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Leiden eines Pantherchamäleons

4.8
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Traunstein – Ein apathisches, stark abgemagertes Pantherchamäleon, geschwächt nach der Eiablage, fanden Vertreter des Veterinäramts Rosenheim bei der Kontrolle eines Zoogeschäfts im westlichen Landkreis Rosenheim. Der Zustand des Tiers brachte dem 48-jährigen Geschäftsführer einen Strafbefehl des Amtsgerichts Traunstein wegen »Tiermisshandlung« ein. Auf seinen Einspruch hin untersuchte das Amtsgericht Traunstein mit Richterin Sandra Sauer nun den Fall. Es blieb bei der Geldstrafe von 30 mal 30 Euro.


Der Angeklagte betrieb die Reptilienzucht zunächst privat im Achental. 2010 eröffnete er ein Geschäft, mit dem er in eine Nachbargemeinde wechselte. Im März 2013 verlegte er den Betrieb in den Landkreis Rosenheim und nahm neben Reptilien den Bereich Aquaristik samt Zubehör hinzu. Auf Frage der Richterin bezifferte er sein Einkommen mit »Null«. Für seinen Lebensunterhalt komme seine Frau auf. Das Geschäft im Umkreis von Rosenheim existiere nicht mehr. Das wollten weder Richterin Sandra Sauer noch Staatsanwältin Dr. Theresa Steinberger-Fraunhofer glauben.

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Bereits 2013 war der Angeklagte in Rosenheim aufgefallen wegen einer abgemagerten Bartagame mit Legenot. Er musste mit der Agame zum Tierarzt. Sie habe sich nicht in Legenot befunden, beteuerte der Angeklagte. Das Tier sei geschwächt und in Behandlung gewesen. Es sei keine »normale Bartagame« gewesen, sondern eine 700 Dollar teure »hochgezüchtete Art aus den USA«: »Bei diesen Tieren war jedes Jahr nach der Eiablage eine tierärztliche Behandlung notwendig. Sie sehen dann nicht besonders gut aus.«

Mit seinem Traunsteiner Tierarzt habe er oft telefoniert, so der 48-Jährige. Der habe geraten zu Wasser, Vitaminen und Kalzium zum Aufpäppeln, dazu Babybrei als Eiweißersatz. 77 Besuche zwischen 2009 und Ende 2014 sowie viele Telefonate bestätigte der Tierarzt im Zeugenstand. Allerdings erwähnte er auch mehrfache »Legenot«-Diagnosen bei Reptilien des Angeklagten.

Das Pantherchamäleon, das die Amtsveterinäre am 14. August 2014 beanstandeten, habe nicht gut ausgesehen – schon eine Woche lang, räumte der 48-Jährige ein. »Nach meiner Meinung war es aber noch nicht in lebensbedrohlichem Zustand.« Wie bei allen geschwächten Tieren habe er Wasser und Vitamine mit der Pipette verabreicht. Er züchte schon lange Chamäleons. Besagtes Tier sei fast sechs Jahre alt gewesen. Normalerweise werde ein weibliches Chamäleon »eh nur drei bis fünf Jahre alt«.

Ein Amtstierarzt aus Rosenheim sagte, das Zoogeschäft habe gegen 25 Auflagen des Zulassungsbescheids verstoßen, etwa Tiere ohne Sachkundebescheid und ohne sachkundiges Personal verkauft. Die Aufzeichnungen über die Tiere hätten nicht gestimmt. In den Terrarien habe es erhebliche Mängel gegeben. So hätten teils Wasser oder Luftbefeuchtungsanlagen gefehlt. Tiere, die nicht zueinanderpassen, seien »vergesellschaftet« worden. Das Pantherchamäleon sei hochgradig krank gewesen.

Reptilien-Facharzt Dr. Robert Kirmaier aus Mühldorf meinte, das Pantherchamäleon habe mehrere Tage erhebliche Schmerzen erlitten. Die Staatsanwältin sah die Vorwürfe bestätigt. Die Geldstrafe solle auf 50 Tagessätze zu je 50 Euro erhöht werden. Der 48-Jährige warf ein: »Ich kaufe nicht teure Tiere, um sie dann schlecht zu behandeln.« Bei der Luftfeuchte gebe es halt Schwankungen. Er sehe durchaus ein, vielleicht einen Fehler gemacht zu haben, habe nicht gewollt, dass ein Tier leidet. Richterin Sandra Sauer erklärte im Urteil: »Hinsichtlich der Strafhöhe hat Sie Ihr letztes Wort rausgerissen. Sie haben Einsicht gezeigt.« Sie hoffe, dass es im neuen Geschäft keine Verstöße mehr gebe. kd