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Lehrermangel auch im Landkreis Traunstein?

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Klassenraum
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Blick in ein Klassenzimmer einer Berliner Schule. Foto: Maja Hitij Foto: dpa

Traunstein – Das Thema Lehrermangel wird schon lange heiß diskutiert – und nun zum Schuljahresbeginn ist es wieder hochaktuell (wir berichteten mehrfach). An den Grund- und Mittelschulen im Landkreis Traunstein sieht es laut Schulamtsdirektor Otto Mayer »nicht schlecht« aus. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) fordert vor allem mehr »Mobile Reserven«.


»Wir müssen flexibler agieren können, damit so etwas wie im vergangenen Jahr im November nicht noch einmal passiert«, betont BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Damals waren aufgrund von gehäuft auftretenden Krankheitsfällen unter Bayerns Lehrer auch massenhaft Unterrichtsstunden ausgefallen. »Mobile Reserven«, also Lehrkräfte, die an der Schule einspringen, wo gerade Not am Mann ist, könnten hier eine große Hilfe sein.

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Zum ersten Schultag werde selbstverständlich jedes Kind im Landkreis Traunstein einen Lehrer haben. Doch die Frage sei schon, wie das erreicht worden sei. »Momentan ist es nämlich so, dass Pensionisten und Studierende zur Sicherung des Unterrichts herangezogen werden«, kritisiert Fleischmann. Außerdem würden Realschul- und Gymnasiallehrkräfte, die keine Anstellung bekommen haben, in Grund- und Mittelschulen eingesetzt. »Vor diesem Hintergrund bedeuten die Stellenzusagen des Ministeriums notwendige Verbesserungen.«

Mehr Studienplätze für das Grundschullehramt

Insgesamt gibt es im Freistaat nämlich 500 neue Stellen für multiprofessionelle Teams, 700 zusätzliche Studienplätze für das Grundschullehramt, 2000 weitere Lehrerplanstellen und die Aussicht auf Verbeamtung für befristet angestellte Lehrkräfte.

Letztlich werde sich erst am morgigen Dienstag zum Schulstart herausstellen, wie es wirklich an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis Traunstein aussieht, sagt Otto Mayer. »Vor zwei Wochen waren wir personell noch voll versorgt«, berichtet der Schulamtsdirektor. »Nun treten aber einige Lehrkräfte aus den verschiedensten Gründen nicht an und wir haben wieder 40 Stunden, die personell nicht abgedeckt werden können.«

Trotzdem beschreibt er die Lage im Landkreis als noch gut. »Wir dürfen wirklich nicht jammern, da gibt es ganz andere Regionen. Uns geht es da im Vergleich nicht schlecht«, betont er.

Otto Mayer ist für 44 Grund-und Mittelschulen im Landkreis zuständig. »Besonderheiten bei der Besetzung von Klassenführungen«, wie er es nennt, gebe es zum ersten Schultag an einigen Grundschulen des Landkreises. »Bedingt durch die Tatsache, dass immer mehr Lehrkräfte nicht mit dem vollen Stundenmaß unterrichten, teilen sich manchmal zwei Lehrer eine Klassenleitung oder bei zu wenigen Kindern vor Ort werden Kombiklassen (zum Beispiel erste und zweite Klasse gemeinsam; Anmerkung der Redaktion;) gebildet.«

Otto Mayer betont, dass sowohl der Beruf des Grundschullehrers als auch der des Mittelschullehrers wieder attraktiver werden müsse, damit mehr junge Leute das studieren wollen.

»Kleine Kinder kleines Geld«

Das findet auch Simone Fleischmann: »Im Moment sieht es nämlich so aus: Kleine Kinder kleines Geld, große Kinder großes Geld.« Heißt konkret: Die Lehrer an Gymnasien verdienen deutlich besser als die an Grundschulen. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) begrüße deshalb auch jeden Vorstoß, der den Lehrerberuf wieder attraktiver mache. »Alle Indizien sprechen dafür, dass das Kultusministerium versucht, die Bildungsqualität in Bayern zum neuen Schuljahr hochzuhalten«, sagt Fleischmann. »Trotzdem messen wir Bildungsqualität an der Realität. Ob und wie die Maßnahmen der Staatsregierung greifen, werden wir sehen, wenn die ersten Wochen des neuen Schuljahrs angelaufen sind.« Grundsätzlich sei aber festzustellen, dass seit Jahren »auf Kante genäht wird«.

Weniger Stunden, mehr Schüler

Das spüren auch die Verantwortlichen der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule, »auch wenn die Stundenzuweisung zufriedenstellend ist«, wie der neue Schulleiter Stefan Bauer sagt. Die Traunsteiner Schule hat allerdings weniger Lehrerstunden bekommen als vergangenes Jahr – und das, obwohl die Schülerzahl leicht um neun Schüler auf 412 gestiegen ist. Die Konsequenz daraus sei, dass zum Pflichtunterricht weniger angeboten werden könne oder die Gruppen sehr groß seien, sagt Ulrike Hoernes, die stellvertretende Schulleiterin.

Diese Tendenz sieht auch die Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbands. An vielen Schulen könne »darüber hinaus« wenig gemacht werden. Fleischmann gibt zu bedenken, dass es in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Herausforderungen gegeben habe – »etwa der starke Ruf nach Digitalisierung, das Thema Inklusion oder auch die individuelle Förderung.« An den Schulen müsse das alles immer nebenbei gehen, ohne mehr Personal. »Das darf eigentlich nicht sein im reichsten Bundesland Deutschlands.« KR

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