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Luftbrücke in die Heimat: »Wir sind so froh, wieder daheim zu sein«

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Am Flughafen in Agadir standen fünf Quarterflugzeuge der Bundesregierung bereit, um Hunderte Touristen aus Marokko auszufliegen. An Bord auch Helga (55) aus Inzell.

Grenzen dicht, Flüge gestrichen: Laut Auswärtigem Amt sitzen Tausende Deutsche im Ausland fest. Die Bundesregierung versucht, mit Evakuierungsflügen möglichst viele von ihnen nach Hause zu bringen, und chartert Maschinen von Lufthansa, Condor und Tui. Zunächst sollen Pauschalreisende aus besonders betroffenen Gebieten zurückgeholt werden. Individualreisende versuchen, selbst noch irgendwie ihre Heimreisen zu organisieren.


Alle Gestrandeten sollen sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts eintragen (elefand.diplo.de). Das Traunsteiner Tagblatt hat mit drei Frauen über ihre zum Teil abenteuerliche Rückkehr nach Deutschland gesprochen und über das gute Gefühl, in der Krise deutschen Boden zu betreten. Eine von ihnen ist Helga (55) aus Inzell , die mit einer der ersten Charterflugzeuge der Bundesregierung aus Marokko zurückkam. Sie hatte mit ihrer Tochter zwei Wochen lang in der Nähe von Agadir Urlaub gemacht. Noch am Tag vor der Abreise war die Lage total entspannt, schildert sie. Auch weil die beiden Frauen sich während ihres Urlaubs eine zweiwöchige Medienabstinenz verordnet hatten, um einfach mal abzuschalten. Am Abend vor der geplanten Heimreise aber kam das böse Erwachen, der »Corona-Schock«, wie Helga es bezeichnete: Als sie für den nächsten Tag online einchecken wollten, hieß es: Flug annulliert. »Und dann ist von einer Sekunde auf die andere die Unbeschwertheit weg«, schildert Helga ihre Gefühle.

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Wenn sie früher im Fernsehen von gestrandeten Urlaubern in der Sonne gehört habe, habe sie sich immer gedacht, da gebe es Schlimmeres. »Selbst aber so eine Erfahrung zu machen, ist kein Spaß. Da will man nur noch heim.« Als besonders belastend empfand die 55-Jährige die Ungewissheit der nächsten Stunden. Auch am nächsten Tag gab es für die deutschen Touristen in ihrem Hotel kaum Informationen. Während die Urlauber aus Belgien abgeholt und nach Hause geflogen wurden, harrten die anderen Touristen im Hotel aus und fragten stündlich an der Rezeption nach, ob es Neuigkeiten gebe. »Dabei hatten wir ja noch Glück. Bei uns im Hotel hat alles bestens funktioniert.« Von anderen Touristen habe sie gehört, die aus dem Hotel geschmissen worden seien. Kurz vor Mitternacht kam dann der Anruf von der Rezeption, dass sie am nächsten Morgen abgeholt und nach Hause geflogen werden.

Mit Bussen wurden tags darauf ein paar Hundert deutsche Urlauber zum Flughafen nach Agadir gebracht. Fünf Flugzeuge standen dort auf dem Vorfeld. »Da lief alles relativ chaotisch«, so Helga. Es gab Namensliste und man sollte sich anstellen – dicht an dicht – um sich zu registrieren. Sie standen aber nicht auf den Listen. Nach einigem hin und her durften die beiden Frauen dann an Bord einer Lufthansa-Maschine. Vier der fünf Flugzeuge waren bereits voll, ihres noch nicht. Deshalb warteten sie, drei Stunden lang, ob noch weitere Touristen kommen. Die Lage sei unübersichtlich gewesen, der deutsche Kapitän und seine Crew durften nicht aussteigen, die Marokkaner wollten das alleine regeln.

Im Flugzeug kamen die Touristen während des Wartens mit den Besatzungsmitgliedern ins Gespräch. Erst da erfuhr Helga, dass es sich um einen Evakuierungsflug des Auswärtigen Amts handelt. »Heiko Maas, herzlichen Dank«, schob sie im Gespräch ein. Schließlich startete ihr Flieger nach Frankfurt. »Wir waren alle so froh, wieder deutschen Boden unter den Füßen zu haben.« Es sei ein Gefühl der Sicherheit gewesen, das einen sehr dankbar und auch demütig mache. Mit dem Leihwagen ging es für die Inzellerin weiter nach München und dann endlich wieder nach Hause. ka

Mehr dazu lesen Sie am Montag im Traunsteiner Tagblatt.

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