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Lebhafte Debatte über die Sanierung der Klosterkirche

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In die nächste Runde, die Genehmigungsplanung, geht die Sanierung der Klosterkirche, wenn der Stadtrat am heutigen Donnerstag zustimmt. (Foto: Archiv Reiter)

Traunstein – »Am End' sind's zehn Millionen, und das wird nicht langen«, schimpfte Wolfgang Osenstätter (CSU) in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses über die Kostenentwicklung bei der Sanierung der Klosterkirche. Was Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) zu der Feststellung veranlasste, man solle doch nicht immer mit falschen Zahlen operieren – man müsse doch Mittel der Städtebauförderung in Höhe von über 50 Prozent bedenken. So spreche man zum Zeitpunkt des Architektenwettbewerbs von 3,7 Millionen Euro Eigenanteil der Stadt.


Mittel aus der Städtebauförderung

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Doch auch die Mittel der Städtebauförderung, so legte Osenstätter nach, seien ja Steuergelder. Doch die seien, so antworteten wiederum die Befürworter der aktuellen Planung, speziell für die Städtebauförderung reserviert. »Davon wird kein Kindergarten gebaut, wenn wir es nicht nehmen«, so Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD), »wenn wir's nicht abrufen, nimmt's irgendeine andere Gemeinde.«

Und so beschloss der Finanzausschuss nach kurzer, aber lebhafter Debatte, die Entwurfsplanung für die Sanierung nun abzuschließen, und die weiteren Leistungsphasen der Planung zu beauftragen – vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrats, der sich am heutigen Donnerstag mit dem Thema befassen wird.

Stimmt auch dieses Gremium zu, wird also die Planung weitergeführt auf Grundlage des Ergebnisses des Architektenwettbewerbs, nur ohne Kleinkunstbühne. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Klosterkirche haben in ihren jüngsten Sitzungen Einsparpotenziale beim Schulhof (Verzicht auf den Rückbau des Belichtungsgrabens) und der Akustik (die Stoffbahnen werden weiterhin von Hand aufgehängt) ausgemacht. Auch sei eine vorgesehene Lüftung nicht notwendig – »wir können ja in Veranstaltungspausen quer lüften«, erklärte Hauptamtsleiter Gerhard Spiegelsberger. Die Galerie, so die Arbeitsgruppe, solle im Südflügel belassen werden, wegen ihres Beitrags zur Belebung der Ludwigstraße.

Ernst Haider (UW) merkte an, im Entwurf sei ein Steinboden vorgesehen, die Arbeitsgruppe habe aber im Akustikkonzept einen Holzboden vorgesehen, das sei zu prüfen. Er akzeptiere das Ergebnis, die Galerie im Südflügel zu belassen, aber »die Begründung, dass bei einer Verlagerung der Galerie die Frequenz der Ludwigstraße abginge, finde ich etwas dürftig«.

Kegel sagte zu, die Frage nach dem Holzboden zu überprüfen. Der Verzicht auf eine elektrische Anlage für die Akustik-Segel spare rund 100 000 Euro ein. Auf das Argument von Christa Fuchs (CSU), die Galerie müsse bleiben, wo sie sei, sonst würde Architekt Peter Färbinger sofort die Arbeit niederlegen, entgegnete Wilfried Schott (Bündnis 90/Die Grünen): »Der Entwurf wurde doch eh schon geändert mit dem Verzicht auf den goldenen Würfel. Es ist doch die Frage, ob die Voraussetzungen noch so sind wie vor vier Jahren«, sagte er und regte an, innezuhalten und nochmals zu überlegen.

»Man muss die Meinung der Mehrheit akzeptieren«

Das wiederum verärgerte Oberbürgermeister Christian Kegel sichtlich: »Wir reden jetzt seit vier Jahren über das Konzept, man muss doch irgendwann mal die Meinung der Mehrheit akzeptieren und nicht bei jeder Leistungsphase alles grundsätzlich von vorn aufrollen.« Wiesholler-Niederlöhner pflichtete ihm bei: »Man muss doch mal einen Stadtrats-Beschluss akzeptieren. Wir sind doch kein 'Diskutier-Club ohne Punkt und Komma'.« Es gehe um das Gesamtkonzept, »das wir dringend brauchen. Wie blöd muss sich eigentlich die Arbeitsgruppe vorkommen, wenn jedes Mal ihre Arbeit im Ausschuss wieder in Frage gestellt wird?«

Zur Kostenmehrung gegenüber der Schätzung von rund 560 000 Euro oder 7,5 Prozent erklärte Gerhard Spiegelsberger, allein 3 Prozent davon seien der Erhöhung der Honorarordnung für die Planer geschuldet. Der Rest liege unter anderem am Wassereintritt in Mauer- und Dachtragwerk, Schäden am Blechdach des Südflügels und Dämmung, Möblierung, Beleuchtung, und Integration eines denkmalpflegerisch verträglichen Beleuchtungskonzepts im Kirchenraum sowie im Südflügel. coho