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Letzte Rate per Scheck beglichen

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Die Stadt Traunreut ist seit Donnerstag schuldenfrei. Die letzte Darlehensrate wurde mit einem symbolischen Scheck getilgt, den Bürgermeister Franz Parzinger im Beisein des Vorstandes der Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut im Rathaus unterschrieb. (Foto: Gabi Rasch)

Traunreut. Die Stadt Traunreut gehört ab sofort zu den wenigen Kommunen in der Größenordnung von 20 000 Einwohnern, die schuldenfrei sind und gleichzeitig noch 28 Millionen Euro auf der hohen Kante haben. Die letzte Darlehensrate in Höhe von 55 357,68 Euro wurde am Donnerstag getilgt und verbucht. Vor Pressevertretern wurde das erfreuliche Ergebnis offiziell bekannt gegeben, von dem auch der Stadtrat in seiner Sitzung am Nachmittag in Kenntnis gesetzt worden war. Champagner und Kaviar wurden nicht gereicht. Dafür aber ein Dauerlächeln eines sichtlich stolzen Stadtoberhaupts.


Symbolisch überreichte Bürgermeister Franz Parzinger an den Vorstand der Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut, Franz Hofmann, per Scheck die letzte Rate eines Darlehens, das 2004 in Höhe von 2,5 Millionen Euro über die Raiffeisenbank bei der DG Hyp aufgenommen worden war. Nun sei die Stadt seit ihrer Gründerzeit in den 1950er Jahren zum ersten Mal schuldenfrei, sagte Parzinger und sprach etwas vorsichtig ausgedrückt von einem »historischen Tag«. Vorsichtig ausgerückt deshalb, weil die Stadt eine vergleichsweise junge Geschichte aufweist, in den gerade mal 60 Jahren aber eine erstaunliche und rasante Entwicklung erlebt habe. Sie ist buchstäblich aus dem Wald zur größten Stadt im Landkreis Traunstein herangewachsen mit derzeit rund 21 000 Einwohnern.

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Ein wesentlicher Anteil der Erfolgsgeschichte ist der Industrie zuzuschreiben, die sich in den 1950er Jahren in Traunreut angesiedelt hat. Bevor die Firma Heidenhain nach Traunreut kam, siedelten sich die ehemaligen Schucker-Werke (heute Bosch- und Siemens-Herdefabrik) in Traunreut an. Mit dem Siteco-Standort (Osram) biete die Industrie nach Parzingers Aussagen heute über 6500 Arbeitsplätze. Hinzu komme noch ein starker Mittelstand und Einzelhandel. Ein historisches Hoch bei den Gewerbesteuereinnahmen erzielte die Stadt 2011 mit knapp 29 Millionen Euro. Dass Traunreut heute finanziell so gut dastehe, sei aber nicht zuletzt allen Steuerzahlern zu verdanken, betonte Parzinger.

Parallel zur kontinuierlichen Entschuldung in den vergangenen zehn Jahren seien im selben Zeitraum auch über 105 Millionen Euro in Hoch- und Tiefbaumaßen und Straßen investiert worden. Aktuell investiert die Stadt in die Rathaus-Erweiterung und in eine zweite Kinderkrippe. Außerdem hat sie zwei Millionen Euro in den Bau einer weiteren Kinderkrippe investiert, die von der Jugendsiedlung Traunreut betrieben wird. Weitere anstehende Projekte sind die Verlagerung und Neubaus des Bauhofes und der Neubau einer Bibliothek. Die positive Finanzlage bedeute aber nicht, dass »wir es künftig übertreiben werden oder gar überschwänglich werden, sondern eine Politik mit Augenmaß weiter verfolgen werden«, so Parzinger. Von einer Neuverschuldung sieht das Stadtoberhaupt ab: »Wir wollen uns bewusst nicht mehr verschulden. Es sei denn, es passiert was.« Angesprochen auf die wirtschaftliche Situation der Stadtwerke, die einen Neukredit von fünf Millionen Euro aufgenommen haben, um den Anschluss an die Geothermie zu finanzieren, erklärte Parzinger, dass es sich bei den Stadtwerken um einen von der Stadt getrennten, eigenen Wirtschaftsbetrieb handle, der sich wiederum von den Gebühren finanziere. ga