schlachthofviertel. Ronny Weise spielt die Rolle in ihrer unnachahmlichen Art und begeisterte auch dieses Mal das Publikum. Die geschäftstüchtige Besitzerin des Pfandhauses hat nur ihren Gewinn im Kopf und nimmt, wenn sie ein lukratives Geschäft wittert, keine Rücksicht auf Verwandte oder ehemalige wie aktuelle Liebhaber. Neben ihr haben es ihre Nichte Quietscherl, eine einfache Blumenverkäuferin, Bussarello, ein ehemaliger Lohnschlächter, und Bajazzo, der zehn Jahre verschwundene Verlobte, nicht gerade leicht. Da sie die Drei, die notorisch knapp bei Kasse sind, nicht in der gewünschten Art und Weise unterstützt, schmieden diese ein Komplott gegen die Geschäftsfrau. Die Drei schaffen es gemeinsam, die sonst so versierte Madame Dirredari auszutricksen und drehen ihr einen falschen, schwarzen Fünfer an, eine angeblich sehr seltene und wertvolle Briefmarke.

Anzeige

Den wieder heimgekehrten, ehemaligen Verlobten mit dem imposanten Namen Bajazzo spielt der Chef der Iberl-Bühne, Georg Maier, höchstpersönlich und beeindruckend wie immer. Harald Edelmann spielt den Lohnschlächter Bussarello, der es satt hat, unschuldige Tiere zu ermorden und lieber ein »Gmiasdandler« werden will. Dafür hat Madame Dirredari aber gar kein Verständnis, da sie mit den von ihm beschafften Stierhoden, die sie unter der Hand an zahlungskräftige Interessenten weitergab, immer gut verdiente. Als besonderes Schmankerl in dem Stück singt Raphaela Hinterberger, die das sangesfreudige Quietscherl spielt, live und mit hervorragender Stimme auf der Bühne Opernarien.

Wie üblich bezog die Iberl-Bühne auch das Publikum in ihr Spiel mit ein. Die Darsteller kamen auch mal von der Bühne runter und gingen auf die Besucher direkt zu. So forderte der angeheiterte Bussarello eine Dame zu einem kleinen Tänzchen auf und konnte es sich nicht verkneifen zu betonen: »Des kimmt davo, wenn ma se immer ganz vorn hipflanzen muass.«

In dem Stück »Madame Dirredari« zeigt die Iberl-Bühne sehr authentisch und facettenreich das Leben im vorigen Jahrhundert in dem berühmten Schlachthofviertel. Die Figuren sind typisch für die damalige Zeit genauso wie ihre Sprechweise. Die Herrschaften versuchen mit eingestreuten französischen Begriffen und Fremdwörtern ihre Bildung hervorzuheben, sprechen die Worte allerdings grundsätzlich falsch aus und bringen teilweise völlig neue Wortschöpfungen heraus. Mit Personen, die Schriftdeutsch sprechen, wollen sie schon gar nichts zu tun haben, obwohl der Bajazzo meint: »Leid, de nach der Schreibe redn, san doch eigentli aa Menschen.« mix