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Letzte große Amtshandlung für Bürgermeister Parzinger

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Für Bürgermeister Franz Parzinger, links neben dem Bauhofleiter Josef Bernhofer, war der Spatenstich für den Bau eines neuen städtischen Bauhofes in Traunreut am Montag eine seiner letzten großen Amtshandlungen. (Foto: Rasch)

Traunreut. Wie viele Spatenstiche Bürgermeister Franz Parzinger in seiner zwölfjährigen Amtszeit vollzogen hat, entzieht sich seiner und unserer Kenntnis. Es waren aber etliche. Gestern führte er beim offiziellen Baubeginn des neuen Bauhofes definitiv seinen letzten aus: »Ich wünsche dem Bau einen reibungslosen und verletzungsfreien Lauf«, sagte Parzinger und ließ gleichermaßen zum letzten Mal im Beisein vieler Ehrengäste und Firmenvertreter einen Sektkorken knallen.


»Aufgaben werden immer umfangreicher«

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Bei der Baumaßnahme mit einer Bausumme von 10,4 Millionen Euro handle es sich um eine der größten Hochbaumaßnahmen der letzten Jahre, sagte Parzinger. Den städtischen Bauhof aus der Innenstadt in das neue Gewerbegebiet »Äugelwald« an den Stadtrand zu verlegen, sei eine wichtige und zukunftweisende Entscheidung gewesen. Der Bauhof, dessen Aufgaben immer umfangreicher werden, sei ein Aushängeschild für die Kommunen und seine Bürger, die oft nicht bemerken würden, wie wichtig diese Einrichtung sei. Insbesondere die beengten Verhältnisse hatten den Stadtrat dazu bewogen, neu zu bauen. Der Platz im jetzigen Bauhof reiche hinten und vorne nicht mehr aus, betonte Bauhofleiter Josef Bernhofer. Er begrüßte die Entscheidung des Stadtrats und gab seiner Freude Ausdruck, mit seinem Team bei den Planungen des Neubaus mit einbezogen worden zu sein. Er hoffe, so Bernhofer, dass der Einzugstermin vielleicht schon etwas früher als geplant terminiert werden könne.

Laut Angaben der Baufirma Swietelsky, vertreten durch Wilhelm Schuhböck, sollten noch am gestrigen Montagmittag die ersten Tieflader mit den Kranteilen auf dem über 15 000 Quadratmeter großen Grundstücksgelände eintreffen.

Den Auftrag für die Projektentwicklung im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung, hatte die Kplan AG Abensberg erhalten. Wie der Vorstand der Kplan AG, Christian Lanzinger, erklärte, sei das Projekt planerisch durchaus eine Herausforderung gewesen. Wie wiederholt berichtet, musste die frühere Waldfläche zunächst gerodet und auf Schadstoffe untersucht werden. Mit Ausnahme von Schrott wurden aber keine Schadstoffe festgestellt. Im Zuge der Rodungsarbeiten für das neue Gewerbegebiet »Äugelwald« im ehemaligen Sankt-Georgi-Forst war nämlich ein Relikt der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt (Muna) sichtbar zu Tage getreten. Ein Bahndamm, der aus Sicherheitsgründen zum Auslaufen der Waggons gebraucht wurde, die zu den Bunkern transportiert wurden. Die sogenannte Muna war ab 1942 an das Bahnnetz der Reichsbahn angeschlossen. Von Hörpolding aus wurden die leeren Granaten in Waggons in den Sankt-Georgi-Forst gebracht. Laut eines Zeitzeugen habe man dann Waggon für Waggon über ein Gefälle zu den Zellen und Bunkern loslaufen lassen, in denen die leeren Granaten dann mit Giftgas befüllt worden seien.

Im Frühjahr 1942 verließen die ersten Munitionszüge die Muna in Richtung Front. Ab 1945 begannen dann in der heutigen Stadt Traunreut die Gasverbrennungsarbeiten, die bis Anfang der 1950er Jahre durchgeführt wurden. 11 Arbeiter kamen im Herbst 1947 durch eine Explosion bei den Entgiftungsarbeiten ums Leben und viele trugen bleibende Schäden davon. Heute erinnert nichts mehr an die schreckliche Vergangenheit auf dem Gelände, auf dem sich auch ein Hochspannungsmast befindet, der das Baugrundstück des Bauhofes tangiert.

Stromleitung wurde in den Boden verlegt

Eine Verlegung der Stromleitung in den Boden, wäre allerdings zu aufwändig und zu teuer gewesen. Die Hochspannungsleitung hat aber auch zur Folge, dass links und rechts der Leitung ein Sicherheitsabstand von jeweils 20 Meter eingehalten werden muss. Das bedeutet, dass in diesem Bereich keine Überbauung stattfinden darf. Diese Flächen dürfen nur als offene Lagerflächen oder Parkplätze genutzt werden. Entsprechend dieser Vorgaben wurde die Planung der sechs Einzelgebäude – Verwaltungsbau, Magazin- und Werkshallen, KFZ-Werkstatt, beheizte Fahrzeughalle und unbeheizte Lagerhalle – ausgelegt. Beheizt werden die Gebäude, die in Skelettbauweise erstellt werden und damit als sehr robust und langlebig gelten, wie Lanzinger versicherte, über eine eigene Hackschnitzelanlage. Mit dem Rohbau soll Anfang Juni begonnen werden. Die Fertigstellung ist für Oktober 2015 geplant. ga