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»Lasst uns Hüter der Schöpfung sein«

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»Lasst uns Hüter der Schöpfung sein«, war das Motto des vom Kreiskatholikenrat Traunstein und den Dekanaten Baumburg und Traunstein organisierten Glaubensfests in der Stiftskirche St. Margareta in Baumburg. Dekan Hans Huber erinnerte dabei nicht nur an die Verantwortung, die jeder einzelne als »Hüter der Schöpfung« trage, sondern auch an den Auftrag aus dem biblischen Bruderzwist »Damit es anders anfängt zwischen uns«.


Hüten erfordert Achtsamkeit, Ausdauer, Mut und Einsatz

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Dekan Huber verwies darauf, dass dies auch ein zentrales Anliegen von Papst Franziskus sei, der in seiner Antrittsrede allen ans Herz gelegt hatte: »Lasst uns Hüter der Schöpfung sein«. Das Wort »Hüter« ließ Huber in Erinnerung an seine Schulzeit wach werden, als er als Bub am elterlichen Hof Kühe hüten durfte. Da es keinen Zaun gab, lag es am Hüter, dass den Kühen nichts passierte. Hüten erfordere Achtsamkeit, Ausdauer und manchmal auch Mut und Einsatz. Letzteres sei heutzutage gefragt, wenn es darum gehe, Aktionen anzuregen und zu unterstützen, etwa Wildtiere in Afrika, den Regenwald oder unsere Atmosphäre zu schützen.

Wenn es ums »Hüten« gehe, komme ihm auch der biblische Bruderzwist zwischen Kain und Abel in den Sinn. Kain antwortete auf die Frage Gottes, wo denn sein Bruder Abel sei: »Bin ich denn der Hüter meines Bruders?« Die Dichterin Hilde Domin habe die Geschichte in einem ihrer Gedichte bearbeitet. Geradezu leidenschaftlich formulierte sie »Abel steh auf« und weiter »wir können alle Kirchen schließen und alle Gesetzbücher abschaffen in allen Sprachen der Erde, wenn du nur aufstehst und sie rückgängig machst, die erste, falsche Antwort auf die einzige Frage, auf die es ankommt: Wie sollte ich nicht dein Hüter sein?«. »Abel steh auf, damit es anders anfängt zwischen uns allen«, lautete die Antwort.

Am Sonntag nach Ostern und an Pfingsten werde jedes Jahr das Evangelium verkündet: »Der Getötete steht auf, tritt in unsere Mitte und sagt »Shalom«, »Friede sei mit euch«. Und: »Empfangt Heiligen Geist«, damit es anders anfängt zwischen uns allen. Es gebe solche Anfänge, wie das Waisenhausprojekt in Rumänien, das Klaus Mühlberger vorstellte. Auch die Energiewende gehöre dazu oder das kirchliche Umweltmanagement, das vom Baumburger und Traunsteiner Dekanat angestoßen wurde.

»Und es fängt anders an zwischen uns allen, wenn wir den Sonntag hüten«, so der Dekan. »Er ist der Tag in der Woche, an dem es alle sieben Tage neu anfangen kann zwischen uns allen.« Dabei sei es wichtig, sich weiterhin für den gesetzlichen Schutz der Sonntagsruhe politisch stark zu machen und damit auch die zu schützen, die immer öfter am Sonntag der Erwerbsarbeit nachgehen müssten. Und es gelte, den Sonntag von innen heraus zu feiern und den Christen selbst bewusst zu machen. Ein schönes Zeichen, den Sonntag als besonderen Tag wieder ins »Licht« zu setzen, sei die Idee der Pfarrei Ruhpolding einer »Sonntagskerze«, die bewusst am Sonntag beim gemeinsamen Frühstück oder Mittagessen angezündet werde. Der Sonntag sei der Tag, an dem alles anders anfängt »zwischen uns allen« und der Tag, an dem Gott sein Werk vollendete – indem er »Ruhe« gab.

»Ruhe geben, ist ein ganz wichtiger Wert«

»A Ruah geb’n« sei eine aktive Tätigkeit, so Dekan Huber. Wie aus einer großen Schüssel »Ruhe« austeilen in eine unruhige, laute, hektische Welt. Als Kind habe er immer den Nachbarsbuben um dessen Oma beneidet. Die saß oft schon nachmittags auf der Hausbank, die Nachbarskinder hätten sich zu ihr gesetzt und seien dann weitergelaufen. »Die Frau, die sicher auch manchmal meinte, dass sie für nichts mehr gut sei, hat den Kindern Ruhe gegeben«, ein ganz wichtiger Wert, damit es immer wieder neu anfangen kann zwischen allen und wir Hüter der Geschöpfe und der Schöpfung werden.

Nach dem Gottesdienst stellte der angehende Diakon Klaus Mühlberger aus Reit im Winkl sein Waisenkinderprojekt in Rumänien vor. Der Reinerlös des Glaubensfests und die Kollekte gingen dieses Jahr an das Projekt von Klaus Mühlberger. sts