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Leitbild für das Miteinander von Stadt und Land

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Christian Ude, Vorstandsvorsitzender der Europäischen Metropolregion München, trug sich bei seinem Besuch in Waging ins Goldene Buch des Landkreises ein. (Foto: H. Eder)

Waging am See. Ein Gebilde wie die Europäische Metropolregion München (EMM), der rund zwei Dutzend Landkreise angehören, mit einer großen Bandbreite von der Landeshauptstadt München bis zu den ländlichen Regionen, ist schwer unter einen Hut zu bringen. Das wurde deutlich bei der EMM-Konferenz im Waginger Kurhaus mit 200 Akteuren aus Politik, Institutionen, Unternehmen und Wissenschaft.


Einerseits sieht sich, wie Vorstandsvorsitzender Christian Ude, Oberbürgermeister der Stadt München, betonte, die Region als »top in Europe«: »Wir haben uns anfangs schwergetan, weil es uns so gut geht.« Viele potenzielle Mitglieder hätten nicht eingesehen, warum man noch eine weitere Initiative aufpäppeln sollte, die bloß wieder Geld kostet. Aber, so warnte er: »Es wäre falsch, sich auf der Nummer-1-Position auszuruhen, als ob diese für alle Zeiten garantiert wäre.«

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Denn es gebe ja durchaus Probleme, die allerdings von den Mitgliedern sehr unterschiedlich empfunden würden. Schlagworte waren hier: der demografische Wandel, der Mangel an Fachkräften, bezahlbarer Wohnraum und Verkehr. Hier zeigten sich – besonders thematisiert von Landrat Hermann Steinmaßl – recht deutlich die Unterschiede zwischen Stadt und Land. Gerade für dieses »Spannungsfeld« sollten ja bei der Konferenz Lösungen gesucht werden.

Steinmaßl nannte es als oberstes Ziel, alles zu tun, dass die Leute hier wohnen und arbeiten können: »Dafür tun wir sehr viel.« Im Landkreis seien etliche Firmen in ihrer Branche Weltmarktführer; von daher sei die Arbeitsplatzsituation hervorragend. »Aber wir wollen im ländlichen Raum auch Hochschule spüren«. So sei etwa die Firma Osram von Traunreut nach Garching bei München umgesiedelt »aufgrund der Nähe der Uni«.

Ude meinte, Hochschulen könnten seiner Meinung nach durchaus außerhalb der Stadt erweitert werden. Mit jeder Ausweitung einer Universität wachse der Druck auf die studentische Wohnungssituation. Er verstehe selbst nicht, warum Hochschulerweiterungen »immer nach München hineingedrückt werden«, stellte Ude klar, »und wir wollen uns nicht in vermeintliche Gegensätze zum Land hineintreiben lassen.« München reiße sich durchaus nicht um weitere Einwohner. Auch müsse man sich von der Illusion lösen, dass die Kommunalpolitik Einfluss nehmen könne, wer zuzieht und wo sich große Firmen ansiedeln: »Der Zuzug ist nicht per Dekret regulierbar«.

Steinmaßl hatte als Schlüsselfunktion für den ländlichen Raum die Schaffung von Mobilität für Personen, Daten und Güter bezeichnet. Man brauche unbedingt eine gute Infrastruktur; dazu gehörten Breitband, Schienen, Straßen, Netze und auch der ÖPNV. Besonders sprach er den Ausbau der Autobahnen München – Salzburg und München – Passau an ebenso wie der Magistrale für Europa im Bahnbereich.

Auch hier ergab sich keine große Diskrepanz. Auch Ude forderte einen Ausbau des ÖPNV, für den er aber keineswegs zuständig sei. Vielmehr kritisierte er verschlafene Entwicklungen. Die Verlängerung der S-Bahnlinien müsse eines der konkretesten Ziele sein. Zusätzlich müssten – dies bezeichnete er allerdings noch als Utopie – Tangentialen gebaut werden, damit man nicht immer erst nach München müsse, um in den Nachbarlandkreis zu kommen.

Das Thema Schiene hatte Günter Striegel in die Diskussion eingebracht. Der Standortleiter der BSH Bosch-Siemens-Hausgeräte-GmbH in Traunreut hatte für seinen Standort vor allem ein gut ausgebautes Schienensystem als wichtige Voraussetzung angesprochen. Auch der Tegernseer Bürgermeister Peter Janssen formulierte es als wichtiges Ziel, das S-Bahn-Netz weiter nach Süden auszudehnen.

Stephan Reiß-Schmidt vom Münchner Referat für Stadtplanung betonte, München versuche keineswegs, seine Probleme auf das Umland abzuwälzen. Vielmehr müsse man sich gemeinsam auf den Weg machen und ein räumliches Leitbild entwickeln: »Wir müssen deutlich machen, dass wir konkret über Raumstrukturen nachdenken, dass wir auch konzeptionell etwas zu Papier bringen und damit eine belastbare Grundlage haben.« Dieser Vorschlag fand breite Zustimmung.

So fasste Moderator Professor Holger Magel, Präsident der Bayerischen Akademie ländlicher Raum, zusammen, aus der »riesigen Metropolregion« sollten flexibel räumliche Zuschnitte herausgenommen und separat behandelt werden. Dazu sollten die Bedürfnisse der Teilregionen konkret definiert werden, um so letztlich ein gemeinsames Leitbild erstellen zu können.

Möglicherweise fehlende Gemeinsamkeit hatte Professor Jürgen Aring in seinem Impulsreferat angesprochen, als er vom Spannungsfeld zwischen Partnerschaft und Eigeninteressen sprach, von oft konkurrierenden Interessen. Diese seien durchaus stark ausgeprägt, sicher stärker als die Idee eines Verbundes. Eine Kooperation auf Augenhöhe funktioniere wohl eher selten: »Wie oft ist wohl OB Ude schon in die Landkreise hinausgefahren, um mit Nachbarkollegen etwas zu besprechen?« Dazu sagte Moderator Holger Magel schmunzelnd: »Wir haben extra einen von außerhalb Bayerns eingeladen. Nur der traut sich so etwas zu sagen«. Eine miteinander abgestimmte Flächenentwicklung sei eine Aufgabe, die die Metropolregion übernehmen müsse, war Arings Botschaft. he