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Ludwig Böddecker und Hans Thullner bleiben Bezirksalmbauern

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Ruhpolding. Im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung blickte der Almwirtschaftliche Verein im Hotel zur Post auf das vergangene Jahr zurück. Bei den Neuwahlen wurden Bezirksalmbauer Ludwig Böddecker und sein Stellvertreter Hans Thullner einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Der Almbezirk Ruhpolding mit derzeit 112 Mitgliedern ist Mitglied des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern mit Sitz in Miesbach. Dieser ist aufgegliedert in 14 Bezirksalmbauernschaften und Interessensvertreter für etwa 9500 Betriebe.


Böddecker zog positive Bilanz einer Untersuchung milchgebender Almtiere: »Von 170 ausgewählten Risikotieren liegen 118 negative Befunde vor«. Bislang sei kein einziges Risikotier auf Krankheiten wie Rindertuberkulose (TBC) getestet worden. Als solche gelten Almkühe, die mindestens ein Jahr auf der Alm verbracht haben. Böddecker appellierte, mit Futtertrögen sorgfältig zu sein, um die Entstehung von Infektionsquellen zu verhindern. Beispielsweise sollten Salzsteine in Schüsseln gelagert und über Nacht weggeräumt werden.

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Almrinder seit zwei Jahren mit GPS-Sendern ausgestattet

Für weitere Untersuchungen seien Almrinder seit drei Jahren mit GPS-Sendern ausgestattet: »Die Daten zeigen interessante Ergebnisse«. Beispielsweise könne man sehen, welche Weidestandorte bevorzugt wurden, wie oft Tränken oder der Schatten aufgesucht wurden. Man müsse aber die Kosten bedenken. Ein Sender koste um die 170 Euro. Bei größeren Stückzahlen könne aber ein deutlicher Rabattabschlag ausgehandelt werden.

Böddecker riet, Almgemeinschaften zu bilden. Dank des Landschaftspflegeverbands und der Unterstützung der Steiner Brauerei wurden im letzten Jahr einige Schwend-Projekte abgeschlossen. Um eine gute Lösung für die Auflichtung am Weidegebiet Lödensee hätten sich sowohl die Bayerischen Staatsforsten als auch das Landratsamt bemüht. Hier waren auch die touristischen Belange berührt, herrsche doch nun eine bessere Sicht auf den Lödensee. Dennoch müsse die Beweidung optimiert werden, so Böddecker.

Zum Schluss kündigte Böddecker noch Termine an, unter anderem die Hauptalmbegehung auf Almen in Rottau, Bernau, Aschau und Grassau zum 30. Juli. Im Juni ist die Almroas geplant. Am ersten Oktober-Wochenende sind der Almbauerntag und die Hauptausschusssitzung in Grassau.

Über die Almwirtschaft berichtete der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins, Georg Mair. Der Auftrieb sei 2012 schwierig gewesen, da das Wetter von Mai bis Juni viel Niederschlag brachte. Im Vergleich zu 2011 sei der Auftrieb zwar in etwa gleich geblieben, speziell in Ruhpolding gab es sich jedoch einen Rückgang um 18 Prozent. »Dieser Rückgang ist gemessen an den durchschnittlichen Zahlen Oberbayerns sehr beängstigend«.

Unzufrieden zeigte sich Mair mit dem behördlichen Umgang mit einigen Almwegebauprojekten, die sich zu wahren Bürokratiemonstern entwickelt hätten. Die Behörden hätten teilweise Vorschläge eingebracht, die überhaupt nicht umsetzbar waren. Dadurch habe sich der Abschluss einiger Projekte unnötig verkompliziert. »Es ist traurig, wenn man für 500 Meter Weg, in einem Gelände ohne große Schwierigkeiten, ohne Steigungen und ohne Gefährdung für den Naturschutz beim obersten Minister anklopfen muss«, stellte Mair fest, der dennoch von gelungenen Alm- und Almwegebauprojekten berichtete.

»Man muss Anreize schaffen, dass die Almbauern und Almbewirtschafter bei der Stange bleiben und weiter Viecher halten«, betonte Mair mit Nachdruck. Dazu gehöre, die verfügbaren Flächen, die gemäht oder mit der Hand bewirtschaftet werden, optimal zu pflegen. Dies gehe mit einem enormen Arbeitsaufwand einher und führe zu Investitionsbedarf. Gerade deshalb sei man als Interessensvertreter verpflichtet, almwirtschaftliche Betriebe mit Viehhaltung und der Bereitschaft zu investieren, gezielt zu fördern.

Ein weiterer wichtiger Punkt seien flexible Weidezeiten. Die bisherigen Weidezeiten seien bedingt durch den Klimawandel nicht mehr zeitgemäß. Ferner ging er auf die Agrarpolitik für 2014 bis 2020 ein, EU-weit sind davon 12 Millionen Landwirte betroffen. Europäische Kommission, Europäisches Parlament und Europarat verteilten die Gelder. Man müsse mit den betroffenen Personen beziehungsweise Politikern sprechen und einen konstruktiven Dialog führen. Nur so könne ein Kompromiss gefunden werden.

Neuerungen in der Förderung vorgestellt

In Anlehnung an den Investitionsbedarf stellte Georg Zeltsperger vom Landwirtschaftsamt Traunstein Neuerungen in der Förderung vor. Konkret gehe es um Talbetriebe der Bergbauern. Bei Fragen stehe das Landwirtschaftsamt jederzeit Rede und Antwort. Bürgermeister Claus Pichler würdigte Ludwig Böddecker und Hans Thullner für ihre Arbeit im Almwirtschaftlichen Verein. Ruhpolding habe die meisten Almen, die auch flächenmäßig zu den größten in Oberbayern zählen. Die Gesellschaft brauche diese Flächen. Die Gemeinde versuche, diese Leistung durch die Bewirtschaftungsbeihilfe als kleine Anerkennung zu honorieren. Abschließend zeigte Michael Hinterstoißer, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins, noch Bilder vom Almsommer 2012. jsb