weather-image
29°

»Lost Places« – verlassene Plätze

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Der Ballsaal in einem verlassenen Hotel. Der Flügel wartet seit Jahrzehnten auf den nächsten Pianisten. Zu sehen ist dieses Bild in der Ausstellung »Lost Places« im Museum Torfbahnhof.

Grassau – »Die Schönheit des Verfalls«, wird in der interessanten Fotoausstellung »Lost Places« im Museum Torfbahnhof Rottau gezeigt. Der Fotokünstler Peter Untermaierhofer stellt hier bis zum 6. November (samstags, sonntags und mittwochs jeweils von 11 bis 17 Uhr) seine Werke im Museum aus.


Seine Fotografien von verlassenen Plätzen, die wie in einem Dornröschenschlaf Zeit, Raum und Ort überdauern, passen hervorragend in das Ambiente des Museums Torfbahnhof. Wunderschöne Aufnahmen außergewöhnlicher Orte, die die Fantasie des Betrachters anregen, präsentiert der 33-jährige Künstler aus Eggenfelden. Unwillkürlich denkt man beim Betrachten an die Vergangenheit dieser Schauplätze und stellt sich das Leben dort vor.

Anzeige

»Lost Places« Thema seiner Diplomarbeit

Schon als kleiner Bub interessierte sich Untermaierhofer für antike Bauwerke und wollte einst sogar Archäologe werden. Seine Begeisterung für verlassene Plätze erwachte, als ihm seine Mutter einen alten Burgstall und eine alte abgebrannte Villa zeigte. Mit gerade einmal 18 Jahren widmete er sich alten verlassenen Bauernhöfen und in Australien wurden »Lost Places« zum Thema seiner Diplomarbeit. Das Fotografieren ist die eine, doch das Finden solcher besonderen Schauplätze die andere Sache.

Das fotografische Know-how hat sich Untermaierhofer im Studium und in jahrelanger Praxis erworben. Immer wieder neue Plätze zu finden ist schwer. Internetrecherchen sind da nützlich. Doch möchte jeder, der sich der Fotografie dieser Stillleben verschrieben hat, das außergewöhnliche, Besondere, Einzelartige finden und keine zurechtgestellten und dekorierten Szenarien, erklärte Untermaierhofer. Viele alte verlassene Kirchen, halbzerfallene Hotels, Industriegebäude hat er besucht. Aus einer anderen Zeit erzählt auch das Bild eines Schlafraums in einem Kinderheim.

Imposant sind ferner die Aufnahmen aus einem ehemaligen Behandlungszimmer eines Urologen. Der Behandlungsstuhl wie auch einige medizinische Instrumente sind zu sehen und auf dem verstaubten Regal stehen Gläser mit Organen. Der Putz bröckelt von der Wand, der Boden ist aufgerissen und überall sind die Spuren der Zeit eindrucksvoll zu sehen.

Wie schnell sich die Natur ihren Raum zurückholt, zeigt eine Aufnahme eines Schlafzimmers. Das defekte Dach und die dadurch entstandene Feuchtigkeit ließen auf dem Bett eine Moosschicht wachsen. Ein kleines etwa verfallenes Schloss mit Türmchen, umwuchert von Sträuchern, lässt sofort an das Märchen »Rapunzel« denken. Der Schlafsaal eines verlassenen Kinderheimes weckt Gedanken an traurige Gesichter. Die Schönheit der graphischen Architektur ist in den Aufnahmen aus verschiedenen Bunkern zu erkennen.

Damit die Fotos diese Wirkung und Tiefe erzielen, müssen natürlich die richtige Perspektive, der ideale Blickwinkel und Belichtung gewählt werden, und da hilft im Grund nur ein künstlerisches Auge und ein Gespür für das Ergebnis.

Bei der Vernissage berichtete auch der ehemalige Museumsleiter Claus-Dieter Hotz, dass selbst der Torfbahnhof zu einem »Lost Place« gehörte und die alte Zimmerei, in der nun die Ausstellung zu finden ist, bis 1988 noch als Werkstatt genutzt wurde. Als er hier das erste Mal eintrat, fand er zentimeterdicken Staub, Spinnenweben und ein Durcheinander.

»Lost Places« ist die erste Ausstellung in diesem Umfang. In zwei Räumen werden die großformatigen Aufnahmen gezeigt. Ergänzt wird die Ausstellung durch zwei Videos, die im Medienraum zu sehen sind und über die Kunstrichtung Auskunft geben. tb

Mehr aus der Stadt Traunstein